Immobilien
Teures Wohnen auch in der Pfalz: Forscher fordern gezieltere Bauförderung
Knappes Angebot, hohe Preise und trotz jüngster leichter Rückgänge noch relativ hohe Kreditzinsen: Der Traum von den eigenen vier Wänden geht in Deutschland längst nicht mehr so oft in Erfüllung wie noch vor einiger Zeit.
Die Eigentumsquote bei Immobilien lag nach den aktuellsten Zahlen der Zensus-Erhebung von 2022 bei 43,6 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit rund 15 Jahren, wie aus der aktuellen Studie „Wohneigentum in Deutschland“ hervorgeht. Das Pestel-Institut hat seine Ergebnisse am Montag auf der Messe „Bau“ in München vorgestellt. Im europäischen Vergleich hat den Angaben zufolge nur die Schweiz eine noch höhere Mieterquote. In den allermeisten europäischen Ländern liegt die Eigentumsquote deutlich über 50 Prozent.
Pfalz in den meisten Gegenden über dem Schnitt
Die Pfalz als eher ländlich geprägte Region liegt in den meisten Gegenden über dem Bundesschnitt. Das heißt, es besitzen mehr Haushalte Wohneigentum als andernorts. Generell ist im ländlichen Raum die Immobilien-Eigentumsquote tendenziell höher als in Städten. Der Landkreis Südwestpfalz ist mit einer Eigentumsquote von 72,3 Prozent der Studie zufolge gar bundesweiter Spitzenreiter. Das heißt, dort leben 72 von 100 Haushalten – oder in der Summe 32.231 von 44.590 Haushalten – in der eigenen Immobilie.
Wo das Wohnen doppelt so teuer ist
Allerdings sind laut Studie die Preise mit im Schnitt unter 250.000 Euro für ein Haus mit 100 Quadratmetern Wohnfläche im Kreis Südwestpfalz auch die pfalzweit niedrigsten. Für Speyer und den Kreis Bad Dürkheim werden für ein solches Haus demnach 500.000 bis 600.000 Euro fällig.
Die bundesweit niedrigste Quote von Haushalten, die von den Eigentümern bewohnt werden, weist die Stadt Leipzig auf (13,3 Pozent).
Das Pestel-Institut und der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) als Auftraggeber der Studie sehen in der im Bundesschnitt gesunkenen Eigentumsquote ein Problem. Langfristig müsse Deutschland mehrheitlich vom Mieter- zum Eigentümerland werden: „Eine Eigentumsquote von 50 Prozent und mehr wie in Österreich, den Niederlanden und Schweden würde vor allem auch mehr soziale Stabilität bringen“, sagt der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther. Wohneigentum sei ein wichtiger Baustein für die Altersvorsorge. Mieten würden für Seniorenhaushalte in Deutschland zunehmend zu einer finanziellen Belastung. „Steigende Mieten drängen mehr und mehr ältere Menschen in die Altersarmut“, sagt Günther.
Wohnkosten mittlerweile großes Armutsrisiko
Laut einer im Dezember vorgelegten Studie des Paritätischen Gesamtverbands sind hohe Kosten fürs Wohnen für viele Menschen zu einem großen Armutsrisiko geworden.
Zudem hätten in vielen Gegenden Deutschlands, gerade in starken Wirtschaftszentren wie München, Stuttgart, dem Rhein-Main-Gebiet oder Düsseldorf, Durchschnittsverdiener ob der hohen Immobilienpreise heutzutage keine Chance mehr, sich Wohneigentum zuzulegen, sagt Günther. Das sei auch verfehlter Förderpolitik des Staates zuzuschreiben. Auch die Programme der verschiedenen Parteien zur Bundestagswahl am 23. Februar „geben herzlich wenig her“ in Sachen Bau und Immobilien, sagt Günther.
BDB-Präsidentin Katharina Metzger sagt: „Deutschland braucht mehr Sozialwohnungen, mehr bezahlbare Mietwohnungen, aber auch mehr Wohneigentum.“ Der Schlüssel zu einer verbesserten Lage am Wohnungsmarkt sei, mehr zu bauen und gezielter zu fördern. 400.000 neue Wohnungen pro Jahr hatte sich die jüngst zerbrochene Ampelregierung bei ihrem Start 2021 zum Ziel gesetzt, um jeweils rund 100.000 Wohnungen jährlich hat sie ihr Ziel verfehlt.
Manche „nehmen die Förderung einfach so mit“
Christian Bruch, der Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau, kritisiert die aktuelle Bau-Förderung der KfW – weil dabei nur in der Entstehung sehr teure, da besonders energieeffiziente Häuser gefördert würden. „Hier bauen Leute“, sagt Bruch, „die sich das Bauen ohnehin leisten können, die nehmen die Förderung eben mit.“
Es würde aber kaum jemand gefördert, der dadurch wirklich neu zum Bauen oder Umbauen komme. So entstehe nicht genug zusätzlicher Wohnraum. Als „tendenziell förderungswürdig“ sieht die Studie aktuell Haushalte mit einem Gesamt-Nettoeinkommen von unter 4500 Euro im Monat an. Als Schlüssel sehen die Forscher zudem kleinere, bedarfsgerechte Einheiten wie einfacher gebaute Häuser oder Wohnungen.