Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Landauer Maimarkt wagt den Neuanfang

Das Fahrgeschäft Break Dancer wird aufgebaut.
Das Fahrgeschäft Break Dancer wird aufgebaut.

„Es gibt nichts Schöneres, als wenn die Leute wieder lachen.“ Sagt einer der Schausteller, die seit Montag auf dem Alten Messplatz Landaus großes Frühlingsvolksfest aufgebaut haben. Am Samstag geht es los mit einer Mischung aus Bewährtem und Neuem.

Marktmeisterin Sonja Brunner-Hagedorn kennt sie alle: Achim von der Schießbude, die Neue mit dem Gutselstand und die anderen Schausteller auf dem Landauer Maimarkt. Wenn sie über das Gelände läuft, kommt sie meist nicht weit – zumindest nicht schnell. Ein kurzer Plausch hier, ein Hallo dort. Dieses Jahr ist die Begrüßung besonders herzlich. Denn nach zwei Jahren Corona-Pause freut sich jeder, den anderen wieder auf dem Alten Messplatz zu treffen, um Volksfest zu feiern.

Seit Wochenbeginn läuft der Aufbau. Brunner-Hagedorn und Bernd Wichmann, Chef des Landauer Tourismus-Büros, schauen nach dem Rechten. „Ihr könnt wieder ganz nach hinten fahren. Der letzte Platz rechts ist eurer“, ruft die Marktmeisterin einer Frau mit knallbunten Haaren zu, die gerade aus einem Lkw aus dem Kreis Unna gestiegen ist. Auf der anderen Seite der Fortstraße checkt ein Elektriker die Stromversorgung. „Ich werde erst am Samstag wieder richtig schlafen können — dann weiß ich, dass alles geklappt hat“, sagt Brunner-Hagedorn der RHEINPFALZ.

Lageplanung per Computer

Sie verrät, dass sie noch immer vor jeder Markteröffnung aufgeregt sei. Aber dieses Mal ganz besonders. Denn: Sie hatte nur vier Wochen, um das Fest zu planen. Bis vor Kurzem habe nämlich niemand sicher sagen können, ob es in Landau überhaupt einen Maimarkt geben kann. „Normalerweise bekommen wir unsere Verträge spätestens im Januar. Meiner kam jetzt vor acht Tagen“, berichtet Schausteller Robert Stenglein, der zu der kleinen Gruppe dazugekommen ist. Er ist erster Vorsitzender des Verbands reisender Schausteller Landau-Neustadt und einer von rund 75 Marktbeschickern auf dem Alten Messplatz.

Wer wo mit seiner Bude steht, hat Brunner-Hagedorn festgelegt. Vorab auf dem Computer. „Auf einer digitalen Karte kann ich die Fahrgeschäfte und Stände hin und her schieben, bis es passt“, erklärt die Pfälzerin. Das Team vom Deutschen Roten Kreuz hat sie dieses Jahr präsent am Haupteingang platziert. Die Losbude — die ist dieses Jahr auch neu — steht zwischen dem XXL-Pommes-Stand und dem Laden mit den Schokofrüchten.

Bekannte Gesichter

„Ich achte bei der Aufstellung immer auf Abwechslung. Ein bisschen Spiel, ein bisschen Essen, ein bisschen Fahrspaß“, erklärt Brunner-Hagedorn. Gegenüber der Losbude blinken die Lichter vom „Musik Express“ Probe. Drei Männer bringen die Gondeln des schwindelerregenden Fahrgeschäfts auf Spur. Sie winken, als sie die Marktbeschickerin erblicken. „Es ist schön, die vielen bekannten Gesichter wieder zu sehen“, freut sie sich. „Alle sind top motiviert. Selbst der Regen Anfang der Woche konnte den Elan der Leute beim Aufbau nicht bremsen.“ „Es war höchste Zeit, wieder rauszukommen und mit unseren eigenen Händen Geld zu verdienen“, bestätigt Stenglein. Und dann sagt er mit breitem Grinsen: „Der Rummel ist unser Leben. Und es gibt nichts Schöneres, als wenn die Leute wieder lachen.“

Vor einer kleinen, grau-rosafarbenen Hütte mit Biberschwanz und Herzchen bleibt Brunner-Hagedorn stehen. „Das Häuschen ist entzückend“, sagt sie euphorisch. Ein Süßwarenstand, auch neu dabei. Außerdem stehen seit Langem wieder ein klassisches Kettenkarussell und eine Geisterbahn auf dem Platz. „So richtig auf geht mein Herz vor der Grand Soleil“, bemerkt die Pfälzerin und zeigt nach oben auf das Riesenrad. Es ist das ganz Große der Familie Göbel aus Worms. Die Kabinen sind geschlossen, wackeln weniger, gut für Leute mit Höhenangst, sag Brunner-Hagedorn. Und eine Gondel ist barrierefrei.

Blick ins Grüne

Rollstuhlgerecht sind auch wieder die Toiletten. Sowieso: Dieses Jahr setzen die Planer auf viel Platz. „Sonja hat die Buden gut drei Meter zurück in Richtung Straße gerückt, die Gassen sind jetzt deutlich breiter“, berichtet Wichmann. Die Leute, so der Tourismus-Chef, sollen sich wohlfühlen, auch wenn viel los ist. Corona ist immer noch Thema, da sei es wichtig, Raum und Abstände zu schaffen. Apropos: Noch etwas ist anders auf dem Alten Messplatz. Man kommt aber nicht gleich drauf, was es ist. Zwischen Auto-Scooter und Musik-Express hindurch blickt man weit ins Grüne. Luftiger, größer wirkt der Rummel. „Klar“, sagt die Marktmeisterin, „die Süwega-Halle ist weg. Man schaut nicht mehr auf eine dunkle Wand.“ Eine Tatsache, die noch mehr Vorteile hat: Auf dem freigewordenen Platz parken und campen nun Schausteller. „Normalerweise nutzen die Leute auch die Parkplätze in der Stadt. Das ist jetzt kaum noch nötig“, erklärt Wichmann. „Für die Maimarkt-Besucher gibt’s jetzt viel mehr Parkraum.“

Gegenüber der Geisterbahn putzt ein junger Mann seinen Lkw. MY steht auf dem Kennzeichen – für Mayen. Die Schausteller kommen aus vielen Richtungen der Republik. Weniger weit hatte es Stenglein aus Großfischlingen. „Hier in Landau“, sagt er, „ist die Welt noch in Ordnung.“ Was er meint: Die Zusammenarbeit zwischen Schaustellern und Stadtverwaltung läuft, das Verhältnis zu den Anwohnern ist gut. „Das ist ein tolles Miteinander“, bestätigt Wichmann. Alle drei freuen sich riesig auf das Familienfest, das am heutigen Samstag, 15 Uhr, startet.

Ganz klassisch: ein Kettenkarussell.
Ganz klassisch: ein Kettenkarussell.
Das Riesenrad Grand Soleil (große Sonne) ist das größte des Wormser Schaustellerbetriebs Göbel.
Das Riesenrad Grand Soleil (große Sonne) ist das größte des Wormser Schaustellerbetriebs Göbel.
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