Kreis Bad Dürkheim
Müllkontrollen: Warum an Biotonnen jetzt gelbe und rote Karten hängen
Auf halbem Weg nach oben bleibt die Biomülltonne stehen. Die Klappen am Fahrzeug öffnen sich nicht. Auch wenn der Müllwerker den entsprechenden Knopf drückt, passiert nichts. Ein eindeutiger Hinweis darauf, dass sich in der grünen Tonne ein Stoff befindet, der dort nicht hineingehört. In diesem Fall ist es eine Kunststoff-Verpackung eines Schokoriegels zwischen den Gemüseabfällen, die mittels „Deep Scan“ aufgespürt wurde. An den Fahrer gibt der Müllwerker diese Info mit einem Gerät nach vorne weiter. Der Fahrer kann die Meldung in ein Gerät eintippen, das über der Frontscheibe hängt. An die geleerte grüne Tonne hängt der Müllwerker eine gelbe Verwarnungskarte, bevor er sie wieder an die Straße stellt und das nächste Exemplar kontrolliert wird. Falls die Tonne bei der nächsten Tour wieder verunreinigt ist, wird sie nicht geleert und bekommt die rote Karte.
„Wir verteilen überwiegend gelbe Karten, weniger rote“, sagt Klaus Pabst, Werkleiter beim Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Landkreises Bad Dürkheim. Die gelbe Karte klärt den Bürger darüber auf, dass die Biotonne Störstoffe enthält. „Heute wird Ihre Tonne noch einmal geleert. In Zukunft bleibt die Tonne stehen, wenn sie weiterhin falsch befüllt wird“, ist auf der gelben Karte zu lesen. Außerdem ist ein QR-Code aufgedruckt. Dieser leitet auf eine Informationsseite des AWB weiter. Hier kann der Bürger nachlesen, was alles in die grüne Tonne gehört und was nicht. Zum Beispiel darf der Biomüll auch nicht in grünen Tüten gesammelt werden, wie sie beispielsweise im Supermarkt oder in der Drogerie verkauft werden. Denn diese sind gar nicht kompostierbar und müssen in den Restmüll. „Um Biomüll einzuwickeln, sollte man Papier oder alte Zeitungen verwenden“, erklärt Pabst.
Es könne auch der Fall sein, dass der Biomüll nur aus Restmüll bestehe. Dann wäre er quasi übersät mit fremden Stoffen. „Wenn wir das feststellen, werden wir die Tonne nicht leeren und gleich eine rote Karte dranhängen“, informiert Pabst. Der Besitzer wird damit aufgefordert, die nicht zulässigen Abfälle zu entfernen und die Tonne zum nächsten Termin erneut bereit zu stellen. Die Infos über die falsche Trennung werden vom Fahrzeug an den AWB übertragen. Damit weiß man, wo bei der nächsten Leerung aufzupassen ist.
Mit Metall wird meist auch Plastik entdeckt
Zwei Müllautos im insgesamt jetzt 20 Fahrzeuge umfassenden Fuhrpark des AWB verfügen über „Deep Scan“. Mit dieser elektromagnetischen Technologie wird der Störstoff Metall aufgespürt. Da Kunststoffe meist eine Metallbeschichtung haben, ist auch Plastik dabei, erläutert Pabst. Nicht aufzuspüren seien jedoch Gummibänder, die meist um Gemüse wie Brokkoli oder Radieschen gewickelt werde. „Doch die können gerade für Vögel auf dem Acker besonders gefährlich sein“, warnt Pabst.
„Deep Scan“ ist bei vielen Abfallwirtschaftsbetrieben bereits im Einsatz. Das Ziel: Die Qualität des Bioabfalls zu verbessern und Mikroplastik im Boden zu reduzieren. Denn ein Teil des Biomülls im Landkreis wird von der Zentralen Abfallwirtschaft Kaiserslautern (ZAK) als Biodünger auf Pfälzer Äckern verteilt. Und da sollte Mikroplastik natürlich nicht hin, verdeutlicht Pabst. Man wolle der ZAK möglichst „sauberen“ Biomüll liefern. Denn die spätere Reinigung sei mit einem hohen personellen und technischen Aufwand verbunden, was zugleich hohe Kosten verursache, so Pabst. In diesem Jahr wird der AWB laut Wirtschaftsplan für Transport und Verwertung der Bioabfälle rund zwei Millionen Euro an die ZAK zahlen.
Strenge Bioabfallverordnung
Auch wegen der seit März geltenden Bioabfallverordnung sei es wichtig, dass der Biomüll keine Fremdstoffe aufweise. Danach müsse der Müll bei Verunreinigungen von einem bis drei Prozent nachsortiert werden. Ab drei Prozent Fremdstoffen müsste die Biotonne separiert und zur Müllverbrennung transportiert werden. „Wir haben solche großen Verunreinigungen nicht, weil wir in solchen Fällen keine Biotonnen, sondern nur noch Restmülltonnen hinstellen“, erklärt Disponent Thomas Schatz. Man habe feststellen müssen, dass es vor allem bei großen Wohnblocks unmöglich sei, die Bewohner mit roten und gelben Karten zur richtigen Trennung anzuleiten. „In allen Tonnen ist dort überall das Gleiche drin“, sagt Pabst.
Seit dem 1. März wendet der AWB die neue Methode an. 33.000 Biomülltonnen wurden mit „Deep Scan“ kontrolliert. Damit fehlen dem AWB noch 8000 Stück. Auffälligkeiten habe es bislang bei 5418 Tonnen gegeben. Das sind rund 16,42 Prozent. 5100 Tonnen erhielten bislang die gelbe Karte, 318 Stück die rote Karte.
120.000 Euro kostete „Deep Scan“
Bereits seit 2024 führe man Sichtkontrollen durch, erklärt Disponent Schatz. Mit „Deep Scan“ sei alles nun viel genauer. 120.000 Euro hat die Investition an den beiden Fahrzeugen des AWB laut Pabst gekostet. Derzeit sei nicht geplant, noch mehr Fahrzeuge damit auszurüsten.
Nicht jeder Bürger nehme die Verwarnungen mit den Karten so einfach hin. „Es gibt schon Diskussionen“, sagt Schatz. Jedoch sei dies inzwischen weniger geworden. Pabst bezeichnet das Verfahren jedoch als „alternativlos“, wenn dafür gesorgt werden müsse, dass die Müllqualität stimme.