Immobilien RHEINPFALZ Plus Artikel Teures Wohnen: Einfaches Bauen soll Abhilfe schaffen

Neubauten in Berlin.
Neubauten in Berlin.

Preisdruck und knappes Angebot auf dem Wohnungsmarkt bekämpfen, das wollen Bauverbände und künftige Bundesregierung. Nun gibt es eine neue Studie – mit alarmierenden Zahlen.

„Mutige Wege“ will die künftige Regierungskoalition aus Union und SPD gehen, um das Planen und Bauen zu beschleunigen. So steht es im Koalitionsvertrag, und so lautet das Gebot der Stunde. Die Frage des Wohnens ist längst auch zur Frage sozialer Gerechtigkeit geworden.

400.000 neue Wohnungen pro Jahr, das war das Ziel der im Herbst zerbrochenen Ampelregierung im Bund; sie hat es stets klar verfehlt. Wohnungsknappheit vor allem, aber nicht nur, in Ballungsräumen und den größten deutschen Städten ist zu einem der gravierendsten Probleme geworden. 2024 wurden nur 216.000 neue Baugenehmigungen erteilt. „Der Wohnungsbau liegt im Moment darnieder“, sagte am Donnerstag beim Wohnungsbautag des Verbändebündnisses Bauen in Berlin Dirk Salewski, Präsident des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen. Bauen ist ob hoher Materialkosten und vieler Geld verschlingender Vorschriften teuer.

Dünnere Decken, kein Keller

Es besteht eine deutliche Angebotslücke, die allein schon hohe Preise für Immobilienkäufer und -mieter nach sich zieht. Auch ohne die in den vergangenen 10, 15 Jahren stark gestiegenen Baukosten.

Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD gerade angekündigt, in ihren ersten 100 Regierungstagen einen Gesetzentwurf zur Einführung eines „Wohnungsbau-Turbos“ unter Berücksichtigung der kommunalen Planungshoheit vorzulegen und Lärmschutzfestsetzungen zu erleichtern. Die Mietpreisbremse in Kommunen mit extrem angespanntem Wohnungsmarkt soll verlängert werden.

Viel zu wenige Wohnungen gebaut

Schwarz-Rot hat sich auf die Fahnen geschrieben, „den Wohnungsbau und die Eigentumsbildung durch eine Investitions-, Steuerentlastungs- und Entbürokratisierungsoffensive“ anzukurbeln. Um den Wohnungsmarkt zu stabilisieren, bekennt sich die künftige Regierung im Koalitionsvertrag außerdem zum Ausbau des sozialen Wohnungsbaus. Zahlen nannte Schwarz-Rot dabei jeweils nicht. Für den sozialen Wohnungsbau gehen Experten weiter von 100.000 benötigten neuen Wohnungen im Jahr aus.

Insgesamt, schätzte das Verbändebündnis am Donnerstag beim Wohnungsbau-Tag, seien aktuell keine 400.000, aber bis zu 350.000 neue Wohnungen jährlich in Deutschland nötig. In den vergangenen Jahren jedoch wurden jeweils deutlich weniger Wohneinheiten fertiggestellt.

Vorbilder aus dem hohen Norden

Da täte ein „Wohnungsbauturbo“, wie ihn die neue Regierung plant, tatsächlich not. Kernpunkt ist eine Neubau-Offensive. Um die finanziell stemmen zu können, müsse Deutschland künftig einfacher und damit um bis zu ein Drittel günstiger bauen. Preiswerteres und vor allem auch schnelleres Bauen sei möglich, sagte Dietmar Walberg vom Kieler Forschungsinstitut Arge. Er verwies auf eine neue Wohnungsbau-Studie. Das in Schleswig-Holstein schon praktizierte „Erleichterte Bauen“ und der „Hamburger Standard“ seien sinnvolle Beispiele für einfaches Bauen, ohne Abstriche bei der Bauqualität zu machen, sagte Walberg.

Dabei halte man bei Brandschutz, Schallschutz und Dämmung die Mindestanforderungen ein. Weil man etwa wegen dünnerer Decken und Wände teils 40 Prozent an Stahl und Beton einspare, sei einfaches Bauen dennoch „echter Klimaschutz“. Zum Teil werde zudem ohne Keller gebaut und ohne Tiefgaragenstellplätze.

Für einen einfachen „Gebäudetyp E“ hatte das damalige Bundeskabinett Ende 2024 einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht. „Hamburger Standard und Erleichtertes Bauen sind ausreichend“, sagte Walberg.

Es geht um mehrere Milliarden Euro pro Jahr

Daran knüpfte auch Wolfgang Schubert-Raab an, der Präsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe. „Wir müssen uns in Deutschland davon verabschieden, immer den Goldstandard erreichen zu wollen“, sagte Schubert-Raab.

Dort setzen die Pläne von Union und SPD an: Die künftige Regierung will Baustandards vereinfachen und den Gebäudetyp E absichern. Dann seien für 100.000 neu gebaute Sozialwohnungen pro Jahr 11 Milliarden Euro an Förderung von Bund und Ländern erforderlich, betonte wiederum das Wohnungsbau-Bündnis in Berlin. Werde nach bisherigem Standard gebaut, müsse der Staat dagegen jährlich 15 Milliarden Förder-Euro in den sozialen Wohnungsbau investieren.

Auch bei den übrigen Immobilien könne man mit einfacherem Baustandard für 60.000 Wohnungen im Jahr mindestens 4 Milliarden Euro jährlich an Subventionen einsparen.

Der Wohnungsbau-Studie zufolge fehlen aktuell bundesweit mehr als 550.000 Wohnungen. 9,6 Millionen Menschen lebten in Wohnungen, die zu klein seien. Die künftige Bundesregierung müsse alles daransetzen, Wohnungsnot und hohe Mieten in den Griff zu bekommen, um den „sozialen Sprengstoff Nummer eins“ rasch unschädlich zu machen, betonten die Bauverbände. Dazu sei kluge staatliche Förderung nötig. Zum effizienten Bauen brauche es „keine Vielzahl von Förderprogrammen, sondern nur ein, zwei Förderprogramme, die einfach sind, die wirksam sind und die dauerhaft sind“, sagte Schubert-Raab. So bekomme man die für alle wichtige Planungssicherheit.

Hier geht es zum RHEINPFALZ-Leitartikel „Wohnungsnot: Neue Regierung muss Bau-Turbo rasch zünden“.

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