Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Neustart nach der Pandemie

Neues Format: Oberbürgermeister Thomas Hirsch bei seinem Bürgerempfang auf dem Maimarkt.
Neues Format: Oberbürgermeister Thomas Hirsch bei seinem Bürgerempfang auf dem Maimarkt.

Die Krise und ihre Bewältigung standen im Mittelpunkt des verspäteten Neujahrsempfangs des Oberbürgermeisters. Es war sein letzter. Den Landauern rät er, die Neuwahl ernstzunehmen. Weil ohne Ehrenamt gar nichts geht in der Stadt, wurden vier Frauen und Männer ausgezeichnet.

„Who wants to live forever?“ Wer will ewig leben? Diese Frage hat die Brass Connection der Landauer Stadtkapelle am Sonntagvormittag mit dem Queen-Song auf dem Maimarkt aufgeworfen. Ewig muss es ja nicht sein, aber man hat es sehr gut aushalten können bei diesem Freiluft-Neujahrsempfang, den der Oberbürgermeister schon zweimal pandemiebedingt verschoben hatte und der jetzt auf den ersten Maimarkt nach der Pandemie fiel. Und auf drei Jahrestage: Muttertag, den Tag des Roten Kreuzes und den Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, die alle thematisch zumindest ein bisschen passend waren.

107.000 Impfungen verabreicht

Wenn man die Ampullen aller 107.000 Corona-Impfungen aneinanderreihen würde, die 2021 im Landauer Impfzentrum von Stadt und Kreis verabreicht worden sind, würden sie vom Maimarkt bis zur Stiftskirche reichen, sagte Oberbürgermeister Thomas Hirsch. Zusammen mit den über 100.000 Testungen in der Festhalle zeige dies die gute Verzahnung zwischen ehren- und hauptamtlichen Kräften auf allen Ebenen, die dazu beigetragen habe, dass Landau vergleichsweise gut durch die Krise gekommen sei. Corona habe aber auch die Demokratie vor Herausforderungen gestellt und den Rechtsstaat belastet – durch Querdenker und die Montagsdemonstrationen, die auch Polizei und Ordnungsamt stark gefordert hätten.

Polizeidirektor Thomas Sommerrock war wegen des Nachteinsatzes beim Rockertreffen in Edenkoben verhindert, aber Hirsch bedankte sich bei Oberst Stefan Weber und dem regionalen Verbindungsoffizier Björn Kilian für die Unterstützung während der Pandemie, beispielsweise für Personal für die Teststellen und das Gesundheitsamt. Außenpolitik sei keine kommunale Aufgabe, aber Landau nehme Schutzsuchende aus der Ukraine auf und leiste humanitäre Hilfe über das Klinikum.

Stadtentwicklung macht keine Pause

Trotz der Pandemie habe sich in Landau einiges bewegt, sagte Hirsch. Er nannte 50 Millionen Euro Investitionen in Kitas und Schulen, Straßen und Radwege sowie digitale Infrastruktur. Der Abriss des Kaufhofs sei „mit Herzschmerz“ verbunden, aber es werde ein modernes Stadttor entstehen. Beim Hofmeister-Areal sei eine Industriebrache verhindert worden, und neben dem Wasgau werde Wohnbebauung entstehe. Der Rahmenplan für das neue Stadtquartier im Südwesten sei in Vorbereitung, und die Schwanenweiher-Sanierung habe begonnen. Mit der Solarrichtlinie für mehr Fotovoltaikanlagen auf Dächern habe Landau bundesweit Beachtung gefunden. Uni-Vizepräsidentin Gabriele Schaumann rief er zu, für eine Fusion mit der Technischen Universität Kaiserslautern auf Augenhöhe zu kämpfen.

Hirsch, der zum Jahresende „nach über 30 Jahren im Dienst der Stadt“ als Präsident zum rheinland-pfälzischen Sparkassenverband wechselt, rief die Landauerinnen und Landauer dazu auf, ihre Möglichkeiten zum Mitreden zu nutzen, auch kritische Hinweise zu geben und mitzudiskutieren – und sich an der Oberbürgermeisterwahl am 3. Juli zu beteiligen und dazu das Gespräch mit den drei Kandidaten Lukas Hartmann, Maximilian Ingenthron und Dominik Geißler zu nutzen, die alle vor Ort waren.

„Angriff auf unsere Versorgung“

Die übliche Neujahrsbrezel der Bäckerinnung war diesmal ein Riesengebäck in Herzform. Es ging unmittelbar im Anschluss ans Frauenhaus. In Sachen Gleichberechtigung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei noch viel zu tun, merkte Hirsch zum Muttertag an. Claus Becker, stellvertretender Innungsobermeister der Bäckerinnung, der das Backwerk überreichte, nannte Putins Ukrainekrieg einen „Angriff auf unsere Versorgung“, der große Probleme bereite, an Getreide zu kommen.

Mindestens so wichtig wie die „gebaute“ sei die „soziale Stadt“, sagte der Oberbürgermeister und nannte den Kinderschutzbund sowie zahlreiche andere Vereine und Einrichtungen, die das Zusammenleben in Landau prägen. Stellvertretend zeichnete er vier Frauen und Männer mit der Ehrennadel der Stadt aus: Karin Leiner, Vorständin und „Urgestein“ der Ökumenischen Sozialstation, für ihr 40-jähriges Engagement. Sie selbst nennt sich „als mal unbequem“, aber es sei ihr ein Anliegen, für die hochbetagten und pflegebedürftigen Menschen einzutreten, „die keine Stimme mehr haben“. Gudrun Hollstein, die Leiterin der Zooschule, wurde für ihren Einsatz um dieses „bundesweite Vorzeigeprojekt“ seit drei Jahrzehnten ausgezeichnet. Peter Wollny, leitender Notarzt und „Gesicht des DRK“, hat sich erst als medizinischer Berater im Corona-Krisenstab und beim Aufbau der Test- und Impfkapazitäten verdient gemacht, bevor mit der Flutkatastrophe an der Ahr weitere Herausforderungen auf das DRK zukamen. Hans-Peter Hertel, Vorsitzender des mehr als 20 Untervereine und fast 1700 Mitglieder zählenden ASV Landau, sei der Mann des Sports, aber als Architekt auch im Kirchenbauverein der protestantischen Kirche aktiv. Hertel rief die Landauer dazu auf, sich ebenfalls einzubringen: „Ich finde einen Job für Sie.“ Das Ehrenamt im Team mache großen Spaß, versicherte er.

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