Neustadt
Bald wieder Leben in der alten Post
Tobende Kinder können je nach Perspektive ein schöner Anblick sein oder aber auch stören. Für Karin Henneke, die Geschäftsführerin der Neustadter Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft (WEG), waren sie am Dienstagvormittag auf dem Bahnhofvorplatz ein Beleg dafür, „dass die Platzkonzeption funktioniert“. Sie meinte damit die Kinder, die begeistert durch die neuen Wasserfontänen rannten. Früher habe der Platz keinerlei Aufenthaltsqualität gehabt. Martina Annawald, die bei der Stadt den Fachbereich Stadtentwicklung und Bauwesen leitet, bestätigte, dass das Wasserspiel ständig genutzt werde. Die beiden Frauen führten gemeinsam mit Sabine Kapp aus der Bauverwaltung eine Delegation des Immobiliennetzwerks Rhein-Neckar durch das Bahnhofsumfeld. Das Netzwerk umfasst nach eigenen Angaben 130 Partner, „die wichtigsten Player der Gewerbeimmobilienbranche in der Rhein-Neckar-Region“. Ziel sei es, den Immobilienstandort stärker in den Fokus von Investoren und Unternehmen zu rücken.
In Neustadt stand das Bahnhofsumfeld im Blickpunkt, weil sich dort viel tut – und getan hat. Annawald berichtete von der Umgestaltung des Vorplatzes, die noch nicht ganz abgeschlossen ist. Denn es fehlen noch Wartehäuschen und die digitalen Anzeigen für die Busse. Auch die Westseite, wo Kurzzeitparkplätze entstehen, könne erst Ende des Jahres angegangen werden, wenn die Hotelbaustelle fortgeschritten ist. Annawald ist froh, dass der alte Platz mit seinen unterschiedlichen Bodenbelägen Vergangenheit ist. Ein Überbleibsel ist noch am Gehweg vor der alten Post zu sehen. Da gehe man kommendes Jahr ran, sagte sie.
Hotel soll im Sommer 2027 fertig sein
Die Umgestaltung des Platzes habe für weitere Investitionen im Umfeld gesorgt, sagte Annawald mit Blick auf das Hotel und den Bahnhof, den die Bahn derzeit für mehr als fünf Millionen Euro sanieren lässt. Für die Fassade wurde eigens ein Experte engagiert. Bei den Arbeiten sei man jüngst auf einen bisher nicht entdeckten Kriegsschaden gestoßen, hieß es bei der Führung.
Annawald informierte auch über die grundsätzlichen Pläne der Stadt, das Gelände östlich der Bundespolizei zu entwickeln. „Da hakt es aber gerade“, die Bahn trete hier aktuell sehr restriktiv auf. Die Gruppe wählte daher den Weg am künftigen Hotel vorbei, das der Kaiserslauterer Unternehmer Hans Sachs bauen lässt. Im Sommer kommenden Jahres sollen die ersten Gäste einchecken können, erläuterte Henneke. Sie führte danach in ihr künftiges Domizil, in den ersten Stock des alten Postgebäudes, das ebenfalls von Sachs gekauft wurde und derzeit renoviert wird.
Einen Teil der 823 Quadratmeter im ersten Stock soll künftig die WEG belegen. Hier war nach dem Bau des Gebäudes in den frühen 1920er Jahren bis in Kriegszeiten eine Telefonschaltzentrale untergebracht, zuletzt wurde die Fläche von der Post als Briefverteilzentrum genutzt. Neben der WEG wird nun Platz geschaffen für ein Gründer LAB. Außerdem verlegt Sachs seine Holding aus Kaiserslautern dorthin, in unmittelbare Nähe seines dritten Hotels (nach Kaiserslautern und Frankfurt). Auf Nachfrage sagte Henneke, dass die WEG als erstes einziehen werde, noch in diesem Sommer. Geprägt wird das Stockwerk von zwei Lichthöfen. Über den einen wird man künftig auf das Dach gelangen, wo eine „Unternehmerterrasse“ entsteht. Dort soll es Veranstaltungen mit Wirtschaftsbezug geben, wie die WEG-Chefin sagte.
Auch im Postturm entstehen Büros. Die Gespräche mit den künftigen Mietern seien sehr weit, berichtete Henneke. Bleibt nur noch das Erdgeschoss des Postgebäudes. Da hielt sich die WEG-Geschäftsführerin bedeckt. Sie dürfe noch nicht darüber sprechen, sagte sie, um dann zu ergänzen: „Aber es wird gut.“