Kirrweiler
Von der Hammermühle zur Wohngenossenschaft: Kerngruppe treibt Projekt voran
Das Interesse war riesig, als Sybille von Schaabner, frühere Geschäftsführerin der Hammermühle in Kirrweiler, im Dezember vergangenen Jahres ihre Pläne für das Gelände des Unternehmens vorstellte. Die Hammermühle zieht im kommenden Jahr nach Neustadt, und dort, wo bisher glutenfreie Lebensmittel hergestellt wurden (und noch werden), sollen Wohnungen entstehen für Menschen, die eine besondere Form des Zusammenlebens suchen: Es geht um eine Verbindung von individuellem und gemeinschaftlichem Wohnen auf der Grundlage einer Genossenschaft. Was dabei auf die künftigen Bewohner zukommt, wurde den Zuhörern bei der Präsentation im Dezember so erklärt: „Sie erwerben die Wohnung nicht, sondern sie zahlen für das Recht, sie zu nutzen.“ Alle Gebäude gehören allen, niemandem kann gekündigt werden, und durch gemeinsame Aktivitäten und Projekte sollen die sozialen Beziehungen gefördert werden.
Der erste Schritt sei nun, eine kleinere Gruppe von Interessenten zu gründen, die das Projekt vorantreibt, hieß es im Dezember. Eine solche Kerngruppe hat sich gebildet und ist inzwischen seit mehreren Monaten dabei, das Vorhaben zu konkretisieren. Sie bestehe aus fünf Paaren und vier Einzelpaaren, erklärte Christiane Wettmann, die sich recht schnell für das Projekt entschieden hatte. Innerhalb der Gruppe haben sich kleinere Arbeitskreise gebildet, die sich mit bestimmten Themen beschäftigen. Wettmann (72), die bis vor wenigen Jahren die Ladengalerie Kunstwerk in Neustadt betrieben hat, hat sich unter anderem bei der Entwicklung eines Leitbilds für das gemeinschaftlich-genossenschaftliche Wohnen eingebracht. Wichtige Punkte darin sind unter anderem Achtsamkeit und „Resilienz“. Damit ist gemeint, dass die Gemeinschaft im gegenseitigen Vertrauen mit Gelassenheit, Geduld und Großzügigkeit gestaltet werden soll.
Interesse an „Cluster-Wohnungen“
Siegfried Centini (64) dagegen gehört zum Arbeitskreis Architektur. Die Gruppe habe sich entschieden, mit dem Büro Eble Messerschmidt Partner aus Tübingen zusammenzuarbeiten, das großen Wert auf Nachhaltigkeit und die Schaffung sozialer Lebensräume legt, erklärt er. In dem Arbeitskreis gehe es unter anderem darum, wie groß die Wohnungen sein sollen, und ob es auch sogenannte Cluster-Wohnungen geben soll. Damit gemeint sind Wohnungen, die private Räume mit gemeinschaftlich genutzten Bereichen, beispielsweise einer großen Wohnküche, verbinden. Centini selbst, der mit seiner Frau in die Bischofsmühle einziehen will, ist an einer solchen Wohnform interessiert und überzeugt, dass auch andere mitziehen werden.
Insgesamt sollen in der Bischofsmühle rund 30 Wohnungen entstehen. Die Kerngruppe wünscht sich, dass dazu fünf bis sieben Familien mit Kindern gehören. Denn das Projekt soll Bewohner verschiedenen Alters miteinander verbinden. Dass am Anfang eher die Älteren Interesse zeigten, sei nicht ungewöhnlich und auch bei ähnlichen Vorhaben so gewesen, erklärt Wettmann. Familien hätten weniger Zeit und planten häufig nicht so langfristig. Doch das erste junge Paar mit zwei Kindern habe sich bereits gemeldet und sei fest entschlossen, in der Bischofsmühle ein neues Zuhause aufzubauen, informierte von Schaabner. Und wenn einmal eine Familie mit Kindern dabei sei, schlössen andere sich viel leichter an. Die größeren Wohnungen seien 100 bis 120 Quadratmeter groß. Drei davon entstehen in der alten Mühle selbst. Die angebaute Produktionshalle wird abgerissen. Für die restlichen Wohnungen sind Neubauten geplant.
KfW-Kredite als Hilfe
Zu den Baukosten sagt Schaabner, dass diese den marktüblichen entsprächen. „Wir können nicht günstiger bauen.“ Darauf ist bereits bei der ersten Präsentation im Dezember hingewiesen worden. Damals war von Baukosten von 4250 Euro pro Quadratmeter die Rede, von denen die künftigen Nutzer zunächst einen Pflichtanteil in Höhe von etwa 2500 Euro zahlen müssten. Der Rest wird fremdfinanziert. Auf die Nutzer kommt dann noch ein „Nutzungsentgeld“ zu, in dem unter anderem die Zinsen für das Fremdkapital, die Erbbaupacht und Verwaltungskosten enthalten sind. Bei der Finanzierung könnten Kredite der staatlichen Förderbank KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) helfen, verdeutlicht Schaabner.
Die 76-Jährige ist derzeit damit beschäftigt, die Änderung des Bebauungsplans voranzutreiben. Dafür sind verschiedene Gutachten nötig, die teils bereits in Auftrag gegeben seien. Die Kosten dafür finanziere sie vor, erklärt die langjährige Geschäftsführerin, die selbst in eine Wohnung in der Bischofsmühle ziehen will. Erst wenn die Änderung des Bebauungsplans abgeschlossen sei, könne die Genossenschaft gegründet werden.
Unterdessen sucht die Kerngruppe nach weiteren Interessenten, unter anderem im Freundeskreis sowie auf Plattformen im Internet wie „Bring together“. Die kleineren Wohnungen (60 Quadratmeter), die für Senioren vorgesehen sind, seien praktisch schon alle vergeben, sagt Schaabner. Gesucht werden noch Familien sowie Paare oder Einzelpersonen mittleren Alters.
Info
Das Projekt ist im Internet unter www.bischofsmühle.net zu finden. Ansprechpartnerin ist Sybille von Schaabner, Telefon 01729804411
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