Sturmtief „Ignatz“ RHEINPFALZ Plus Artikel Pfalz kommt glimpflich davon

Wegen eines umgewehten Lastwagen-Anhängers muste die A61-Rheinbrücke bei Speyer am Morgen für zwei Stunden gesperrt werden.
Wegen eines umgewehten Lastwagen-Anhängers muste die A61-Rheinbrücke bei Speyer am Morgen für zwei Stunden gesperrt werden.

Die Sturmfront des Tiefs „Ignatz“ ist über Mitteleuropa und damit auch über die Pfalz gerast – und fast überall ging die Sache glimpflich aus. Feuerwehren, Polizei und Bahn melden Stromausfälle, umgefallene Bäume und weggewehte Gegenstände. Chaotisch ging es teilweise im Verkehr zu. Die gute Nachricht: Bis zum späten Nachmittag gab es lediglich eine Mitteilung über eine leichtverletzte Person.

Die Polizei im Bereich des Präsidiums Rheinpfalz, das für die Vorderpfalz zuständig ist, verzeichnete bis zum Nachmittag 140 Einsätze wegen des Sturms. Wegen mehrerer querstehender Lastwagen musste die A61-Rheinbrücke bei Speyer gegen 7 Uhr für mehrere Stunden voll gesperrt werden. Ein Lastwagen-Anhänger war umgeweht worden; die Laster, die dahinter fuhren, bremsten scharf und kamen teilweise quer zum Stehen. Erst kurz vor 9 Uhr konnte die Brücke wieder freigegeben werden. Verletzte gab es bei dem Vorfall keine.

Stromausfälle gab es an zahlreichen Ortenin der Pfalz, in einigen Fällendauerten sie stundenlang, so zum Beispiel in Heiligenstein, Mechtersheim, Lingenfeld, Schwegenheim und Neuhofen. In Standenbühl in der Nordpfalz musste der Strom in großen Teilen des Dorfes abgeschaltet werden, nachdem eine Garagen-Dachkonstruktion aus Holz aufgwirbelt worden war und eine Dachleitung teilweise zerstört hatte. Die beschädigten Leitungen waren dabei in gefährliche Nähe zum Boden gekommen.

Viele Friedhöfe, Parks und Freizeitstätten öffneten am Donnerstag erst gar nicht oder waren von den Verwaltungen gesperrt worden – so auch der Holiday-Park. Wer dort ein vorbestelltes Ticket für den Donnerstag hatte, kann es an jedem beliebigen anderen Tag einlösen. In Winnweiler traf ein umgefallener Baum das Gebäude des dortigen Gymnasiums. Verletzt wurde aber auch hier niemand. Auch aus dem Kreis Südwestpfalz, dem Kreis Kaiserslautern, Bad Dürkheim wurden zahlreiche Sachschäden und Stromausfälle gemeldet. Unter anderem muste die L500 durch das Karlstal wegen vieler umgefallener Bäume komplett gesperrt werden.

Kurzzeitig kam der Zugverkehr auf den pfälzischen Bahnstrecken zum Erliegen. Zwischen Ludwigshafen-Oggersheim und Frankenthal war die Strecke gesperrt, weil im Stadtgebiet von Frankenthal ein Baum auf eine Lärmschutzwand gefallen war und beseitigt werden musste. Auch die zentrale Ost-West-Strecke von Ludwighafen über Neustadt nach Kaiserslautern war zeitweise betroffen.

Auch im Saarland verursachte das Sturmtief reichlich Arbeit vor allem für die Feuerwehr und Polizei, bis zum Nachmittag verzeichnete die Einsatzzentrale in Saarbrücken rund 300 Einsätze.

Beim Wetterbüro Klima-Palatina in Maikammer hat man einen ausgewachsenen, aber nicht historischen Sturm registriert; die Vorhersagen von Meteorologe Christian Müller sind weitgehend eingetroffen. Mit Wind-Höchstgeschwindigkeiten von 122 Kilometern pro Stunde an der eigenen Messstation auf der Kalmit um 8.40 Uhr und 138 an der Station des Deutschen Wetterdiensts (DWD) auf dem Weinbiet um 5.40 Uhr hat „Ignatz“ ordentlich von sich hören lassen. Beide Werte entsprechen Orkanstärke. In den Niederungen wurden als Spitzenwerte 69 Kilometer pro Stunde in Ramstein und 74 in Neustadt gemessen – volle Sturmstärke immerhin, wie Klima-Palatina-Geschäftsführer Christian Müller erläutert.

Doch an historische Höchstwerte kam „Ignatz“ damit lange nicht heran. Müller nennt zum Vergleich den Wintersturm vom 10. Februar 2020. Verursacht vom Tief „Sabine“, bretterte die Sturmfront mit 159 Kilometern pro Stunde in der Spitze über die Kalmit und mit 100 durch die Niederungen, was einer schweren Sturmbö entspricht. Die höchste je offiziell in der Pfalz gemessene Windgeschwindigkeit lieferte übrigens „Lothar“, der berüchtigte Weihnachssturm von 1999, mit furchterregenden 183 Kilometern pro Stunde auf dem Weinbiet.

Das Wochenende wird ruhig und vergleichsweise erfreulich, so der Meteorologe weiter: Nach einer Mischung aus Sonne und Wolken am Freitag gibt es bis Sonntag blauen Himmel – so sich der Morgennebel auflösen kann. Eine kleine Wetterwarnung spricht Müller aber auch aus: Nachts kann es in Seken und an anderen kühlen Stellen Bodenfrost und damit Reifglätte geben, wer früh Auto fährt, sollte also Vorsicht walten lassen.

Im Nordpfälzischen Standenbühl wurde eine Orts-Stromleitung von einer umherfliegenden Dachkonstruktion zerrissen; in der Folge m
Im Nordpfälzischen Standenbühl wurde eine Orts-Stromleitung von einer umherfliegenden Dachkonstruktion zerrissen; in der Folge musste in dem Ort großflächig der Strom abgestellt werden.
Die Ursache des Stromausfalls in Standenbühl: Die Holz-Dachkonstruktion, die gegen eine Stromleitung geflogen war.
Die Ursache des Stromausfalls in Standenbühl: Die Holz-Dachkonstruktion, die gegen eine Stromleitung geflogen war.
In Frankenthal fielen wie an vielen anderen Orten Bäume dem Sturm zum Opfer.
In Frankenthal fielen wie an vielen anderen Orten Bäume dem Sturm zum Opfer.
Bedrohlich nah kam dieser umgefallene Baum einem Gewächshaus in Lachen-Speyerdorf. Doch tatsächlich blieb das Bauwerk unbeschade
Bedrohlich nah kam dieser umgefallene Baum einem Gewächshaus in Lachen-Speyerdorf. Doch tatsächlich blieb das Bauwerk unbeschadet.
Symbolbild für die Sturmfolgen an vielen Stellen: Was nicht fest war, wurde weggeweht – die Schäden blieben aber vergleichsweise
Symbolbild für die Sturmfolgen an vielen Stellen: Was nicht fest war, wurde weggeweht – die Schäden blieben aber vergleichsweise gering. Diesen Schirm hatte es in der Innenstadt von Saarbrücken davongetragen.
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