Landau / SÜW
Ameisenplage im Haus? Das hilft bei Tapinoma magnum
Godramstein, Hainfeld, Herxheim – die invasive Ameisenart Tapinoma magnum taucht in Landau und im Landkreis SÜW an immer mehr Stellen auf. Und damit bereitet die aus dem Mittelmeerraum stammende Ameise immer mehr Hauseigentümern Sorgen. Die kleinen Insekten können nämlich große Schäden an Gebäuden anrichten, sei es im Keller, in der Küche oder im Schlafzimmer. Aber geht es sogar so weit, dass man seine eigene Haut retten muss?
Kommt man nämlich mit der Ameisenart in Berührung, kann das Hautreaktionen auslösen. Das bestätigt der Dermatologe Mounir Anwar, der seine Praxis Haut und Laser mit mehreren Kollegen an den Standorten Landau und Kandel führt. Tapinoma magnum nutze zwar keinen Giftstachel wie etwa die Feuerameise. Doch die invasive Ameisenart gilt als aggressiv, sie kann auch beißen. Beispielsweise dann, wenn man barfuß über sie läuft oder mit ihren Nestern oder stark befallenen Bereichen in Kontakt kommt.
Dermatologe berichtet von Einzelfällen
Betroffene würden meist von punktförmigen, juckenden Papeln oder Quaddeln berichten, meist an Füßen, Knöcheln oder Händen, so Anwar. Bemerkbar machten sich auch lokale Rötung, Juckreiz oder Brennen, in seltenen Fällen auch Kratzwunden. Anwar berichtet allerdings von Einzelfällen, bei denen er mit unklaren Bissreaktionen an Füßen und Beinen zu tun hatte. „Es gibt bislang keine Häufung oder eine gesicherte Fallserie mit Tapinoma magnum.“
Und selbst wenn, müsse man sich keine Sorgen machen. Die Bissreaktionen seien meist vergleichbar mit Insektenstichen und daher harmlos, sagt Anwar. „Eine spezifische allergische Reaktion wie bei Bienen oder Wespen ist, so weit ich weiß, nicht dokumentiert.“ Vorsicht sei dennoch geboten. Besonders bei Kindern, die beim Spielen im Freien schnell mit den Ameisen in Kontakt kommen können. Auch Menschen mit sensibler oder allergisch disponierter Haut müssten aufmerksam sein, ebenso Personen, die Neurodermitis haben, da sie sich stärker kratzen könnten.
Tapinoma magnum: Was bei Bissreaktionen tun?
Idealerweise meidet man Bereiche, die stark befallen sind, also die Nester, Ritzen oder Fensterbänke. Sollte sich nach einem Hautkontakt mit der Ameise Juckreiz bemerkbar machen, empfiehlt der Dermatologe ein topisches Antihistaminikum oder eine milde Cortisonsalbe. Bei unklaren Hautreaktionen sollte die Ameise als mögliche Ursache „differentialdiagnostisch mitgedacht werden“.
Auch wenn es wie beschrieben keine Häufung von Bissen durch Tapinoma magnum gibt, lohnt es sich trotzdem, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Denn eines ist klar: Die invasive Ameisenart wird so schnell nicht mehr verschwinden. Das sagt zumindest Patrick Gerlach. Mit seiner Firma Defensia Schädlingsbekämpfung und Desinfektion ist er regelmäßig mit Tapinoma magnum konfrontiert. „Wir finden jeden zweiten Tag eine neue kleine Kolonie“, sagt der Neustadter, der nach eigener Aussage als einer der wenigen in Deutschland auf die invasive Art spezialisiert ist.
„Dämmmaterial ist kein Hindernis“
Und was kann man tun, damit der eigene Hof und das eigene Haus nicht befallen werden? „Nichts“, lautet Gerlachs ernüchternde Antwort. Die Insekten breiten sich unter der Erde mehr oder minder unkontrolliert aus. Dabei sorgen sie für Schäden in der öffentlichen Infrastruktur, indem sie Straßen und Gehwege unterhöhlen. Dasselbe passiert bei Privatpersonen im Hof. Es kann aber auch schlimmer kommen. „Dämmmaterial ist kein Hindernis für die Ameisen“, sagt der Schädlingsbekämpfer. Die Tiere zerfressen zwar nicht die komplette Dämmung, „aber schon drei, vier Quadratmeter“. Wenn es ganz heftig kommt, nisten sich die Ameisen sogar in Stromkästen ein und sorgen dadurch für Stromausfälle.
Sind die Quälgeister dann einmal da, ist es schwer, sie wieder loszubekommen. „Wenn ein Befall bemerkt wird, holt jemand eine Ameisen-Köderdose und stellt die auf“, erklärt Gerlach. „Das bringt aber gar nichts, das ist viel zu wenig.“ Es sei immer das cleverste, die Kommune zu informieren, wenn Tapinoma magnum auftreten. „Denn es ist dann nicht nur einer davon betroffen.“ Die Bekämpfung an einem einzelnen Anwesen sei nicht effektiv, da die Tiere nach kurzer Zeit aus der Nachbarschaft wieder zurückkommen.
Ameisen sorgen für mehr Blattläuse
Auch für Hobbygärtner können die invasiven Krabbeltiere zum Ärgernis werden. Und zwar nicht nur wegen des Umgrabens des Bodens. „Dort, wo Tapinoma magnum auftreten, gibt es oft vermehrt Blattläuse“, erklärt Gerlach. Die Ameisen sind nämlich scharf auf die zuckerhaltigen Ausscheidungen von Läusen, auf den Honigtau. Damit diese wichtige Nahrungsquelle nicht versiegt, beschützen die Ameisen die Läuse vor Fressfeinden.
Dass in vielen Fällen von einer großflächigen Bekämpfung abgesehen wird, kann Gerlach durchaus verstehen. Für Privatleute sei das mitunter schlichtweg zu teuer, und auch Kommunen haben oft kein Geld. Trotzdem betont der Schädlingsbekämpfer: „Wenn man nichts macht, wird das Problem nur größer – und teurer.“


