Landau
Tapinoma magnum: Ameisen-Alarm auch in Godramstein
Weil sie nichts besseres zur Hand hat, nimmt Elke Hübner einen Holzkochlöffel und sticht vor dem Garten von Susanne De Toni, die im gleichen Wohnkomplex zu Hause ist, in die Erde. „Ich will sie auf keinen Fall an der Hand haben“, sagt Elke Hübner. Zwei drei Stiche reichen und wie aus der Pistole schießen in der Straße am Rauhberg in Godramstein Hunderte Ameisen aus dem Boden – Hunderte der invasiven Art Tapinoma magnum, die inzwischen auch an der einen oder anderen Stelle in der Südpfalz eine nicht einfach zu bekämpfende Plage geworden ist. Mit ihren Kolonien dringen die zwei bis 3,5 Millimeter großen Mini-Krabbler in Gärten und Häuser ein.
Trotz ihres stärker glänzenden, schwarzen, eher kleinen Körpers sieht sie auf den ersten Blick wie eine normale, heimische Wegameise aus. Ein Merkmal ist laut Experten, dass die ungebetenen Gäste in riesigen Mengen auftreten. Auf einen Schlag sieht man zumeist Hunderte – so wie an diesem eher frischen Tag in einem Garten in Godramstein. Elke Hübner wohnt zwar im zweiten Stock eines Wohnkomplexes. Sicher war sie vor den Ameisen bis vor kurzem aber nicht, einige haben es auf ihren Balkon und dann auch in die Wohnung geschafft. „Die kommen über die Hausisolierung bis ins Gebälk“, sagt sie.
„Keine Dauerlösung“
„Auch machten die Ameisen nicht halt davor, die nächste Wand nach oben zu erklimmen, um in einer Ameisenstraße zum Rollladenkasten zu wandern.“ Mit Isolierband hat Elke Hübner nun die Ritze auf ihrem Balkon abgedichtet. „Das hat etwas gewirkt“, sagt sie. „Aber eine Dauerlösung ist das nicht, die werden wieder kommen.“ Die Godramsteinerin würde sich deshalb ein Konzept wie in Herxheim wünschen. „Dort hat die Verwaltung etwas unternommen. Sie hilft den Bürgern, um die Ameisen systematisch zu bekämpfen.“
Die Gefahr sei nicht zu unterschätzen, die Ameisen, die auch kälteresistent sind, könnten Gärten und die Bausubstanz zerstören. Die Ameisen nisten gerne in der Nähe von Mauern, unter Platten und Pflastersteinen, auch in und unter Blumenkästen, aber auch im offenen Boden.
Noch mal kurz ein kurzer Blick nach Herxheim: Dort läuft die Bekämpfung der Tapinoma magnum nach Angaben der Verwaltung bisher wie geplant. „Wir müssen abwarten“, teilt Sprecherin Nicole Theriault auf Anfrage der RHEINPFALZ mit. Ein Zwischenstand könne aber noch nicht gegeben werden.
Anwohner: Gärten sind voll mit Ameisen
Auch die Godramsteiner Susanne De Toni und Philipp Spangenberg können ein Lied von der Tapinoma magnum singen. Sie sind Nachbarn von Elke Hübner und haben beide einen Garten vor ihrer Wohnung. Diese sind den Schilderungen zufolge voll mit der unliebsamen Ameisenart. „Wir können den Garten kaum noch nutzen“, sagt Susanne De Toni. Eine Holzterrasse, die sie gebaut hätten, bringe etwas Abhilfe, aber weg sind die Tapinoma-Ameisen deswegen natürlich nicht. „Ich war seit Jahren nicht mehr in Urlaub, weil ich Angst habe, dass sie dann ins Haus eindringen“, erzählt die Frau. Hier in Godramstein sei ein großes Areal befallen. Viele Anwohner würden klagen. Sie habe schon viele Mittel ausprobiert, aber letztlich seien die Ameisen immer wieder gekommen. „Ich würde mir von der Stadt Unterstützung bei der Bekämpfung wünschen“, betont sie.
Die Bewohner stehen in Kontakt mit dem Insektenforscher Dr. Manfred Verhaagh vom Naturkundemuseum in Karlsruhe. Der Grund: Sie hatten ihn um eine Einordnung des Vorkommens gebeten und tauschen sich seither mit dem Fachmann aus. Auch gegenüber der RHEINPFALZ teilt der Forscher auf Anfrage mit, dass die Situation am Rauhberg in Godramstein ziemlich gravierend sei, da offensichtlich in dem Gebiet eine großflächige Besiedlung durch Tapinoma magnum vorliege. Auch der in diesem Bereich gelegene öffentliche Spielplatz sei betroffen gewesen.
Stadt: Private Flächen selbst bekämpfen
Dies bestätigt wiederum die Pressestelle der Stadt Landau auf Anfrage der RHEINPFALZ. „Wir haben den Spielplatz in Godramstein von einem Experten begutachten lassen.“ Dieser habe bestätigt, dass es sich hier um Tapinoma magnum handele, erklärt Lena Wind. Der Spielplatz sei dann kurzfristig für „eine entsprechende Behandlung“ abgesperrt worden und inzwischen wieder offen. Weitere Probleme mit den Ameisen auf öffentlichen Plätzen in Godramstein seien der Stadtverwaltung nicht bekannt.
Für die Bekämpfung der Ameisen auf privaten Flächen seien die Grundstückeigentümer verantwortlich, erklärt Lena Wind weiter. Auf städtischen Flächen wie etwa dem Spielplatz übernehme dies falls notwendig die Stadt. Die Eigentümer seien für ihre Grundstücke selbst verantwortlich und könnten eine Bekämpfung in eigener Verantwortung durch Beauftragung einer Fachfirma durchführen lassen. So sei die Stadtverwaltung auch bei den Ameisen auf dem Spielplatz verfahren. Es würden sich gegebenenfalls in der Nachbarschaft abgestimmte Aktionen empfehlen, um die Effektivität der Maßnahme zu erhöhen.
Superkolonie verteilt sich auf mehrere Nester
Die Tapinoma magnum wurde übrigens aus dem westlichen Mittelmeerraum nach Deutschland eingeschleppt und breitet sich bereits seit einigen Jahren großflächig aus. Das Problem bei dieser Art ist, dass es nicht nur eine Königin gibt, sondern viele, wie Forscher Manfred Verhaagh erklärt. Eine Superkolonie verteile sich über mehrere Nester.
Aber wo sind die Brutnester in Godramstein? Wie viele Brutzentren gibt es überhaupt? Und wie weit hat sich die Kolonie ausgebreitet? Dies sei alles unklar, da sich das alles unter der Erde abspiele. Fakt ist: Sterben die Königinnen nicht, werde es immer neue Ameisen geben. Und: Es gebe auch geflügelte Geschlechtstiere. Somit könnten auch neue Kolonien an anderen Standorten entstehen.
Bekämpfung kostenintensiv
Das Gift müsse mit Verzögerung wirken, also erst wenn es von den Arbeiterinnen ins Nest transportiert worden ist. Dem bisherigen Datenstand zufolge seien Bekämpfungsaktionen kostenintensiv und müssten von Profis mit verschiedenen Insektiziden durchgeführt werden, insbesondere wenn es sich um ausgedehnte Kolonien handelt. Ob die beispielsweise in Kehl angewandte Methode mit Heißdampf/-schaum zum Erfolg führe, bleibe abzuwarten. Vermutlich werde es aber wie mit vielen invasiven Arten so werden, „dass wir sie nicht wieder vollständig loswerden, sondern sie nur im Bestand eindämmen können“.
Mit handelsüblichem Ameisenpulver ist man jedenfalls schnell am Ende mit seinem Latein. Das wissen auch die Godramsteinerin Monika Berndt-Eberle und ihr Mann Rupert Eberle. Sie wohnen gegenüber dem Spielplatz, der von den Ameisen kurzzeitig eingenommen worden war. Auch bei ihnen sind die Ameisen über das Mauerwerk und jede kleine Ritze ins Haus eingedrungen. Ins Gäste-WC und später in die Küche. Eines Morgens saß das Paar gemütlich am Frühstückstisch als die ungebetenen Gäste plötzlich sogar über eben diese krabbelten. „Das Maß war voll“, sagt Rupert Eberle. „Wir haben dann einen Schädlingsbekämpfer kontaktiert.“ Die Mittel hätten dann Wirkung gezeigt.
Verschiedene Ködergele
Zur Bekämpfung von Tapinoma magnum kommen nach Angaben von Experten beispielsweise zucker- und eiweißhaltige Ködergele zum Einsatz, die einen insektiziden Wirkstoff enthalten. Jedoch gelten lediglich zwei Insektizide als nachhaltig wirksam: Maxforce Quantum gilt wegen seiner verzögerten Wirksamkeit als besonders erfolgreich. Advion- Ameisen-Gel werde erst durch den Stoffwechsel der Ameise zu seiner insektiziden Form bioaktiviert und birgt Experten zufolge somit nur eine sehr niedrige Umweltbelastung.
Letztlich müssten die Godramsteiner wie auch die Stadt gemeinsam die Insekteninvasion eindämmen, meint Monika Berndt-Eberle. Es werde eine Daueraufgabe für die Verwaltung und die Anwohner sein. Froh ist sie, dass die Stadtverwaltung den Spielplatz von den Ameisen befreit habe. Denn sie ist sich sicher: „Die Ameiseninvasion ging eindeutig von dort aus in Richtung unseres Grundstücks.“