Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel 50 Jahre nach dem Baubeschluss: Abschied vom Rathaus-Center (mit Bildergalerie & Video)

Das Rathaus-Center wurde 1979 eröffnet.
Das Rathaus-Center wurde 1979 eröffnet.

Vor 50 Jahren wurde der Bau des Rathaus-Centers in Ludwigshafen beschlossen. Jetzt ist der Turm weg, die Mall fast: Bis Sommer soll der Gebäudekomplex Geschichte sein.

Vor 50 Jahren fiel die Entscheidung, das Rathaus-Center auf dem Areal des früheren Hauptbahnhofs zu bauen. Am 29. März 1976 beschloss der Stadtrat den Bau – SPD und CDU stimmten mit großer Mehrheit für das 150-Millionen-Mark-Projekt. Nur sechs Stadtratsmitglieder – drei von der FDP und drei von der Union – votierten dagegen. Oberbürgermeister Werner Ludwig (SPD) nannte die Entscheidung eine „Weichenstellung für das Jahrhundert“. Von der Kombination aus Einkaufszentrum und Rathaus versprachen sich die Befürworter viel. Ludwigshafen sollte es damit gelingen, den Kaufkraftabfluss nach Mannheim aufzufangen, also die Ludwigshafener dazu bringen, vor Ort in ihrer Stadt einzukaufen.

Am 1. März 1979 wurde das Rathaus-Center mit dem Hauptsitz der Stadtverwaltung und dem Einkaufszentrum eröffnet – als eines der ersten Center dieser Art in Deutschland. 50.000 Menschen kamen zur Eröffnung des neuen Wahrzeichens der Stadt. Nach drei Jahren Bauzeit war es fertig. Im Einkaufszentrum lockten zunächst 50 Geschäfte und ein Vollwarenhaus die Kunden. Der Neubau veränderte das Gesicht der City. Die Anbindung an die Fußgängerzonen sowie die Verbindung der Stadtmitte mit dem Hemshof und das Hochstraßensystem gehörten zur Planung.

Eigentlich eine Notlösung

Die Euphorie bei der Eröffnung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Bau des Rathaus-Centers eigentlich eine Notlösung war. Die Stadt hatte das durch die Verlegung des Hauptbahnhofs frei werdende Areal gekauft und suchte vergeblich nach Investoren. Zunächst sollten drei große Wohntürme auf dem Gebiet gebaut werden. Doch das Hochhausprojekt scheiterte „mangels Nachfrage“, wie es in der Ludwigshafener Stadtgeschichte heißt. Dann wollten die Stadtverantwortlichen auf dem Areal Bürokomplexe der Industrie ansiedeln – auch diese Idee ließ sich nicht realisieren. Schließlich entschied man sich notgedrungen für eine Alternative: die Kombi aus Stadtverwaltung und Shoppingmall. Das gab’s zuvor beispielsweise schon in Essen, aber in Ludwigshafen – das damals noch finanziell vor Kraft strotzte – sollte das „gewaltigste Rathaus-Center der Bundesrepublik“ entstehen. Die Verantwortlichen beriefen sich bei dem Zukunftsprojekt gar auf die Vergangenheit: „Rathaus und Handelshof liegen unter einem Dach, in gutem mittelalterlichen Sinne“, lobte die städtische Broschüre zur Eröffnung.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Gut 50 Jahre später bleibt vom vermeintlichen Jahrhundertprojekt nur noch Staub und Schutt übrig. Das Rathaus-Center ist weitgehend abgerissen. Die 18 Etagen des verglasten Büroturms sind verschwunden. Nur der Betonsockel des Hochhauses steht noch. In einigen Wochen wird auch dieser Rest Geschichte sein. Bis zum Sommer soll nichts mehr an das einstige Wahrzeichen der Stadt erinnern.

Platz für 75 Geschäfte

In dem Einkaufszentrum befanden sich zur Glanzzeit 75 Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von über 25.000 Quadratmetern. Es gab aber auch viel Fluktuation und Flops: Der Kaufhof war von der „Tortenschachtel“ ins Center umgezogen und schloss dort wieder. Der türkische Konzern Yimpas übernahm einige Häuser der Metro-Kaufhof-Horten-Gruppe, darunter auch die Riesenfläche in Ludwigshafen, und eröffnete dort mit anatolischen Musikstars sein Kaufhaus. Tausende Türken aus der ganzen Region kamen zur Eröffnung. Manche hatten sich von großen Versprechungen locken lassen und ihr erspartes Geld in das Projekt investiert. Doch kurze Zeit später hatten die Kleinanleger alles verloren. Die Betreibergesellschaft meldete Konkurs an. Und das Rathaus-Center hatte einen prominenten Leerstand.

Zum 25-jährigen Bestehen brauchte das Center daher dringend neue Impulse: Nach einem 15 Millionen Euro teuren Umbau des ehemaligen Kaufhof-Flügels zog der Saturn-Markt als Ankermieter dorthin. Trotz aller Turbulenzen: Mit täglich über 30.000 Besuchern und 75 Shops etablierte sich das Rathaus-Center als Einzelhandelsstandort in der Stadt. Das Center-Management hat die Hamburger ECE 1981 im Auftrag der Eigentümergesellschaft übernommen.

Hochstraßenkrise wirkt sich aus

Die Hochstraßenkrise änderte schließlich alles. 35 Jahre nach der Eröffnung des Centers musste die marode Hochstraße Nord saniert werden. Der Stadtrat beschloss 2014, die 1,8 Kilometer lange Trasse abzureißen und durch eine ebenerdige Stadtstraße zu ersetzen. Vorteil: Entlang der neuen Straße kann mit der „City West“ ein neues Stadtviertel geschaffen werden. Doch für diese Planung musste der nördliche Teil des Centers, das mit Parkdecks und Rampen mit der Hochstraße verbunden ist, abgerissen werden. Die damalige Stadtspitze unter OB Eva Lohse (CDU) stellte aber den Fortbestand des Rathauses nicht infrage.

Wegen des Teilabrisses war allerdings der Center-Eigentümer beunruhigt. Da sich die Haustechnik im Abrissteil befand, war klar, dass das Center nicht weiterbetrieben werden konnte, wenn die Arbeiten beginnen. Um langwierige Rechtsstreitigkeiten und Schadenersatzforderungen zu verhindern, kaufte die Stadt schließlich Anfang 2019 das Center für 46 Millionen Euro, um freie Hand zu haben. Die Schließung des Einkaufszentrums Ende 2021 war damit beschlossene Sache. Nach 42 Jahren schlossen sich Türen für immer.

Turm ein Sanierungsfall

Das Rathaus im 18-stöckigen Turm, der im Eigentum der Stadt war, wurde ebenfalls zum Sanierungsfall. Im Herbst 2015 informierte die Stadtspitze, dass der gesamte Turm komplett saniert werden müsse. Fenster waren undicht, neue Brandschutzlinien machten einen umfangreichen Umbau erforderlich. Der Turm wurde Ende 2016 zwischen den Etagen sechs und 15 geräumt. 333 Mitarbeiter zogen in angemietete Ausweichquartiere. Im Rathaus blieben 300 Mitarbeiter in den tieferen Etagen. Sie sollten erst ausziehen, wenn die Großsanierung startet.

Ein von der Verwaltung in Auftrag gegebenes Gutachten untersuchte mehrere Varianten. Zielvorgabe der neuen OB Jutta Steinruck (SPD): Möglichst viele Mitarbeiter der Stadt sollen unter einem Dach arbeiten. Zwei Varianten blieben übrig: Sanierung des Turms mit Erweiterungsbau (Kosten: 300 Millionen Euro) sowie Abriss des Turms plus Rathaus-Neubau (295 Millionen Euro). Bevor eine Entscheidung fiel, kam die OB im September 2020 mit einem neuen Vorschlag: Abriss des Turms und ein Neubau an anderer Stelle. Dadurch könne die neue Stadtstraße parallel zum Abriss der Hochstraße gebaut werden, was zwei Jahre Bauzeit und damit Kosten spare. Der Stadtrat stimmte zu.

Turm in sechs Monaten abgetragen

Damit waren die Tage fürs Rathaus-Center endgültig gezählt: Das Gebäude wurde entkernt, bis nur noch ein Stahlbetonskelett stand. Im September 2025 begann der Abriss des 72 Meter hohen Rathausturms. Mini-Bagger wurden per Kran nach oben transportiert und zerlegten mit ihren Greifzangen dann Etage für Etage. Parallel dazu wurden größere Bauteile zurechtgeschnitten, die mit einem Kran in den früheren Warenhof West des Rathaus-Centers befördert und dort zerkleinert wurden.

So sah das Modell des Rathaus-Centers aus.
So sah das Modell des Rathaus-Centers aus.
Hier wurde am Fundament gearbeitet.
Hier wurde am Fundament gearbeitet.
Der Bau des Rathaus-Centers startet 1976 und dauerte drei Jahre.
Der Bau des Rathaus-Centers startet 1976 und dauerte drei Jahre.
Sonderpostkarte zur Eröffnung des Rathaus-Centers.
Sonderpostkarte zur Eröffnung des Rathaus-Centers.
Das Center wurde zum Wahrzeichen der Innenstadt.
Das Center wurde zum Wahrzeichen der Innenstadt.
Sogar Postkarten schmückte das Rathaus-Center.
Sogar Postkarten schmückte das Rathaus-Center.
2004: Andrang bei der Eröffnung des Saturn-Markts.
2004: Andrang bei der Eröffnung des Saturn-Markts.
Bis zu 75 Geschäfte gab es im Center.
Bis zu 75 Geschäfte gab es im Center.
Der Komplex war direkt mit dem Hochstraßensystem verbunden.
Der Komplex war direkt mit dem Hochstraßensystem verbunden.
Im Center fanden immer wieder Aktionen statt.
Im Center fanden immer wieder Aktionen statt.
1700 Glaselemente hatte die Rathausturm-Fassade.
1700 Glaselemente hatte die Rathausturm-Fassade.
Der Komplex blieb bis Ende 2021 geöffnet und war gut besucht.
Der Komplex blieb bis Ende 2021 geöffnet und war gut besucht.
Die Zugänge zu den Treppen wurden gesperrt.
Die Zugänge zu den Treppen wurden gesperrt.
Nach der Schließung begann der Rückbau: Die roten Buchstaben verschwanden zuerst.
Nach der Schließung begann der Rückbau: Die roten Buchstaben verschwanden zuerst.
Die Fassade wurde abmontiert.
Die Fassade wurde abmontiert.
Das Innere der Mall wurde entkernt.
Das Innere der Mall wurde entkernt.
Übrig blieb ein Betonskelett.
Übrig blieb ein Betonskelett.
Das Betongerippe wurde zum Motiv für den Lukom-Fotokalender.
Das Betongerippe wurde zum Motiv für den Lukom-Fotokalender.
Mini-Bagger trugen das Hochhaus Stück für Stück ab.
Mini-Bagger trugen das Hochhaus Stück für Stück ab.
Von unten war nur wenig davon zu sehen.
Von unten war nur wenig davon zu sehen.
Alles im Griff: Abrisschef Klaus Möller.
Alles im Griff: Abrisschef Klaus Möller.
Bis Jahresende war ein Großteil abgetragen.
Bis Jahresende war ein Großteil abgetragen.
Bagger mit langen Greifarmen übernahmen vom Boden aus.
Bagger mit langen Greifarmen übernahmen vom Boden aus.
Mit den Longfront-Bagger ging es ab Januar 2026 schnell voran.
Mit den Longfront-Bagger ging es ab Januar 2026 schnell voran.
Ende März ist nur noch ein kleines Stück von dem Gebäude übrig.
Ende März ist nur noch ein kleines Stück von dem Gebäude übrig.
Bis zum Sommer wird das Center dem Erdboden gleich gemacht.
Bis zum Sommer wird das Center dem Erdboden gleich gemacht.
50 Jahre nach dem Beschluss zum Bau ist das Rathaus-Center Geschichte.
50 Jahre nach dem Beschluss zum Bau ist das Rathaus-Center Geschichte.

Foto 1 von 27

Ende Januar 2026 hat ein sogenannter Longfrontbagger mit überlangem Greifarm die letzten Etagen des Hochhauses abgerissen. Bis Juli wird das ganze Rathaus-Center verschwunden sein – gut 50 Jahre nach dem Baubeschluss. Das nächste „Jahrhundertprojekt“ steht dann an: Der Abriss der Hochstraße Nord und der Bau der ebenerdigen Helmut-Kohl-Allee als Ersatz. Mit der neuen Verkehrsinfrastruktur und dem 39 Hektar großen, neuen Stadtviertel „City West“ will sich Ludwigshafen einmal mehr neu erfinden.

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