Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Das bedeutet der Klinikum-Deal für Stadt, Patienten und Personal

Knapp 4500 Mitarbeiter sind am Mannheimer Universitätsklinikum beschäftigt.
Knapp 4500 Mitarbeiter sind am Mannheimer Universitätsklinikum beschäftigt.

Ein Verhandlungsmarathon mit vielen Hürden ist beendet. 2026 startet der Klinikverbund Heidelberg/Mannheim. Es ging um Geld, Posten – und die Patienten.

Die Universitätskliniken in Heidelberg und Mannheim bilden im kommenden Jahr einen Verbund. Was sind die Kernpunkte des Deals zwischen dem Land Baden-Württemberg und der Stadt Mannheim?
Dieses Modell sieht vor, dass beide Krankenhäuser auf medizinischer, wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Ebene sehr eng kooperieren, ohne ihr eigenständiges Profil zu verlieren. Die Forschungs-, insbesondere aber auch die so wichtigen Ausbildungskapazitäten des Uniklinikums Mannheim gelten für das Land als unverzichtbar. Als Maximalversorger soll dem Krankenhaus in Sachen Patientenversorgung in der Region weiterhin eine wichtige Rolle zukommen. Dennoch wird die Mannheimer Universitätsmedizin künftig nur noch eine Außenstelle der Heidelberger sein – mit dem Namenszusatz „Campus Mannheim“.

Wie ist die Heidelberger Führungsrolle formal geregelt?
Das Land ist in Mannheim ab 1. Januar 2026 Herr im Haus und muss in den kommenden Jahren auch für die weiterhin erwarteten Defizite des Krankenhauses geradestehen. Die Heidelberger Uniklinik als Tochter des Landes Baden-Württemberg soll 89,9 Prozent der Anteile der Mannheimer Universitätsmedizin übernehmen. Der Rest der Anteile verbleibt bei der Stadt Mannheim. Die strategische Führung des Verbunds übernimmt Heidelberg. Bislang war das Klinikum eine städtische Tochter – nach MVV und Wohnungsbaugesellschaft die drittgrößte –, das Land nur über die medizinische Fakultät in Mannheim beteiligt. Diese bundesweit einmalige Konstruktion gehört nun bald der Vergangenheit an.

Was ist der Hintergrund des neuen Modells?

Die Stadt Mannheim geriet mit ihrem Klinikum zunehmend an die Grenzen ihrer finanziellen Belastbarkeit, war immer wieder auf finanzielle Unterstützung des Landes angewiesen, um den laufenden Betrieb des defizitären Hauses sicherzustellen. „Die Stadt hat in den vergangenen zehn Jahren rund eine Viertelmilliarde Euro für das Universitätsklinikum aufgebracht“, sagt Oberbürgermeister Christian Specht (CDU). Vor dem Hintergrund einer Haushaltssituation, die sich massiv verschlechtert hat, ist in Mannheim die Erleichterung über den Beschluss aus Stuttgart groß. Mit dem Verbund soll bis 2036 voraussichtlich mehr als eine Milliarde Euro an Landesmitteln nach Mannheim fließen. Bis zu 500 Millionen Euro sind für die Defizite im laufenden Betrieb des Klinikums vorgesehen. Und dann ist da noch die Förderung für die sogenannte Neue Mitte, das riesige Neubauprojekt im Herzen des Geländes am Mannheimer Neckar. Petra Olschowski (Grüne), Wissenschaftsministerin in Baden-Württemberg, geht davon aus, dass die Kliniken in Mannheim und Heidelberg in rund zehn Jahren schwarze Zahlen schreiben werden.

Was steckt hinter dem Projekt „Neue Mitte“?
Dabei handelt es sich um ein Riesenprojekt. In zwei Bauabschnitten sollen auf dem Campus in den kommenden zehn Jahren drei große achtstöckige Häuser entstehen, die miteinander verbunden den zukünftigen Kern des Krankenhauses bilden werden. Ein Neubau, in dem Ambulanzen, Funktionsbereiche, OP-Säle und Stationen gezielt so angeordnet werden, dass die medizinischen Abläufe und die interdisziplinäre Zusammenarbeit auf kurzen Wegen möglich sind. Patienten und Mitarbeiter sollen davon gleichermaßen profitieren. Denn noch sind die Wege in den verschachtelten Klinikgebäuden mit ihren oft endlosen Gängen sehr weit. Es dürfte kaum einen Besucher geben, der sich dort nicht schon einmal verlaufen hat. „Vor 100 Jahren hat man so gebaut“, sagt OB Specht.

Welche Kosten kommen bei dem Neubau noch auf die Stadt zu?
Laut Oberbürgermeister Specht muss sich die Stadt mit insgesamt 205 Millionen Euro an der „Neuen Mitte“ beteiligen. Das Geld soll in Raten fließen. Die Stadt muss dafür weitere Schulden aufnehmen. Mit den Defiziten im laufenden Betrieb hat die Stadt dagegen nichts mehr zu tun. Zudem soll die Stadt die Infrastruktur rund um das Krankenhaus verbessern, zum Beispiel mit einem zusätzlichen Parkhaus.

Werden in Mannheim Abteilungen geschlossen?
Nein. Das Klinikum soll Maximalversorger bleiben, die Schließung von Hauptabteilungen oder Kliniken ist nicht vorgesehen. Das hat auch Oberbürgermeister Specht noch einmal betont.

Die Uniklinik Heidelberg gehört dem Land.
Die Uniklinik Heidelberg gehört dem Land.

Sind am Klinikum Entlassungen geplant?
Zwar ist beim Land immer wieder von Synergie-Effekten die Rede. Laut OB Specht soll es aber keine betriebsbedingten Entlassungen geben. Dass ein Mitarbeiter künftig an einem anderen Standort eingesetzt wird, ist allerdings möglich.

Was passiert mit den Gebäuden?
Alle Immobilien auf dem Klinikum-Campus gehen ins Eigentum des Landes über. Das gilt auch für Grundstücke im Wert von etwa sieben Millionen Euro auf der Schafweide in Neckarstadt-Ost, wo neue Forschungsbauten entstehen sollen.

Hauptabteilungen oder Kliniken sollen in Mannheim nicht geschlossen werden.
Hauptabteilungen oder Kliniken sollen in Mannheim nicht geschlossen werden.

Wie ist die Führungsebene des Klinikverbunds organisiert?
Vereinbart wurde, dass ein CEO, der weder aus Mannheim noch aus Heidelberg kommt, Kopf des Vorstands wird. Die Verzahnung mit der Mannheimer Klinik wird so garantiert, dass die Person dort gleichzeitig Aufsichtsratschef wird. An der Spitze in Mannheim werden weiterhin ein Kaufmännischer und ein Medizinischer Geschäftsführer stehen. Der Vorstand Medizin soll den operativen Klinikbetrieb beider Universitätskliniken verantworten.

Wie steht der Verbund im nationalen Vergleich da?
Die Verbundlösung wird als Chance gesehen, zu den Topkliniken in Berlin und München weiter aufzuschließen. Die beiden Medizinischen Fakultäten sollen bis zum 1. Januar 2027 fusionieren – sie gilt dann mit mehr als 5000 Studenten als eine der größten ihrer Art in Deutschland.

Ist das Verhandlungsergebnis für die Stadt Mannheim ein Erfolg?
Absolut. Was die Finanzen des Klinikums betrifft, ist der Tanz auf Messers Schneide beendet. Zwar hat die Stadt Mannheim mit ihren bald nur noch 10,1 Prozent Anteilen am Klinikum auf gut Deutsch nichts mehr zu sagen, aber eben auch für das laufende Geschäft nichts mehr zu bezahlen. Fünf Jahre hat die Suche nach einer Lösung gedauert. Sogar kartellrechtliche Bedenken mussten ausgeräumt werden. Oberbürgermeister Specht war im Gemeinderat am Dienstagabend die Erleichterung anzusehen, dass die zähen Verhandlungen ein aus Mannheimer Sicht gutes Ende genommen haben.

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