Herxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Ameisen: Invasive Art in Südpfalz angekommen

Tapinoma Magnum ist gar nicht so groß – dafür aber schädlich. Die Ameisen unterhöhlen oft Wege oder greifen die Isolierungen von
Tapinoma Magnum ist gar nicht so groß – dafür aber schädlich. Die Ameisen unterhöhlen oft Wege oder greifen die Isolierungen von Gebäuden an.

Sie sind aggressiv und beißen schnell: Ameisen der Sorte Topinoma Magnum. Die ungebetenen Gäste haben sich in Herxheim einquartiert. Die Gemeinde schlägt Alarm.

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis die invasive Ameisenart Tapinoma Magnum sich in der Südpfalz ausbreitet. Und das ist passiert. Die Verbandsgemeindeverwaltung in Herxheim warnt vor einer Superkolonie der fremden Ameise im Ortszentrum.

Auch auf dem Herxheimer Friedhof haben sich die Ameisen angesiedelt.
Auch auf dem Herxheimer Friedhof haben sich die Ameisen angesiedelt.

Gesichert betroffen seien der Friedhof, die Keßlerstraße, die Peter-Betz-Straße am Übergang zur Keßlerstraße, die Untere Hauptstraße an den Hausnummern 147 bis 155, die westliche Straßenseite der Burggasse, die östliche Straßenseite der Niederhohlstraße bis zur Einmündung Bussereaustraße sowie auf dem Kirchberg. Dort sei der Befall derzeit auch am stärksten, informiert VG-Sprecherin Nicole Theriault.

Tiere gelten als aggressiv

Der Begriff Superkolonie bedeutet, dass es mehrere Königinnen gibt, deren Gebiete zusammengeschlossen sind. Superkolonien können gigantische Ausmaße erreichen – so wurde Anfang der 2000er-Jahre eine Superkolonie der Argentinischen Ameise von Italien entlang der Riviera bis in den Nordwesten Spaniens nachgewiesen. Diese erstreckt sich also über rund 6000 Kilometer.

Trotz ihres Namens, informiert die Verbandsgemeinde, seien die Ameisen nicht besonders groß. Ein Tier der Arbeiterinnen/Soldatinnenkaste misst zwischen 2 und 3,5 Millimetern. Wenn sie sich bedroht fühlen, sondern sie einen nach ranziger Butter stinkenden Geruch ab. Weiterhin gelten die Insekten als aggressiv und beißen rasch. Nachgewiesen ist auch die Verdrängung heimischer Ameisenarten, was das ökologische Gleichgewicht aus der Balance bringen könne. Die Art hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, weil sie im badischen Kehl für einen Stromausfall im Stadtgebiet gesorgt hat.

Bekämpfung unbedingt erforderlich

Die Tiere siedelten am liebsten in steinigen, trockenen und heißen Umgebungen, informiert Thomas Mosthaf, Sprecher des BUND Herxheim. So seien Steingärten eher betroffen als naturbelassene, grüne Gärten mit viel Bewuchs. Zudem sind die Tiere sehr baufreudig – sie neigten dazu, unter anderem Gehwege zu unterhöhlen. Dass die eigentlich aus dem südlichen Raum stammenden Tiere sich nun auch in Deutschland ansiedeln, sei eine klare Folge des Klimawandels. Die Winter seien milder als früher, die Sommer heißer und trockener – Bedingungen, bei denen sich die Ameisen sehr wohlfühlten, erklärt Mosthaf.

Die Bekämpfung der eingewanderten Ameisenart sei „unbedingt erforderlich“, betont die Verbandsgemeindeverwaltung. Verhindert werden sollen weitere Schäden an Gehwegen, gepflasterten Flächen und Isolierungen von Gebäuden, zudem soll die heimische Ameise geschützt werden. Dabei müssten Anwohner und Gemeinde zusammenarbeiten, sagt Martin Felke, promovierter Biologe vom Institut für Schädlingskunde, laut der Mitteilung. „Je mehr Betroffene keine Maßnahmen durchführen (lassen), desto geringer ist die Chance, den Befall deutlich zu reduzieren oder sogar zu tilgen.“

Fachfirma beauftragt

Zur Bekämpfung der Ameisenart Tapinoma Magnum kommt zuckerhaltiges Ködergel zum Einsatz, die einen insektiziden Wirkstoff enthalten. Zwei Insektizide gelten laut VG als nachhaltig wirksam: Maxforce Quantum mit dem Wirkstoff Bitrex sowie Advion Ameisen Gel mit dem Wirkstoff Indoxacarb.

Herxheimer, die in den befallenen Gebieten wohnen und die Probleme mit den Ameisen haben, sollten einen der Wirkstoffe bei der Verbandsgemeindeverwaltung erhalten, hieß es vor rund einer Woche. Nur: „Die großformatige Beschaffung der beiden Insektizide gestaltet sich leider sehr schwierig“, sagt VG-Sprecherin Theriault. Deshalb hätten bislang weder Köder ausgegeben werden noch die Gärtner der Gemeinde gegen die Insekten vorgehen können. „Derzeit haben wir eine Fachfirma beauftragt, die sich mit der Bekämpfung dieser Ameisenart besonders gut auskennt. Nach deren Auswertung des Gutachtens, das vor Kurzem vom Institut für Schädlingskunde angefertigt wurde, soll dann die weitere Vorgehensweise geplant und schnellstmöglich umgesetzt werden.“

Herxheim ist nicht die einzige betroffene Gemeinde in der Pfalz – wenn auch laut VG in der Südpfalz. Im vergangenen Jahr wurde eine Superkolonie in Limburgerhof gefunden, 2022 in Neustadt.

x