Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Wie die Oberbürgermeister Ludwigshafen und Mannheim in der Spur halten wollen

Wollen nicht nur beim Thema Verkehr über den Rhein sehr eng zusammenarbeiten: die beiden Oberbürgermeister Klaus Blettner (links
Wollen nicht nur beim Thema Verkehr über den Rhein sehr eng zusammenarbeiten: die beiden Oberbürgermeister Klaus Blettner (links) und Christian Specht.

Klaus Blettner und Christian Specht sitzen vor allem beim Thema Verkehr in einem Boot. Sie reden nicht nur über die größte Baustelle – sondern geben auch private Einblicke.

Herr Specht, Herr Blettner, herzlichen Glückwunsch zur Fusion der Städte Ludwigshafen und Mannheim. Lu/Ma soll also Bremen als kleinstes Bundesland ablösen. Ihr Aprilscherz mit dem gemeinsamen Instagram-Video war amüsant. Herr Specht, wie ist diese Idee entstanden?
Specht: Die Idee hatte Klaus, und ich fand sie großartig. Ich habe an der Reaktion meiner Bürger gemerkt, dass wir vielleicht noch ein bisschen an der gemeinsamen Mentalität arbeiten müssen. Viele haben gefragt, warum heißt es Lu/Ma und nicht Ma/Lu? Diese scherzhaften Dinge zeigen, wie eng die beiden Städte miteinander verwoben sind.

Früher hat man Ludwigshafen in Mannheim gerne mal als Lumpenhafen bezeichnet. Auf der einen Rheinseite das hässliche Entlein, auf der anderen der Schwan. Haben Sie das anders wahrgenommen?
Specht: Ich bin zu einer Zeit groß geworden, als Ludwigshafen eine der Städte mit den höchsten Steuereinnahmen in ganz Deutschland war. Wenn ich jetzt mit Wehmut auf die Abrissbaustelle des Rathaus-Centers blicke, erinnere ich mich daran, wie ich zum ersten Mal an der U-Bahn-ähnlichen Station darunter stand. Da habe ich mich gefühlt wie in einer echten Großstadt. Ludwigshafen war damals futuristischer als andere Städte. Als Jugendlicher habe ich Ludwigshafen gar nicht negativ gesehen. Und: Ihre größten Erfolge haben die Fußballer des SV Waldhof im Südweststadion erzielt.

Im Fußball schlägt das Herz von Christian Specht für den SV Waldhof. Als Schüler war er Stammgast im Südweststadion, wo das Team
Im Fußball schlägt das Herz von Christian Specht für den SV Waldhof. Als Schüler war er Stammgast im Südweststadion, wo das Team in den 1980er-Jahren spielte.

Da waren Sie im Stadion und haben Ihrem Verein die Daumen gedrückt? Dann haben Sie bestimmt auch Spiele gegen den 1. FC Kaiserslautern dort gesehen.
Specht: Damals hatten wir samstags noch Schule. Ich musste in der sechsten Stunde im Chemie-Unterricht oft noch schnell die Reagenzgläserchen abtrocknen. Als gebürtiger Waldhöfer habe ich mich dann natürlich beeilt, um rechtzeitig um 15.30 Uhr im Südweststadion zu sein. Spiele gegen den FCK habe ich dort natürlich auch gesehen.

Es fällt nicht nur im Aprilscherz-Video auf, dass Sie beide gut harmonieren. Herr Blettner, Sie haben Herrn Specht im OB-Wahlkampf als Vorbild für die eigene Amtsführung bezeichnet. Wie ist Ihr persönliches Verhältnis? Wann haben Sie sich kennengelernt?
Blettner: Wir haben uns tatsächlich erst in meinem Wahlkampf kennengelernt. Vorher hatten wir noch keine großartigen Berührungspunkte. Unser Verhältnis ist sehr gut. Die Absprache für das Video hat über zwei Whatsapp-Nachrichten funktioniert. Wir harmonieren schon sehr gut. Wir sind ähnlich vom Politikstil, ergänzen uns aber auch. Ich bin politischer Quereinsteiger. Christian Specht ist sozusagen in der Verwaltung groß geworden. Sein Wort zählt. Ich glaube, er hört dann auch ab und zu mal gerne, wie so ein Politikneuling das eine oder andere sieht. Wir haben Probleme, die nicht nur auf einer Rheinseite zu lösen sind.

Sie sind Oberbürgermeister einer Chemiestadt. Es stimmt also die Chemie zwischen Ihnen beiden?
Blettner: Das würde ich mal so sagen. Ich habe bewusst keine durchsichtige Brillenfassung wie Christian. Sonst wäre die Verwechslungsgefahr noch größer. Ich nähere mich auch langsam der Frisur an. (lacht)

Ein großes Thema, das Sie beide beschäftigt, ist der Verkehr. Sie haben eine gemeinsame Brückengesellschaft gegründet. In diesen Tagen startet die Mega-Baustelle Hochstraße Nord. Viele Bürger und Pendler haben Angst vor dieser Situation. Was sagen Sie denen?
Blettner: Ich sage ihnen, dass das Projekt gut geplant ist. Wir müssen viel kommunizieren, damit sich die Leute frühzeitig mit dem Thema beschäftigen und nicht erst, wenn sie das erste Mal im Stau stehen. Wie gut alles aufeinander abgestimmt ist, sehen Sie allein schon daran, dass wir das Ganze erst dann machen, wenn die Hochstraße Süd wieder offen ist. Am 3. Juli wird es so weit sein. Dann können die Leute wieder diese Trasse nutzen, bevor wir an das große Vorhaben rund die Helmut-Kohl-Allee gehen. Die Sperrung des Nordbrückenkopfs ist das erste sichtbare Zeichen. Wir schaffen eine Situation, die relativ lange stabil bleibt. Nichts ist schlimmer als jeden Monat eine neue Baustellensituation mit neuen Schleichwegen. Das würde echtes Chaos mit sich bringen.

Die OBs Klaus Blettner (links) und Christian Specht (rechts) mit Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder bei dessen Besuch in L
Die OBs Klaus Blettner (links) und Christian Specht (rechts) mit Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder bei dessen Besuch in Ludwigshafen.

Haben die Mannheimer Bürger diese Baustelle schon auf dem Radar?
Specht: In der Tragweite und im Bewusstsein sicher noch nicht ausreichend. Es ist eine Riesenchance, dass wir jetzt jeden Schritt so eng miteinander abstimmen. Die gemeinsame Brückengesellschaft ist das eine – aber auch das Politische und die Kommunikation laufen wirklich im Einklang. Dass mich Klaus Blettner im November zum Besuch des Bundesverkehrsministers nach Ludwigshafen eingeladen hat, war ein tolles Zeichen. Ich habe die heiße Phase mit der kurzfristigen Sperrung der Hochstraße Süd und der damit verbundenen Schockstarre damals mitbekommen. Und ich muss sagen: Wie dann der Abriss und der Neubau der Hochstraße Süd gemanagt wurden, das war wirklich großartig – Gratulation. Wir können bei unseren Sanierungsprojekten nur von Ludwigshafen lernen.

Parallel zum Abriss der Hochstraße Nord soll die Schumacher-Brücke saniert werden. Wie ist da der Stand der Planungen?
Specht: Die eigentliche Flussbrücke ist intakt. Die Vorgehensweise hängt davon ab, ob die Rheinvorlandbrücken, die wir gerade untersuchen, noch saniert werden können oder abgerissen werden müssen. Dann ergibt es natürlich nur Sinn, das zwischen 2027 und 2032 zu tun – also in der Zeit, in der auch die nördliche Hochstraße nicht befahrbar ist. Das prüfen wir derzeit in der gemeinsamen Brückengesellschaft. Wenn da die Ergebnisse vorliegen, müssen wir die Situation neu bewerten.

Sie sind dabei auf Fördermittel von Bund und Land angewiesen. Was macht Sie denn optimistisch, dass das zeitlich so hinhaut?
Blettner: Die Situation bringt bei den Fördergebern Druck auf den Kessel. Wenn sie sehen, auf der einen Seite wird schon angefangen zu bauen, dann ergibt es keinen Sinn, auf der anderen Seite zu warten. Ich bin da zuversichtlich. Hinzu kommt: Wenn Sie sich die geopolitische Lage anschauen, dann waren die Rheinbrücken noch nie so wichtig wie heute. Ich glaube, dass unsere Baustelle eine katalytische Wirkung auf die andere Rheinseite hat.

Specht: Wir haben auch das gemeinsame Thema Häfen, die beide Ländereigentum sind. Da liegen Vermögenswerte der beiden Länder. Die Brücken dienen ja auch dazu, die Hafeninfrastruktur rechts- und linksrheinisch anzubinden. Darum kann man uns als Städte mit den Rheinbrücken nicht einfach alleine lassen. Die Häfen abzuhängen, hätte massive Auswirkungen auf die Wirtschaft und sogar auf das Thema Nachschub im Zusammenhang mit dem Operationsplan Deutschland, also dem Konzept der Bundeswehr zur Verteidigung im Spannungs- oder Verteidigungsfall.

Die Brücken sind auch für die Straßenbahnen von großer Bedeutung. Eine Brücke soll immer frei sein. Wie ist der Stand der Sanierung der Zufahrt zur Adenauer-Brücke auf Mannheimer Seite?
Specht:Mit dem Fahrplanwechsel am 1. Juni soll die Strecke für die Bahnen wieder befahrbar sein. Wir mussten die Rampe nicht abreißen, sondern konnten sie sanieren. Das sieht gut aus. Wir haben schon einen Eröffnungstermin, an dem wir OBs gemeinsam in die Bahn steigen und über die neue Zufahrt über den Rhein fahren.

Gespräch im Büro des Ludwigshafener Oberbürgermeisters: Klaus Blettner und sein Mannheimer Amtskollege Christian Specht (rechts)
Gespräch im Büro des Ludwigshafener Oberbürgermeisters: Klaus Blettner und sein Mannheimer Amtskollege Christian Specht (rechts) mit den RHEINPFALZ-Redakteuren Oliver Seibel (links) und Michael Schmid.

Das Thema Wohnen bewegt auch viele Menschen. Vor einigen Wochen hat die BASF Bauen + Wohnen angekündigt, Tausende Wohnungen zu verkaufen. Welche Auswirkungen hat das auf Ludwigshafen?
Blettner: Das ist ein sehr, sehr großes Projekt, und es ist eminent wichtig für unsere Stadt. Es kommen am Stück vielleicht 2800 Wohnungen alleine in Ludwigshafen auf den Markt – und weitere im Rhein-Pfalz-Kreis und in Mannheim. Der Aufgabe stellen wir uns. Wir werden im Bieterverfahren ein Angebot unterbreiten, das im Wesentlichen andockt an der Struktur der GAG. Da ziehen viele in der Region mit: Geldgeber, Kreditinstitute. Die Absprache mit den betroffenen Umlandgemeinden – neben Mannheim sind das Limburgerhof, Maxdorf und Frankenthal – ist sehr schnell erfolgt. Ich habe klargemacht, wie wir vorgehen wollen. Wir machen jetzt ein kleines, schlagkräftiges, im Wesentlichen auf Ludwigshafen fokussiertes Konsortium.

Wer ist in diesem Konsortium?
Blettner: Das werden im Wesentlichen die GAG sein und zwei kommunale Kreditinstitute.

Ist das zu stemmen? Wir reden von einem Volumen von etwa einer halben Milliarde Euro.
Blettner: Es wird sich zeigen, ob es wirklich darauf hinausläuft. Preise entwickeln sich gerade nicht für die BASF, wenn Sie sich die Zinsen anschauen. Es ist ein interessantes Portfolio, das zu stemmen ist. Immobilienkredite kriegen Sie noch auf dem Markt. Dafür haben wir eine sehr leistungsfähige kommunale Wohnungsbaugesellschaft.

Wie haben Sie das Thema verfolgt, Herr Specht?
Specht: Das war ein Paradebeispiel für hervorragende Zusammenarbeit: Klaus hat mich sofort informiert. Es war erst einmal ein echter Schock für uns. Aber wir haben gleich die Köpfe zusammengesteckt, um zu erörtern, ob es eine regionale Lösung geben kann. Ich habe sofort signalisiert, dass wir bereit sind, für die Wohnungen in Mannheim die Verantwortung zu übernehmen. Wenn das Konsortium zum Zuge kommt, sind wir vorbereitet.

Blettner: Langfristig wird es nicht die Aufgabe der GAG sein, Bestände außerhalb von Ludwigshafen zu halten.

Das heißt?
Blettner: Im Moment kann man die Wohnungen nur en bloc kaufen, und dann sehen wir weiter. Nur etwa zehn Prozent der Wohnungen sind außerhalb von Ludwigshafen. Immobilien können Sie immer verkaufen. Und üblicherweise bekommt man dafür Geld.

Themawechsel: Herr Blettner, was zieht Sie privat nach Mannheim?
Blettner: Im Privatleben gibt es für mich keinen Unterschied zwischen den beiden Städten. Ich bin ganz oft in Mannheim. Meine Kinder haben beim Mannheimer Hockeyclub gespielt. Und natürlich: Es gibt Bereiche, da ist der Einzelhandel in Mannheim besser aufgestellt. Kulturveranstaltungen besuche ich auch dort. So wie die meisten Bürger in der Region.

Und Sie, Herr Specht, was zieht Sie nach Ludwigshafen?
Specht: Vor Corona häufiger die Gaststätte Maffenbeier im Hemshof. Und: Weil ich früher Tennis gespielt habe, war ich öfter beim BASF Tennisclub. Für viele Mannheimer ist das Festival des Deutschen Films in Ludwigshafen ein Magnet. Und die Eberthalle natürlich auch. Zudem erinnere ich mich, dass es einen guten Volkslauf im Maudacher Bruch gab.

Blettner: In Mannheim kann man auch gut essen gehen. Nur die Schorle, die sollte man in Ludwigshafen trinken. Die wird nämlich auf der anderen Rheinseite nur in homöopathischen Dosen ausgeschenkt.

Das stimmt. Was kann Ludwigshafen von Mannheim lernen?
Blettner: Ich glaube, Mannheim hat einen guten Job gemacht, sich ein sehr vielfältiges kulturelles Angebot zu sichern und zu bewahren. Wie mit Popkultur und Popmusik ein Schwerpunkt gesetzt wurde, das ist beeindruckend. Ein weiteres Beispiel ist die Konversion der amerikanischen Militärflächen, wo Mannheim Interessantes geleistet hat. Wir haben zwar keine Militärflächen, aber natürlich Konversions- und Transformationsthemen wie die City West, die eng mit dem Bau der Helmut-Kohl-Allee verbunden ist.

An der BASF hängen viele Arbeitsplätze in der gesamten Region.
An der BASF hängen viele Arbeitsplätze in der gesamten Region.

Wobei können Sie sich gegenseitig unterstützen?
Specht: Ludwigshafen ist gerade dabei, sich noch mal ein Stück weit neu zu erfinden. Es gibt die Herausforderung, dass der weltweit größte zusammenhängende Chemiestandort vor der Dekarbonisierung steht. Wie oft haben wir uns die Frage gestellt, ob es gelingen kann, den Steamcracker der BASF zu elektrifizieren – als Basis für eine klimafreundliche Kunststoffchemie? Das ist ein Thema, das uns beide umtreibt, weil wir wissen, dass ein Arbeitsplatz bei der BASF fünf weitere in der Region bedeutet – und davon auch einige in Mannheim. Wir wollen zeigen, dass wir nach wie vor ein erfolgreicher Industriestandort sein können. Die Fähigkeit, auch mal mit dem Rücken zur Wand zu stehen – vor allem mit Blick auf die extremen Finanzbedingungen – und dennoch zu sagen, wir packen die Themen an und bauen die Stadt um: Da können wir uns gegenseitig befruchten.

Deutschland ist in einem Strukturwandel. Die Chemiebranche steckt in der Krise. Ludwigshafen und Mannheim leiden unter den wirtschaftlichen Problemen. Haben Sie die Sorge, dass den beiden Städten dasselbe Schicksal droht wie dem Ruhrgebiet, wo eine ganze Branche in die Knie gegangen ist?
Blettner: Eins zu eins kann man das nicht übertragen, weil wir eben nicht so eine Monoindustrie haben. Gerade wenn wir uns als Metropolregion begreifen, sind wir breiter aufgestellt. Was wir natürlich haben, ist einen gemeinsamen Schwerpunkt im produzierenden Gewerbe. Das ist auch gut so. Wir haben mit SAP ein tolles Softwareunternehmen in der Metropolregion. Das ist eine wunderbare Ergänzung. Es kann sich aber nicht jede Region als Silicon Valley verstehen, wo es nur noch wenig um greifbare Dinge geht. Die sind auch wichtig, aber wir müssen uns auf unsere eigenen Stärken besinnen.

Wie sehen Sie das, Herr Specht?
Specht: Ich sorge mich weniger vor einem Abstieg. Wir müssen vor allem den gesellschaftlichen Zusammenhalt bewahren. Das ist unser Job in beiden Städten. Denn es wird Verlierer geben, aber auch Gewinner. Wir haben zum Beispiel mit Osapiens seit Kurzem ein „Einhorn“ – also ein Start-up, das noch nicht an der Börse gehandelt wird und schon über eine Milliarde Euro wert ist. Ein zweites wird vielleicht in ein paar Monaten folgen. Wir haben mit der Fusion der beiden Universitätskliniken Heidelberg und Mannheim den größten Gesundheitsverbund Deutschlands geschaffen. Das gibt uns viele Möglichkeiten: mit den nachgelagerten Pharmaunternehmen, mit den Biowissenschaften in Heidelberg, mit Roche in Mannheim, mit vielen kleineren Unternehmen. Passend dazu haben wir einen Technologiepark, der sich nur mit Gesundheitswirtschaft beschäftigt. Dort gibt es kleine Leuchttürme, die in einer Wachstumsphase sind und jetzt noch mal neuen Schub bekommen.

Ein Landesthema – aber nicht ausschließlich – sind die Schulen. In Ludwigshafen hat eine Realschule in den vergangenen Monaten für viel Wirbel gesorgt. Eine Lehrerin ist mit einem Messer angegriffen worden, es gab etliche weitere Zwischenfälle. Auch andere Schulen klagen über Missstände. Herr Specht, wie ist die Situation an den Schulen in Mannheim?
Specht: Bezirke mit hohen Sozialhilfequoten und viel Armut gibt es in vielen Städten – da ist Ludwigshafen nicht alleine. Ebenfalls kein reines Ludwigshafener Phänomen sind versagende Elternhäuser, Integrationsprobleme und der Investitionsstau an den Schulen.

Gibt es hier Potenzial, gemeinsam Lösungen zu finden?
Blettner: Nicht unmittelbar. Sie sagten richtigerweise, dass die Schulen im Kern Landespolitik sind. Man kann voneinander lernen und sich als Schulträger austauschen. Ich glaube auch, das ist kein Ludwigshafener Thema. Die Schulkrise in Rheinland-Pfalz war das wichtigste Thema bei der Landtagswahl. Man hat das festgemacht an der einen oder anderen Ludwigshafener Schule. Die Herausforderungen sind überall ähnlich.

Historischer Moment: Christian Specht (links) und Klaus Blettner unterschreiben beim Neujahrsempfang der Stadt Mannheim den Vert
Historischer Moment: Christian Specht (links) und Klaus Blettner unterschreiben beim Neujahrsempfang der Stadt Mannheim den Vertrag zur Gründung einer Rheinbrückengesellschaft.

Haben Sie konkrete Ideen, in welchen Bereichen Sie noch stärker zusammenarbeiten und wie Sie am Image der beiden Städte feilen könnten?
Specht: Ich würde mich freuen, wenn wir es beim Thema Kultur besser machen. Ich sage ganz offen, dass ich froh bin, dass Klaus die Kultur in seinen Arbeitsbereich genommen hat. Wir waren bei dem Thema schon einmal weiter. Es gab zum Beispiel einmal einen gemeinsamen Kulturausschuss beider Städte. Mit Blick auf unsere finanzielle Krise wird es in Zukunft darum gehen, Kulturpolitik in der Region gemeinsam zu formulieren. Mehr vom Gleichen wäre da falsch. Wenn wir das zum Imagewandel beziehungsweise zur Stadtentwicklung nutzen wollen, könnten wir da noch einen Schritt weitergehen.

Und außerdem?
Specht: Da gibt es noch ein paar gute Überlegungen. Wir sind ein gemeinsamer Sicherheitsraum. Wir hatten früher mal eine Sicherheitspartnerschaft mit der Bundespolizei an den Bahnhöfen, auf zentralen Plätzen. Daran lässt sich vielleicht wieder anknüpfen.

Für die Videoüberwachung nach Mannheimer Vorbild interessieren sich einige Städte – darunter auch Ludwigshafen.
Für die Videoüberwachung nach Mannheimer Vorbild interessieren sich einige Städte – darunter auch Ludwigshafen.

Die Mannheimer Videoüberwachung könnte Vorbild für Ludwigshafen sein.
Blettner: Das haben wir uns in Mannheim angesehen. Das ist vorbildlich. Den Bürgerinnen und Bürgern ist es schwer zu vermitteln, dass so was in Mannheim, also in Baden-Württemberg, funktioniert, aber in Ludwigshafen, also in Rheinland-Pfalz, nicht. Insofern hoffe ich auch auf Unterstützung durch die neue Landesregierung.

Bei aller Arbeit und allen Projekten: Wenn Sie privat gemeinsam etwas unternehmen würden – was wäre das?
Blettner: Alle Kurpfälzer mögen Genüsse. Beim Essen und Trinken, beim Kochen und Genießen und beim Erzählen – ich glaube, da treffen wir uns am ehesten.

Specht: Du kannst ja kochen, im Gegensatz zu mir.

Blettner: Essen können wir beide.

Zur Person

Klaus Blettner (58, CDU), in Heilbronn geboren und in Koblenz aufgewachsen, ist seit Januar 2026 Oberbürgermeister von Ludwigshafen. Vorher unterrichtete er an der Ludwigshafener Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Betriebswirtschaftslehre. Blettner ist Vater dreier erwachsener Kinder. Mit seiner Partnerin lebt er in Oggersheim.
Christian Specht (59) ist seit 4. August 2023 Oberbürgermeister von Mannheim. Vorher war er viele Jahre Erster Bürgermeister und als Kämmerer zuständig für die Finanzen seiner Heimatstadt. Der CDU-Mann wuchs auf dem Waldhof auf, wo seine Eltern eine Drogerie betrieben. Specht ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Töchter.

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