Speyer / Umland RHEINPFALZ-Gartenolympiade: Kichererbsen, Gurke und Apfel stauben ab

Ein Teil der Gewinner der RHEINPFALZ-Gartenolympiade.
Ein Teil der Gewinner der RHEINPFALZ-Gartenolympiade.

Das Gartenjahr 2024 neigt sich dem Ende zu. In den vergangenen Monaten haben sich RHEINPFALZ-Leser fleißig an der Gartenolympiade beteiligt. Eine Jury hat jetzt die Gewinnerinnen und Gewinner der Aktion ausgewählt.

Wenn die Vorsitzenden der Gartenbauvereine im Speyerer Umland das Gartenjahr 2024 mit einem Wort beschreiben, lautet die Antwort: „nass“. „Wer Schnecken züchten wollte, hatte großen Erfolg“, sagt Ralf Gaggermeier vom Obst- und Gartenbauverein Heiligenstein mit einem Schmunzeln. Denn die kleinen Plagegeister waren überall und nur schwer zu bekämpfen. „Die stecknadelgroßen Schnecken waren die schlimmsten“, sagt Edgar Weick, Chef des Obst- und Gartenbauvereins Waldsee, der mit 170 Mitgliedern der zweitgrößte Verein im Dorf sei. Thomas Endres aus Harthausen hat alle Hausmittel ausprobiert, von der Bierfalle bis zum Kaffeesatz – jedoch erfolglos. Die nachtaktiven feuchtigkeitsliebenden Tierchen kamen immer wieder und fraßen vieles nieder.

Es sei ein Jahr der Extreme gewesen, sagt der 35-jährige Endres, der seit Frühjahr Chef des Obst- und Gartenbauvereins im Tabakdorf ist. Manches Obst und Gemüse konnte in rauen Mengen geerntet werden, anderes war ein Totalausfall. Gurken, Äpfel, Quitten und Tomaten seien sehr gut gewachsen, Birnen und Trauben hätten dagegen gelitten. Was in einem Garten funktioniert, kann anderswo schief gehen. Die Bedingungen seien regional unterschiedlich, sagt Theo Herrmann vom Obst- und Gartenbauverein Otterstadt. In Waldsee komme es darauf an, wo die Obstbäume stehen, nennt Edgar Weick ein Beispiel und fügt hinzu: „Im Dorf könne ein Baum viele Früchte tragen, während die gleiche Sorte auf den Streuobstwiesen am Ortsrand weniger ertragreich ist.“

Ein Tomaten- und Gurkenjahr

Die Gartenolympiade hat gezeigt, was in Gärten in Speyer und den Umlandgemeinden erfolgreich gewachsen ist. An der zehnten Auflage der Aktion, die immer im Jahr der Olympischen Spiele stattfindet, haben sich 38 RHEINPFALZ-Leserinnen und Leser beteiligt. Ihre Einsendungen bestätigen die Ausführungen der Gartenbauexperten: Es war ein Tomaten- und Gurkenjahr. Denn allein acht der Einsendungen zeigten Tomaten, fünf waren Gurken – womit wir schon bei der ersten Kategorie wären.

Unter dem Stichwort „Kurios“ fanden sich unter anderem Kürbisse, die in einem Feigenbaum wuchsen, Paprika mit Hörnern und ein Apfel mit einem ergiebigem Innenleben. Was die Gartenexperten jedoch besonders beeindruckt, war die sich zusammenkringelnde Schlangengurke von Sigrid Schultz aus Römerberg. „Dass sich eine Gurke so verdreht, ist wirklich kurios, weil sich das normalerweise auswächst“, sagt Theo Herrmann. Seine Kollegen stimmen dem 70-Jährigen zu. Die begeisterte Gärtnerin Sigrid Schultz kann sich somit über den ersten Platz in der Kategorie „Kurios“ bei der Gartenolympiade freuen. Ebenso nicht zu verachten ist die ungewöhnliche Sonnenblume von Hans Sona aus Heiligenstein. In deren Blütenkorb hat sich eine weitere Blüte entwickelt. „Das ist kurios und kann nicht beeinflusst werden“, lautet der Tenor der Jury. Platz zwei in dieser Kategorie geht somit an Hans Sona.

Den dritten Platz belegt eine Tomate mit Pfälzer Fußball-Touch. Erika und Gerhard Förster aus Speyer betitelten ihr Foto von einer Tomate mit Hörnern mit den Worten: „Das ist ganz klar ein Teufelchen“. Das überzeugte die Gartenolympiade-Jury, obwohl sich Ralf Gaggermeier als Nicht-Fußball-Fan outete und daher auch nicht so viel mit dem Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern anfangen kann, auf den das Tomaten-Teufelchen anspielt.

Schwergewichte räumen ab

Die meisten Einsendungen erreichten die Redaktion in der Kategorie „Superlativ“. Von großen Bananenstauden bis schweren Kürbissen, Tomaten, Zucchinis und Kohlrabi war alles dabei. Den ersten Platz belegt aber der Riesenapfel von Elke und Bernhard Sona aus Harthausen. Er bringt mehr als ein halbes Kilogramm auf die Waage. „Das ist ein Wort“, meint der 61-jährige Gaggermeier. Die Riesenquitte von Dieter Schatz aus Dudenhofen ist auch nicht zu verachten. Sie wiegt 879 Gramm. „Das ist mit Sicherheit eine Birnenquitte“, sagt Theo Herrmann. Dieter Schatz kann sich über den zweiten Platz in der Kategorie „Superlativ“ freuen. Den dritten Rang belegt die Riesentomate mit einem Gewicht von 974 Gramm von Sigrid und Klaus Kindler aus Harthausen. Es handelt sich um eine Ochsenherz-Sorte, die gerne dick und schwer wird.

Exotisch sind dagegen die Kichererbsen, die Anna Maria Kemper aus Speyer in ihrem Garten anbaut. Dort wachsen rund 100 Pflanzen. Weil das nicht alltäglich ist, belohnt die Jury die Arbeit von Kemper mit dem ersten Platz. Den zweiten Rang in der Kategorie „Exotisch“ belegt Aloisia Gurk aus Dudenhofen mit ihrer Passionsblume. „Das sieht man wirklich nicht so oft“, sagt der 64-jährige Edgar Weick. Exotisch ist auch der drei Meter hohe Hibiskus, der im Vorgarten von Heinz Piechotta in Speyer wächst. Er wird mit dem dritten Platz prämiert.

„Wir können zufrieden sein“, sagt Theo Herrmann über das Gartenjahr. Sein Obst- und Gartenbauverein in Otterstadt hat 86 Mitglieder, großen Zuspruch erfährt Herrmann immer wieder, wenn er Kurse anbietet – etwa zum Rosenschneiden. Ralf Gaggermeier schreibt sich auf die Fahnen, den Obst- und Gartenbauverein in Heiligenstein verjüngt zu haben: Im Jahr 2023 lag das Durchschnittsalter bei 53 Jahren. Besonders beliebt seien die monatlichen Stammtische, die Mitglieder und Interessierte vor allem besuchten, um zu plaudern. Auch die Gartenbauvereine kämpfen – wie andere Vereine – um Nachwuchs. Ihr Ziel ist praktisches Wissen weiterzugeben – sei es zum Anbau, zur Pflege, zum Schnitt oder zum Fermentieren.

Die Preisträger

Kategorie „Kurios“: 1. Platz Sigrid Schultz aus Römerberg; 2. Platz Hans Sona aus Römerberg; 3. Platz Erika und Gerhard Förster aus Speyer.
Kategorie „Superlativ“: 1. Platz Elke und Bernhard Sona aus Harthausen; 2. Platz Dieter Schatz aus Dudenhofen; 3. Platz Sigrid und Klaus Kindler aus Harthausen.
Kategorie „Exotisch“: 1. Platz Anna Maria Kemper aus Speyer; 2. Platz Aloisia Gurk aus Dudenhofen; 3. Platz Heinz Piechotta aus Speyer.
Die Gewinnerinnen und Gewinner können ihre Preise ab Dienstag, 26. November, zwischen 10 und 12 oder 14 und 16 Uhr in der Lokalredaktion, Heydenreichstraße 8, in Speyer abholen.

Zum Abschluss der Gartenolympiade: Die Jury um Thomas Endres (von links), Edgar Weick, Ralf Gaggermeier und Theo Herrmann betrac
Zum Abschluss der Gartenolympiade: Die Jury um Thomas Endres (von links), Edgar Weick, Ralf Gaggermeier und Theo Herrmann betrachtet mit RHEINPFALZ-Redakteurin Nadine Klose die Einsendungen und wählt die Siegerinnen und Sieger aus.
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