Vorderpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Personalmangel in der Verwaltung – und was das für Bürger bedeutet

Gerade im handwerklichen Bereich – etwa bei Landschaftsgärtnern – fehlt den Stadtverwaltungen der Nachwuchs.
Gerade im handwerklichen Bereich – etwa bei Landschaftsgärtnern – fehlt den Stadtverwaltungen der Nachwuchs.

Notbetreuung in der Kindertagesstätte, lange Wartezeiten bei Bauanträgen, eingeschränkte Öffnungszeiten in der Zulassungsstelle: Wenn in der Stadtverwaltung Personal fehlt, knirscht es auch im Alltag der Bürger. Wie ist die Lage aktuell in Speyer, Ludwigshafen und Frankenthal – und was tun die Städte, um Mitarbeiter zu gewinnen?

Wie viele Mitarbeiter hat die Verwaltung – und wie viele Stellen sind aktuell unbesetzt?

Mit rund 3900 Mitarbeitern (davon 569 Beamte) ist die Stadtverwaltung Ludwigshafen einer der größten Arbeitgeber in der Chemiestadt – und in der Region. 400 Planstellen sind derzeit unbesetzt, heißt es auf Anfrage. In Frankenthal waren Ende Mai 1370 Menschen in der Verwaltung beschäftigt, davon 144 im Beamtenverhältnis. 155 Stellen waren zu diesem Zeitpunkt vakant. Mit rund 1100 Beschäftigten (davon 140 Beamte) hat Speyer die zahlenmäßig kleinste Verwaltung im Städtevergleich. 80 Stellen sind hier offen – wobei einige davon erst neu geschaffen und deshalb unbesetzt seien, schränkt die Pressestelle der Domstadt ein.

Gibt es Bereiche, die besonders stark von Personalmangel betroffen sind?

Pädagogisches Personal, Architekten, Bauingenieure und IT-Spezialisten sind in allen drei Kommunen gesucht. Allein im Kita-Bereich seien derzeit 56 Stellen frei, heißt es beispielsweise aus Frankenthal. In Speyer werden unter anderem Fachkräfte für den Bereich Ausländerwesen gesucht, in Ludwigshafen sind alle Fragen rund ums Bauen ein Schwerpunkt bei der Personalsuche.

Wie wirkt sich der Personalmangel für Bürger aus?

Notbetreuung und eingeschränkte Kita-Öffnungszeiten: Darunter leiden viele Familien in Frankenthal. Auch in Ludwigshafen kann wegen fehlender Erzieher nicht jeder Kita-Platz vergeben werden. Bei der Planung und Umsetzung von Bauprojekten klemmt es in beiden Städten stellenweise, weil Leute fehlen. Eine Möglichkeit sind Fremdvergaben. Das sei allerdings teils mit erheblichen Hürden verbunden, informiert die Pressestelle der Stadt Ludwigshafen. In Gesprächen mit Land und Landesrechnungshof wolle man hier Erleichterungen erreichen. In der Speyerer Verwaltung gebe es bisher keine gravierenden Einschränkungen, im Einzelfall komme es bei der Sachbearbeitung zu Verzögerungen, heißt es.

Dringend gesucht: Erzieher und Erzieherinnen. In Frankenthaler Kitas sind beispielsweise aktuell 56 Stellen unbesetzt.
Dringend gesucht: Erzieher und Erzieherinnen. In Frankenthaler Kitas sind beispielsweise aktuell 56 Stellen unbesetzt.

Wie lange dauert es, bis eine freie Stelle wieder besetzt werden kann?

Je nach Bewerberlage und Kündigungsfristen vier bis sechs Monate – im Einzelfall aber auch deutlich länger. So war beispielsweise in Frankenthal die Bereichsleitung Rechnungsprüfung trotz mehrfacher Ausschreibung eineinhalb Jahre lang unbesetzt. In Speyer will man nach der Sommerpause die Abteilungsleitung für „Grünflächenplanung“ noch einmal ausschreiben – trotz „attraktiver Bezahlung und breiter Ausschreibung“ blieb die erste Runde erfolglos. In allen Bereichen, wo Fachkräfte grundsätzlich fehlen, könnten Posten „trotz aller Anstrengung“ oft monatelang frei bleiben, teilt die Stadt Ludwigshafen mit – und nennt Erzieher sowie Bauingenieure als Beispiele.

Wie gut sind die Verwaltungen im Bereich Personalgewinnung aufgestellt?

Die Stadt Speyer plant, ihr aktuelles Team von vier Personalsachbearbeitern in Voll- und Teilzeit plus Leitung um eine weitere Stelle aufzustocken. Außerdem arbeite man seit Juni mit dem Bewerbermanagement der Pfälzischen Pensionsanstalt zusammen. Auch Frankenthal hat zusätzlich zu den 2,5 Stellen im Bewerbermanagement im Juli eine Expertin für Personalgewinnung engagiert. In Ludwigshafen sind sieben Mitarbeiter aus unterschiedlichen Abteilungen neben anderen Aufgaben mit „Rekrutierung“ befasst.

Welche Wege nutzen die Rathäuser zur Werbung um neue Leute?

Neben den Stellenanzeigen in regionalen Zeitungen und auf Internetportalen sowie der Werbung über eigene Social-Media-Kanäle setzen die Städte eigene Schwerpunkt. So präsentiert sich die Stadt Ludwigshafen in einer Plakatkampagne als Arbeitgeber. Zugleich setze man, etwa mit flexiblen Arbeitszeitmodellen und mobilem Arbeiten, auf eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit, um vorhandenes Personal zu halten und Teilzeitkräften das Aufstocken zu erleichtern. Seit Juli können Verwaltungsmitarbeiter beispielsweise ihre Wochenarbeitszeit an vier statt an fünf Tagen leisten. In Speyer haben junge Verwaltungsangestellte Schulen besucht und dort auf die Jobangebote der Stadt aufmerksam gemacht. Auch hier weiß man: „Die beste Werbung sind zufriedene Mitarbeiter.“

Sind die Städte in der Region im Kampf um Fachkräfte Konkurrenten?

Eindeutig ja. Verwaltungsstellen in den Nachbarbundesländern Hessen und Baden-Württemberg würden „durchweg besser bezahlt“ und seien deshalb für Bewerber interessant. Auch mit dem Lohnniveau in der freien Wirtschaft könne man häufig nicht mithalten. Die rheinland-pfälzischen Städte arbeiten deshalb mit dem Städtetag an einem Forderungskatalog an die Landesregierung, um die Chancen bei der Gewinnung von Fachkräften zu verbessern. Seit Kurzem gebe es ebenfalls auf Veranlassung des Städtetags regelmäßige Treffen der Personalleitungen, mit Kollegen aller kreisfreien Städte in der Pfalz und in Baden-Württemberg tausche man sich zweimal im Jahr aus.

Viele junge Leute wüssten nicht, wie abwechslungsreich die Arbeit in einer Verwaltung sei, bedauert die Stadt Speyer.
Viele junge Leute wüssten nicht, wie abwechslungsreich die Arbeit in einer Verwaltung sei, bedauert die Stadt Speyer.

Wie sieht es mit der Nachwuchswerbung aus?

Zunächst einmal: Wer sich für einen Berufseinstieg bei einer der drei Städte entscheidet, hat beste Chancen auf einen sicheren Job. „Jede Nachwuchskraft erhält bereits ein Jahr vor Beendigung der Ausbildung oder des dualen Studiums insbesondere in den Verwaltungsberufen ein in der Regel unbefristetes Übernahmeangebot“, heißt es etwa in Ludwigshafen. Neben Verwaltungsfachkräften werden auch Handwerker wie Landschaftsgärtner oder Fachkräfte für Kreislauf- und Abfallwirtschaft ausgebildet, außerdem bietet die Stadt Ludwigshafen beispielsweise ein Duales Studium „Soziale Arbeit“ und „Wirtschaftsinformatik“. In Frankenthal steigen diesen Sommer 15 Azubis neu ein – vom Bachelor Verwaltungsbetriebswirtschaft über Gärtner bis zum Fachinformatiker Anwendungsentwicklung. Die Stadt Speyer würde gerne noch mehr ausbilden, allerdings fehle es zum Teil an Räumen und Ausbildern. 20 Nachwuchskräfte sind es aktuell in der Domstadt, wobei man hier besonders bei den Handwerksberufen Schwierigkeiten habe, alle Plätze zu belegen. Viele junge Menschen wüssten nicht, wie vielfältig die Arbeit in einer Stadtverwaltung sei.

Eine Einschätzung: Wird sich die Situation in den kommenden Jahren noch verschärfen?

Die Kommunen richten sich auf einen weiter hart umkämpften Fachkräftemarkt ein. In den nächsten Jahren gehen beispielsweise in Ludwigshafen 40 Prozent der Belegschaft in den Ruhestand. Der demografische Wandel, aber auch die Wechselbereitschaft von Mitarbeitern könnten zu weiterer Arbeitsverdichtung und Belastung des Personals führen, heißt es in Frankenthal. Auf Dauer könnte das für Bürger eine Einschränkung von freiwilligen Angeboten oder längere Bearbeitungszeiten zur Folge haben. Damit Städte als Arbeitgeber attraktiv sind und bleiben, brauche es dringend Reformen, etwa bei der Bezahlung, bürokratische Hürden müssten abgebaut werden, fordert die Verwaltung in Ludwigshafen. Nur dann gelinge es, auch im Vergleich mit der Wirtschaft wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch die Digitalisierung muss aus Sicht von Experten in Städten deutlich schneller vorangehen, um Entlastung zu schaffen.

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