Edenkoben / Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Großes Polizeiaufgebot bei Hells-Angels-Feier mit 200 Rockern

Die Polizei hatte sogar ein Zelt, sanitäre Anlagen und einen Lichtmast für die Kontrolle aufgebaut.
Die Polizei hatte sogar ein Zelt, sanitäre Anlagen und einen Lichtmast für die Kontrolle aufgebaut.

Über 200 Rocker aus der ganzen Republik und dem benachbarten Ausland kamen am Samstagabend in Edenkoben zusammen. Das Neustadter Charter der Hells Angels hatte zu einer Feier eingeladen. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort und entdeckte manches Verbotenes.

Schon am Samstagnachmittag baute sich die Polizei im Industriegebiet Edenkoben auf, um für den Abend gerüstet zu sein. Denn das Neustadter Charter der Hells Angels, das es seit etwa einem Jahr gibt, hatte zur Jubiläumsfeier eingeladen. Zahlreiche Rocker aus nah und fern wurden erwartet. Das wusste die Polizei bereits und hatte, der landesweiten Konzeption zur Bekämpfung der Rockerkriminalität folgend, beschlossen, ein wachsames Auge auf die Veranstaltung zu richten und eine Vollkontrolle der Teilnehmer vorzunehmen, wie Sebastian Burkhard, Sprecher der Polizeidirektion Landau, am Sonntag auf Anfrage der RHEINPFALZ berichtet.

Bis in den Sonntagmorgen waren Einsatzkräfte vor Ort.
Bis in den Sonntagmorgen waren Einsatzkräfte vor Ort.

Im Einsatz waren überwiegend Einsatzkräfte des Polizeipräsidiums Rheinpfalz und des Polizeipräsidiums Einsatz, Logistik und Technik. Wie viele genau, dazu hüllt sich Burkhard aus taktischen Gründen in Schweigen. Nur so viel: Man sei mit entsprechender Stärke aufgetreten. Die Polizisten postierten sich gegen 15.30 Uhr am Kreisel bei Bäcker Becker vor der Zufahrt zum Industriegebiet, wo die Rocker ihre Feier in einer Halle austrugen. Jedes Auto, das ins Gewerbegebiet fuhr, wurde kontrolliert; sowohl das Auto als auch alle Insassen wurden durchsucht, berichtet Burkhard. Dafür wurde ein großes Zelt aufgestellt, um bei den Durchsuchungen Sichtschutz gewähren zu können. Sanitäre Anlagen für die Einsatzkräfte und die wartenden Rocker wurden aufgebaut. Und ein Anhänger mit Lichtmast wurde angefahren, da abzusehen war, dass sich die Kontrolle bis in die Nachtstunden ziehen würde.

Kontrollen bis in die Nachtstunden

So kam es dann auch, wie Burkhard erzählt. Erst kurz vor 23 Uhr, als alle Gäste angereist waren, wurde die stationäre Kontrollstelle abgebaut. „Aber wir waren danach weiter im Bereich Edenkoben unterwegs, um die Veranstaltung im Blick zu haben“, ergänzt der Polizeisprecher. Bis dahin wurden 231 Personen und 116 Fahrzeuge kontrolliert. Die Teilnehmer reisten aus dem gesamten Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland an. Burkhard, der selbst vor Ort war, hatte beispielsweise luxemburgische und belgische Kennzeichen gesehen.

Alle Autos und alle Besucher, die ins Gewerbegebiet wollten, wurden durchsucht.
Alle Autos und alle Besucher, die ins Gewerbegebiet wollten, wurden durchsucht.

In der Pressemitteilung der Polizei sind ein Verstoß gegen das Waffengesetz und neun Strafanzeigen wegen Verstößen gegen das Vereinsgesetz aufgeführt, weil Personen verbotene Kennzeichen trugen. Auf Nachfrage erklärt Burkhard, dass ein Rocker ein Einhandmesser dabei hatte. Diese Art Messer dürfe zwar erworben und besessen werden, man dürfe es aber nicht in der Öffentlichkeit mit sich führen. Bei den verbotenen Kennzeichen habe es sich um Embleme gehandelt, die die Zugehörigkeit zu den Hells Angels zeigen – Abzeichen, die gerichtlich verboten worden seien. Die Teilnehmer hätten diese dann ablegen müssen.

Im Dezember Einsatz in Geinsheimer Clubheim

Aus polizeilicher Sicht habe es bei der Feier keine besonderen Vorkommnisse gegeben „Aber das Geschehen dort blieb auch unter dem Radar der Polizei“, berichtet Burkhard. Die Hells Angels hätten eine eigene Einlasskontrolle gehabt und einen Sichtschutz aufgebaut. Gefeiert worden sei bis in die frühen Morgenstunden, dann hätten die letzten Personen die Örtlichkeit verlassen, so der Polizeisprecher.

Der Polizei ist das Neustadter Charter nicht unbekannt. Erst im Dezember war es in dessen Clubheim in Geinsheim zu einem Vorfall gekommen. Bei einem Einsatz wurden zwei Polizisten attackiert und verletzt. Ausgerückt waren die Einsatzkräfte, die die Situation dort schon länger auf dem Schirm hatten, um einen „potenziell gefährlichen Hund sicherzustellen“. Als die Polizisten vor Ort auf den Durchsuchungsbeschluss warteten, tauchte eine Gruppe von sieben Personen auf und griff die Polizisten an, so die Schilderungen von Polizei und Staatsanwaltschaft. Zwei Männer aus der Gruppe schlugen die zwei Polizisten ins Gesicht. Die Angreifer konnten zum großen Teil unerkannt flüchten. Lediglich einer der Haupttäter, ein 42-jähriges Führungsmitglied des Hells Angels MC Neustadt, sei aufgrund vorangegangener Einsätze bereits namentlich bekannt gewesen, berichtete die Polizei. Nach dem Einsatz wurden Anfang Januar die Wohnung des 42-Jährigen und die Räume des Rockerclubs in Geinsheim durchsucht. Dabei wurden laut Polizei mehrere Mobiltelefone, eine geringe Menge Amphetamin, eine scharfe Schusswaffe und zwei gefälschte Impfzertifikate sichergestellt. Danach konnten noch vier weitere Tatverdächtige im Alter von 32, 34, 36 und 40 Jahren identifiziert werden. Polizei und Staatsanwaltschaft rechnen auch diese dem Rockermilieu zu.

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