Hassloch RHEINPFALZ Plus Artikel Wirdemann-Nachfolge: Wen die CDU als Beigeordneten ins Rennen schickt

Am 24. Juni soll der Haßlocher Gemeinderat über die Nachwahl des ehrenamtlichen Beigeordneten entscheiden.
Am 24. Juni soll der Haßlocher Gemeinderat über die Nachwahl des ehrenamtlichen Beigeordneten entscheiden.

Seit Monaten ist der Posten des ehrenamtlichen Beigeordneten in Haßloch unbesetzt. Nun hat die CDU ihren Kandidaten benannt. Kommunalpolitisch ist er kein Unbekannter.

Wer übernimmt den frei gewordenen Posten des ehrenamtlichen Beigeordneten? Seit dem Rücktritt von Marcel Wirdemann vor rund einem halben Jahr wurde über diese Frage in Haßloch viel spekuliert. Öffentlich aber hatte bislang niemand die Hand gehoben. Nun kommt Bewegung in die Sache: Knapp drei Wochen vor der nächsten Gemeinderatssitzung teilt CDU-Fraktionsvorsitzender Daniel Mischon mit, dass seine Fraktion Dennis Messer für das Amt vorschlagen will. „Wir halten ihn für sehr geeignet und hoffen, dass er eine entsprechende Mehrheit bekommt“, sagt Mischon der RHEINPFALZ. Dass sich die CDU mit der Nominierung Zeit gelassen hat, begründet er mit Sorgfalt: „Wir wollten keine Schnellschüsse machen. Uns war es wichtig, sich konzentriert an das Thema zu setzen, um einen geeigneten Kandidaten zu finden.“

Ob die benötigte Mehrheit des Gemeinderats die Einschätzung der CDU-Fraktion teilt und für den Haßlocher Unternehmer stimmt, wird sich schon in wenigen Wochen zeigen. In der Gemeinderatssitzung am 24. Juni soll über die Personalie abgestimmt werden.

In Haßloch tief verwurzelt

Messer selbst befindet sich derzeit noch im Urlaub. Er hat aber bereits angekündigt, sich nach seiner Rückkehr zu seiner Kandidatur und seiner Motivation zu äußern.

In Haßloch ist Messer den meisten ohnehin kein Unbekannter. Der 32-Jährige ist hier aufgewachsen, hier verwurzelt und kommunalpolitisch seit Jahren aktiv. Nach ersten Erfahrungen im Jugendgemeinderat und in der Jungen Union zog er 2019 in den Gemeinderat ein, sitzt im Bau-, Verkehrs- und Entwicklungsausschuss sowie im Aufsichtsrat der HIK und ist seit 2024 Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Gemeinderat.

Der Haßlocher Dennis Messer
Der Haßlocher Dennis Messer

Auch beruflich ist Messer eng mit Haßloch verbunden. Noch während seines Studiums gründete der Wirtschaftsinformatiker die innofabrik GmbH, ein Beratungsunternehmen für Digitalisierung und Strategie. Daneben ist er unternehmerisch im Bereich KI-gestützter Immobilienverwaltung sowie mit der Bar The Space in der Haßlocher Gastronomie engagiert. Seit 2019 lehrt er außerdem an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen.

Welche Aufgaben Messer im Fall seiner Wahl übernehmen würde, ist allerdings noch offen. Sein Vorgänger Marcel Wirdemann (CDU) war unter anderem für die Feuerwehr und Ordnungsverwaltung zuständig. Dass diese Zuständigkeiten eins zu eins auf Messer übergehen, sei eher unwahrscheinlich, prognostiziert Fraktionsvorsitzender Daniel Mischon und kündigt an, dass die Geschäftsbereiche neu zugeschnitten werden sollen. Man werde darauf achten, sie „entsprechend der Stärken und der Geeignetheit“ zu verteilen und Bereiche zu finden, in denen sein beruflicher Hintergrund sinnvoll zum Tragen komme.

Neuaufteilung der Geschäftsbereiche

Auch Bürgermeister Tobias Meyer (CDU) hält eine neue Zuordnung für naheliegend. Über konkrete Veränderungen sei bislang noch nicht gesprochen worden. Sobald sich die Lage sortiert habe, wolle er mit Messer das Gespräch suchen. Meyer verweist auf dessen Erfahrung als Unternehmer, seine Kontakte zu Gewerbetreibenden und seine berufliche Nähe zum Thema Digitalisierung. „Von daher gibt es sicherlich Schnittmengen, bei denen man schauen muss, wie man sie nutzen kann“, sagt der Bürgermeister. Die Aufteilung liege jedoch in der Verantwortung des Bürgermeisters, der die Geschäftsbereiche seit dem Rücktritt Wirdemanns kommissarisch übernommen hat.

Meyer kündigte an, dass zunächst einmal die Fraktionen den Kandidaten kennenlernen müssten. Erst danach werde über Zuständigkeiten zu sprechen sein. Grundsätzlich begrüße er, dass der vakante Posten wieder besetzt werden könnte. Dass die Mehrbelastung in den vergangenen Monaten bei ihm lag, verstehe er als Teil seiner Aufgabe. „Wenn man eine Dienststelle leitet, gehört es dazu, dass man einspringt, wenn es notwendig ist“, so der Bürgermeister. Für die Abläufe im Rathaus sei es jedoch hilfreich, wenn ein Beigeordneter Aufgaben übernehme und eigene Akzente setze. Jede Person bringe eigene Impulse mit, sagt Meyer, „und ich glaube, das ist ein Gewinn für eine Verwaltung“.

Koalition hält an Struktur fest

Dass die CDU den Posten erneut besetzen will, folgt nach Darstellung des Bürgermeisters der politischen Architektur, auf die sich die Koalition aus CDU, SPD und FWG zu Beginn der Legislaturperiode verständigt hatte. Damals sei vereinbart worden, dass die Koalitionspartner im Gemeindevorstand durch einen Beigeordneten der CDU, einen Beigeordneten der SPD sowie den Geschäftsführer der HIK abgebildet würden. An dieser Grundordnung wolle man festhalten.

Grundsätzlich kann jedoch jede Fraktion im Gemeinderat einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken. Entscheidend ist, dass der Vorschlag vor Beginn der Wahl vorliegt

„Befriedigung von Eitelkeiten“

Die FDP-HLL hatte bereits kurz nach Wirdemanns Rücktritt grundsätzliche Zweifel daran geäußert, ob der frei gewordene Posten überhaupt wieder besetzt werden sollte. Aus Sicht der Fraktion ist die Stelle für eine Gemeinde wie Haßloch entbehrlich.

Einen eigenen Kandidaten will die Fraktion deshalb nicht aufstellen, wie ihr Vorsitzender Ralf Berger auf Anfrage mitteilt. An der Haltung seiner Fraktion habe sich nichts geändert. Die ehrenamtlichen Beigeordneten dienten aus seiner Sicht vor allem „der Befriedigung der Eitelkeit von Koalitionspartnern“. Die vergangenen Monate hätten gezeigt, dass Haßloch auch ohne den dritten Beigeordneten funktionsfähig geblieben sei. Die Gemeinde sei nicht „untergegangen“, in der Verwaltung sei nicht mehr liegen geblieben als zuvor. Aus Sicht der FDP-HLL reichen zwei hauptamtliche Spitzenkräfte an der Verwaltungsspitze aus. Zusätzliche politische und ehrenamtliche Führungsfunktionen gebe es bereits genug.

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Beate Gabrisch teilte auf Anfrage mit, keinen eigenen Kandidaten vorschlagen zu wollen. Rückmeldungen von AfD, FWG und Grünen lagen bis Redaktionsschluss noch nicht vor.

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