Wachenheim
Tapinoma magnum: Kolonie auch an Wachenheimer Stadtmauer
Die Arbeiterinnen der Ameisenart Tapinoma magnum sind klein, nur etwa 3 bis 4 Millimeter lang. Dennoch haben es die dunkelbraun bis schwarz gefärbten Insekten in die Schlagzeilen geschafft – auch in der Pfalz. Die RHEINPFALZ berichtete etwa aus der Verbandsgemeinde Edenkoben, Landau oder Bobenheim-Roxheim über massiven Befall durch die eigentlich aus Südeuropa stammenden Insekten.
Das Problem an der Art: Die Ameisen können sogenannte Superkolonien mit Hunderten Königinnen und Millionen von Exemplaren bilden und durch ihre schiere Masse Gebäude aus- oder Straßen unterhöhlen. Beobachtet wurde auch schon, dass die Ameisen Nester in technischen Anlagen wie Transformatoren oder Telekommunikationsschaltkästen errichtet haben. In Kehl an der deutsch-französischen Grenze verursachten die Tiere so Stromausfälle. Auch für einheimische Arten ist die Tapinoma magnum problematisch, weil sie diese aus ihren Lebensräumen verdrängen könnten.
Für Laien schwer zu erkennen
Kai Hensel ist Naturschutzbeauftragter der Verbandsgemeinde Wachenheim. Er habe sich nach den Berichten über das Auftauchen der eingeschleppten Art in der Region gewundert, dass aus Wachenheim noch keine Meldungen vorlagen, erzählt er. Dann entdeckte Hensel bei sich im Garten von einem auf den anderen Tag mehrere etwa zehn Zentimeter hohe Hügel. Aussehen und Verhalten der Tiere passten auf die Tapinoma magnum. Doch, so sagt Hensel, ist der Unterschied zwischen der heimischen Gartenameise und Tapinoma magnum für den Laien mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Untrüglich ist dagegen der Geruch eines Sekrets der Ameise, das diese zur Verteidigung einsetzt: Zerdrückt man eine Tapinoma-Ameise, so riecht diese recht intensiv nach verbranntem Plastik, während heimische Arten eher einen dezenten Essiggeruch verströmen. Aus Hensels Garten verschwand die invasive Art wieder.
„Vielleicht liegt es daran, dass ich einen naturnahen Garten habe, in dem es viele Fressfeinde gibt. Aber das ist Spekulation“, sagt der Sozialarbeiter. Vor etwa sechs Wochen informierte aber ein Anwohner aus dem Neubaugebiet Pfortenstück Andreas Repp, der für die Grünen im Stadtrat sitzt, darüber, dass er die Ameisen auf seinem Grundstück entdeckt habe. Repp schaltete die Verbandsgemeindeverwaltung ein. „Wichtig ist, dass sofort gehandelt wurde“, sagt er.
Zwischen Pfortenstück und Stadtmauer hat sich die invasive Art dennoch bereits ausgebreitet. Beim Ortstermin mit der RHEINPFALZ zeigt Hensel auf eine lange Ameisenstraße entlang einer Sandsteinmauer. Auf der mehrspurigen Straße herrscht hektisches Krabbeln, vor der Mauer haben die Tiere schon beträchtliche Mengen Sand angehäuft. Der Geruchstest lässt keinen Zweifel, dass es sich hier nicht um eine heimische Art, sondern um Tapinoma handelt. Im Regenrückhaltebecken auf der Grünfläche zwischen Pfortenstück und Stadtmauer gegenüber der Pan-Figur tummeln sich ebenfalls viele Tapinoma-Ameisen. Als Hensel mit einem Stock an einem der Eingänge für Unruhe sorgt, schwärmen zahlreiche Insekten aus – ebenfalls ein Verhalten, das für die Tapinoma-Ameise typisch ist.
Wie Bauamtsleiter Stefan Schneider auf Nachfrage bestätigt, kennt die Verbandsgemeindeverwaltung das Problem in diesem Bereich. Auch am Diebesturm und dem Denkmal seien die Ameisen aktiv. Die Verwaltung habe einen Kammerjäger beauftragt. Dieser habe bestätigt, dass es sich um die invasive Art handelt. Auch in Gönnheim seien die Insekten bereits entdeckt worden.
Was unternimmt die Verwaltung? Es gebe zwei Eskalationsstufen, sagt Schneider: Gehe es um Gehwege, Mauern oder Straßen, werde die Art bekämpft, da verhindert werden muss, dass beispielsweise Gehwege einsinken. Bei Grünflächen sei man zurückhaltender. Der Aufwand sei beträchtlich und die Erfolgsaussichten nach Auskunft des Kammerjägers gering. Der Schädlingsbekämpfer greife entweder zu heißem Wasser oder giftigem Granulat, das von den Arbeiterinnen an die Königinnen verfüttert werde.
Bürgern rät Schneider, ähnlich zu verfahren wie mit anderen Ameisen auch. Die Verwaltung könne dabei nicht unterstützen: „Wir sind keine Spezialisten.“ Er wisse von einem Befall eines Gebäudes entlang der Stadtmauer.
Tapinoma magnum gilt als Ungeziefer
Anders als andere invasive Arten, die auf der sogenannten Unionsliste stehen und von der Oberen Naturschutzbehörde bekämpft werden müssten, gelte die Tapinoma magnum als Ungeziefer, so eine Sprecherin der Kreisverwaltung. Dessen Bekämpfung sei Sache der öffentlichen oder privaten Grundstückseigentümer.
Weitere Fälle seien dem Kreis nur aus dem Fronhof in Bad Dürkheim bekannt. Den Betroffenen sei empfohlen worden, einen Schädlingsbekämpfer zu beauftragen, da bereits mehrere Grundstücke betroffen gewesen seien.
Wie die Art nach Deutschland kam. dafür gibt es mehrere Erklärungen – etwa über Pflanzen aus dem Mittelmeerraum, die in Gartenmärkten verkauft wurden und jetzt heimische Gärten bevölkern. Hensel hält auch Mutterboden von Deponien für eine mögliche Quelle. Der Naturschutzbeauftragte rät indes bei der Bekämpfung ebenfalls zu heißem Wasser oder Kreidepulver. Gift könne andere Arten schädigen und möglicherweise sogar die Ausbreitung der Tapinoma fördern, da Konkurrenten beseitigt würden.


