Pfalz
Tapinoma magnum: Mittlerweile 15 Pfälzer Orte von Ameisenplage betroffen
Die Vorderpfalz hat es besonders getroffen: Verzweifelte Anwohner und Gemeinden, die mit großangelegten Aktionen versuchen, der Lage Herr zu werden. Die Rede ist vom Kampf gegen die etwa zwei bis 3,5 Millimeter große Ameisenart Tapinoma magnum. Ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammend, hat sich die Ameisenart auch in Deutschland angesiedelt – und ist auch in die Pfalz vorgedrungen.
Warum ist die Ameisenart so problematisch?
Die Ameisen gehören zu einer Art, die sogenannte Superkolonien bildet und für ihre unterirdischen Bauten steinige, trockene und heiße Umgebungen bevorzugt, wie ein Sprecher des BUND informiert. Das führt dazu, dass sie sich zum Beispiel unter gepflasterten Gehwegen und Parkplätzen ausbreiten und sich die unterirdischen Nester zu gigantischen Kolonien mit mehreren Hundert oder Tausend Königinnen verbinden. Auch vor Hausdämmungen machen die Tiere keinen Halt.
Durch die schiere Masse an Ameisen können Schäden wie absinkende Gehwege und Straßen oder zerstörte Hausfassaden entstehen. Teilweise dringen die Tiere auch weiter vor, sorgen in Stromkästen für Stromausfälle oder in Häusern für Unbehagen. Durch die Vernetzung der Bauten sei es fast unmöglich, die Ameisen ganz zu beseitigen.
Welche Gebiete in der Pfalz sind betroffen?
Die Ameisenart Tapinoma magnum scheint in Speyer angekommen zu sein. Bei der Stadtverwaltung sind mehrere Hinweise eingegangen. Neben Meldungen aus dem Oberkämmerer haben die Stadt nach Angaben einer Sprecherin weitere Hinweise aus potenziell betroffenen Bereichen wie etwa vom Spielplatz Krokusweg erreicht.
Tapinoma magnum breitet sich auch im Speyerer Umland immer stärker aus. In Römerberg ist sie mittlerweile in allen drei Ortsteilen gesichtet worden. In Berghausen gab es Meldungen aus der Gutenbergstraße, in Mechtersheim aus der Berwartsteinstraße, und in Heiligenstein in der Harthäuser Straße in der Nähe des Kriegerdenkmals und in der Dr.-Rieth-Straße am Bauhof.
VG Lingenfeld: Lustadt, Weingarten, Westheim
Tapinoma magnum sind auch in der Verbandsgemeinde Lingenfeld zu finden. Drei Orte sind derzeit davon betroffen. In Westheim in den Mühlwiesen, in Weingarten am Schlossberg und in Lustadt am Meisen- und Finkenweg sowie in der Mozartstraße.
Im Sommer vergangenen Jahres wurde in Herxheim (Kreis Südliche Weinstraße) eine Superkolonie im Ortszentrum entdeckt. Betroffen waren einige Straßen und der Friedhof. Die Gemeinde verteilte Köderdosen an Privatpersonen und ging auch mit mehreren Tausend Litern Insektizid gegen die Ameisen vor. Auch in diesem Jahr seien die Maßnahmen fortgeführt worden.
Auch in Landau-Godramstein klagen Betroffene schon seit mehreren Jahren über die Ameisen und den Stress, den der Befall mit sich bringt. Die Menschen könnten nicht mehr in Urlaub fahren aus Angst, dass die Tiere ins Haus eindringen, benutzen ihre Gärten nicht mehr und könnten nicht mal mehr mit offenen Schuhen auf dem Gehweg stehen. Unterstützung erwarten sie von den Behörden, die bisher nur beim Befall öffentlicher Plätze aktiv wurden.
In Limburgerhof (Rhein-Pfalz-Kreis) soll die Bekämpfung der Tapinoma magnum erste kleine Erfolge erzielt haben. Nachdem Granulate und ein Schaumgemisch nicht die gewünschte Wirkung zeigten, ging die Gemeinde mit einem Gel gegen die Ameisen vor.
Sie kommen aus der Dusche und wandern durch Wohn- und Schlafzimmer: In Landau wissen Betroffene seit Jahren nicht mehr weiter und hoffen auch hier auf Hilfe der Behörden. Da die Ameisenart aus Südeuropa kommt, ist sie auf dem europäischen Kontinent beheimatet und steht deswegen bei den Ämtern nicht auf der relevanten EU-Liste invasiver Arten. Die Landauer Stadtverwaltung versucht jetzt den Kampf mit Kieselgur.
Ludwigshafen
Als Horror bezeichnet ein Anwohner in Ludwigshafen-Rheingönheim seinen Kampf gegen die Ameisen, den er unter anderem mit einem großen Eimer Vaseline führt. Hier hätten sich die Tiere unter einem Parkplatz in einem Wohngebiet angesiedelt. Auch andere Bürger melden sich aktuell mit Verdachtsfällen bei der Stadtverwaltung.
Germersheim
Auch im Germersheimer Ortsteil Sondernheim kam bereits im letzten Jahr der Verdacht auf, dass es sich bei der Ameisenplage in mehreren Straßen und auf einem Spielplatz um Tapinoma magnum handeln könnte. Mittlerweile gebe es Meldungen im dreistelligen Bereich. Zur Bekämpfung hat die Stadt ein Merkblatt mit Maßnahmen an die Bürger herausgegeben. Auch der Friedhof habe sich laut Pressemitteilung der Stadt zu einem Ameisen-Hotspot entwickelt.
In Hainfeld (Kreis Südliche Weinstraße) sei im Mai ein Schädlingsbefall gemeldet worden. Ein ganzer Straßenzug sei laut den Aussagen eines Anwohners von den Ameisen in Besitz genommen worden.
Auch in Bobenheim-Roxheim (Rhein-Pfalz-Kreis) ist die Tapinoma magnum angekommen. Ein Test zur Bestimmung der Tiere und eine Kartierung der Vorkommen zeigen: Zahlreiche Kolonien erstrecken sich über mehrere Hektar.
Absackende Steine sind die Folge der Ameisen in Maikammer (Kreis Südliche Weinstraße). Hier will der Gemeinderat jetzt prüfen, wie man gegen die Tiere vorgehen könnte, ohne chemische Mittel einsetzen zu müssen.
Mit Gummistiefeln in den Garten und Ameisen aus dem Kinderzimmer vertreiben: So sieht seit Jahren die Realität einiger Bürger in Neustadt aus. Auch hier sei die Tapinoma magnum nachgewiesen worden.
Wachenheim
Ein Anwohner hat auch hier die Sichtung der kleinen schwarzen Ameisen gemeldet, ein Kammerjäger bestätigt: Es handelt sich um Tapinoma magnum. Die Verwaltung geht hier in zwei Eskalationsstufen vor und unterscheidet, ob Gehwege, Mauern und Straßen oder Grünflächen betroffen sind.
Bad Dürkheim
Am Oberen Kurpark am Ostertagbrunnen sowie auf dem Hauptfriedhof krabbeln sie ebenfalls: Tapinoma magnum Ameisen bringen auch hier in Bad Dürkheim Pflstersteine zum Wackeln. Die Stadt wolle mit der Bekämpfung beginnen und die Ausbreitung weiter beobachten – Hinweise von Bürgerinnen und Bürgern seien dafür willkommen.
Schweigen-Rechtenbach
Im Schweigen-Rechtenbach werde ebenfalls seit nunbereits vier Jahren gegen die Ameisen gekämpft, wie Bürgermeisterin Sabine Bentz mitteilt. Die Verwaltung sei aktuell in Kontakt mit einem Schädlingsbekämpfer. Enwohnerversammlungen, Vor-Ort-Termine und das Absprühen von Gehwegen sei bereits vorgenommen worden. "Das Problem bekommen die kleinen Gemeinden ohne Hilfe der Verwaltung und des Kreises nicht in den Griff", so Bentz. Sie ruft Bürger dazu auf Verdachtsfälle sofort zu melden.
Wie kann ich Tapinoma magnum Ameisen erkennen?
Um die Tiere der Art Tapinoma magnum von anderen Arten zu unterscheiden, können folgende Kriterien helfen, die die Verbandsgemeinde Edenkoben auf ihrer Webseite veröffentlicht hat:
- Die Ameisen sind schwarz und haben unterschiedliche Größen
- Sie krabbeln in großer Menge an besonders sonnigen, steinigen Flächen herum
- Ihr Verhalten wirkt aggressiver als bei normalen Ameisen, was sich zum Beispiel dadurch äußert, dass sie verstärkt an Menschen hochkrabbeln
- Die Ameisen sondern einen Geruch nach ranziger Butter ab, wenn sie zerquetscht werden
Tapinoma magnum erkennen: Tipps vom Experten im Video
Sind Tapinoma magnum für den Menschen gefährlich?
Die Ameisenart gilt als aggressiv, also angriffslustig, und kann auch beißen. Laut dem Landauer Dermatologien Mounir Anwar seien die Bisse allerdings in den meisten Fällen mit normalen Insektenstichen vergleichbar. Betroffene würden meist von punktförmigen, juckenden Papeln oder Quaddeln berichten, meist an Füßen, Knöcheln oder Händen. Es könne auch zu lokalen Rötungen, Juckreiz oder Brennen kommen, so Anwar gegenüber der RHEINPFALZ.



