Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Wohnungsmangel: Der Bau braucht dicke Bretter

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Wohnungen und Häuser sind seit Langem knapp in Deutschland. Das Problem ist noch größer geworden. Mit dem Bau-Turbo der Bundesregierung allein ist es längst nicht getan.

Klappern gehört zum Handwerk, und auch deshalb schlägt die Bau- und Immobilienbranche einmal mehr Alarm. Bei der Münchner Immobilienmesse Expo Real haben die Autoren einer neuen Studie den Mangel an Wohnungen in Deutschland als noch gravierender bezeichnet als ohnehin angenommen. Allein in Westdeutschland, formulieren die Forscher des Pestel-Instituts in der von der Münchner Messegesellschaft beauftragten Studie, fehlen 1,2 Millionen Wohnungen. Die Ursachen dafür, dass es vielerorts in Deutschland an Wohnraum mangelt, sind vielschichtig. Gerade in den Städten und in den Speckgürteln um wirtschaftsstarke Ballungsräume ist die Nachfrage größer als das Angebot, entsprechend hoch sind die Preise.

Preise haben sich oft nahezu verdoppelt

In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Immobilienpreise im Bundesdurchschnitt nahezu verdoppelt. Das gibt beispielsweise der Hauspreis-Index EPX wieder. Er beruht auf den Daten privater Immobilienfinanzierungen der Plattform Europace und zeigt die Entwicklung der durchschnittlichen Preise. Demnach haben die Immobilienpreise im Juni 2022 ihren bisherigen Höhepunkt erreicht. Der folgende Preisrückgang bei Eigentumswohnungen und Bestandshäusern stoppte Anfang 2024. Nach längerer Seitwärtsbewegung steigen die Immobilienpreise seit einiger Zeit wieder leicht. Bei Neubauten haben die Preise gar nicht nachgegeben – auch wegen der stark gestiegenen Arbeits- und Baumaterialkosten.

Das macht es gerade für den durchschnittlich bis moderat überdurchschnittlich verdienenden Immobilieninteressenten mit Familie und ohne dicke Erbschaft im Hintergrund kompliziert. Neubau, Kauf oder Miete – das Wohnen ist vielerorts extrem teuer geworden.

Hohe Marktpreise problematischer als Zinsniveau

Das Problem sind die hohen Marktpreise samt möglicher Folgekosten etwa für energetische Sanierungen – und gar nicht so sehr die Immobilienkreditzinsen. Die sind zumindest leicht gesunken, wenn auch nicht so stark wie von vielen erhofft angesichts der Leitzinsschritte der Europäischen Zentralbank von 4,5 Prozent vor zwei Jahren auf aktuell 2,15 Prozent.

400.000 neue Wohnungen pro Jahr waren das Ziel der zerbrochenen Ampelregierung im Bund. Es wurde stets klar verfehlt. Bauministerin Verena Hubertz (SPD) als Vertreterin der Nachfolgeregierung will es mit ihrem „Bau-Turbo“ besser machen. Die Skepsis, die die Baubranche ob dessen Wirksamkeit hegt, ist mit Blick auf die verschiedenartigen Hindernisse angebracht. Die Bauwirtschaft fordert zusätzlich zum geplanten Bürokratieabbau eine viel höhere und zudem unkomplizierte Förderung.

Lieber Leerstand – aus „Angst vor dem Mieter“

Eine „Angst vor dem Mieter“ stellt das Pestel-Institut fest. Die führe dazu, dass viele Ältere lieber in ihrem vielleicht viel zu großen Haus wohnen bleiben oder es leerstehen lassen, anstatt es einer vier- oder fünfköpfigen Familie zu vermieten.

Ein weiteres Problem, das auch in der Pfalz oft zu beobachten ist: Am Ort selbst gibt es oft kein entsprechendes Angebot an kleineren Wohnungen, in die Ältere ziehen könnten, die ihr für sie zu groß gewordenes Haus verlassen wollen.

Es muss an vielen Stellen angesetzt werden, um die Wohnprobleme in den Griff zu bekommen. Das geht nicht mit Fingerschnipsen. Alle Beteiligten brauchen einen kühlen Kopf und Durchhaltevermögen.

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