Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer JU-Vorsitzender will Lust auf Politik machen

In prominenter Gesellschaft: JU-Vorsitzender Ioannis Samoladas.
In prominenter Gesellschaft: JU-Vorsitzender Ioannis Samoladas.

Ioannis Samoladas ist einstimmig zum neuen Vorsitzenden der Jungen Union gewählt worden. Die CDU-Nachwuchsorganisation wurde vor 75 Jahren gegründetn. Wie der Jungspund die alte Tante auf Trab bringen will, darüber hat sich der 22-Jährige mit Andreas Lang unterhalten.

Herr Samoladas, Sie haben sich hier in der CDU-Geschäftsstelle neben eine Büste von Helmut Kohl gesetzt. Haben Sie ihn noch persönlich kennengelernt?
Leider nein. Aber ich habe Hochachtung vor seinem Lebenswerk.

Was verbinden Sie mit seinem Namen?
Helmut Kohl war ein Macher. Er hat es geschafft, zwei Völker zusammenzuführen, die vor der deutschen Teilung ein gemeinsames Volk waren. Dass er die Wiedervereinigung ohne Blutvergießen gemanagt hat, bleibt sein historisches Verdienst.

Für die Generation vor Ihnen war er gefühlt der ewige Kanzler. Ging es Ihnen so mit Angela Merkel, die ja fast genauso lange an der Spitze der Bundesregierung stand?
Das gibt einem jedenfalls ein Gefühl von der Dimension. Manche, die während Merkels Amtszeit angefangen haben, politisch zu denken, waren ja der irrigen Annahme, dass das Amt der Bundeskanzlerin synonym mit ihrem Namen verknüpft ist (lacht). Am stärksten geprägt haben mich aber weder sie noch Helmut Kohl.

Sondern?
Ludwig Erhard.

Der zweite Kanzler der Bundesrepublik – an den erinnern Sie sich? Warum?
Weil er ein visionärer Wirtschaftsminister war und der Bundesrepublik das Wirtschaftswunder beschert hat. Als Bundeskanzler hat er nie wieder so gut performt. Das zeigt mir, dass man sich auf seine Stärken besinnen soll.

JU’ler gratulieren Helmut Kohl in Oggersheim zum 80. Geburtstag.
JU’ler gratulieren Helmut Kohl in Oggersheim zum 80. Geburtstag.

Und welcher CDU-Politiker ist Ihnen aus der Tagespolitik ein Vorbild?
Friedrich Merz, der wie Phoenix aus der Asche zurückgekehrt ist. Er hat die Wahlniederlage bei der Bundestagswahl souverän weggesteckt und leistet eine beeindruckende Oppositionsarbeit.

Und gehört zu der Männerriege, die Angela Merkel konsequent weggebissen hat. Heißt das im Umkehrschluss, dass Sie mit ihrem politischen Erbe hadern?
Angela Merkel gehört zu meinen Lieblingskanzlerinnen.

Ausstieg aus der Atomkraft, Abschaffung der Wehrpflicht, Ehe für alle, North Stream 2 – tragen Sie ihren Modernisierungskurs mit? Nimmt Ihre Generation das Erbe an?
Sie hat die Partei in die richtige Richtung bewegt, heraus aus dem konservativen Milieu. Und mit Friedrich Merz besinnen wir uns wieder auf unsere Wurzeln. Er verbindet die Anforderungen der Moderne mit den konservativen Werten der Volkspartei CDU. Diese Mischung macht’s.

Wie haben Sie ins politische Geschäft gefunden?
Ich empfinde mich als politischen Menschen. Ich war in der Anne-Frank-Realschule in der Politik-AG, habe danach in der Oberstufe der IGS Edigheim Sozialkunde als Leistungskurs gewählt. 2017 bin ich nach einem Vergleich der Parteiprogramme zur Bundestagswahl bewusst und überzeugt in die CDU eingetreten.

Und wollten dort bewusst nicht als Karteileiche geführt werden?
Genau. Ich bin auf Einladung des damaligen Vorsitzenden Jan Ehrhart rasch zur JU gestoßen, habe dort das Amt des Kreisgeschäftsführers übernommen. Als klar war, dass seine berufliche Belastung es ihm nicht mehr erlaubt, dieses Ehrenamt weiter auszuüben, habe ich mich zur Kandidatur bereiterklärt.

Mit welcher Motivation?
Mit der Lust, Kommunalpolitik zu gestalten und frühzeitig die Weichen zu stellen für die Kommunalwahl 2024.

Da machen Sie sich frühzeitig an die Arbeit.
Ja, aber dafür muss ja auch Überzeugungsarbeit geleistet werden. Unter den rund 150 JU-Mitgliedern finden sich eine Menge Kandidatinnen und Kandidaten für den Stadtrat und die Ortsbeiräte, von denen ich weiß, dass sie’s können. Die gilt es zu platzieren.

Tatsächlich auch Kandidatinnen?
Ja. Die JU mag auch eher männerlastig sein, aber wir haben genügend engagierte Frauen.

Sind Sie für eine Senkung des Wahlalters auf 16?
Nein. Eine Wahlentscheidung sollte bewusst getroffen werden, und dafür braucht es eine gewisse Reife. Das bedeutet ja nicht, dass man sich als 16-Jähriger nicht bereits politisch engagieren kann.

In Ihrer Antrittsrede haben Sie angekündigt, die Jugendkultur in der Stadt beleben zu wollen, erst recht nach der pandemiebedingten Zwangspause. Wie?
Indem ich aufzeigen will, wie lebendig es sich als Jugendlicher in Ludwigshafen lebt und dass man nicht reflexartig nach Mannheim flüchten muss, um Spaß zu haben. Natürlich profitieren wir von dem vielseitigen Angebot in der Metropolregion. Aber Ludwigshafen ist ein Teil davon.

Eine Jungorganisation will oft auch Stachel im Fleisch sein. Wie ist Ihr Verhältnis zur Mutterpartei?
Wir haben in gutes Verhältnis zum Kreisvorstand und zur Fraktion, werden nach unseren Ansichten gefragt. Wir werden nicht nur gehört, wir werden auch ernstgenommen. Wenn sich das auch in der Platzierung unserer Kandidaten auf den Listen für die Kommunalwahlen ausdrückt, habe ich ein wichtiges Ziel meiner Amtszeit erreicht.

Der dann eine weitere folgen soll?
Das werden wir sehen. Jetzt legen wir erst mal los. Konstituierende Sitzung des Vorstands ist Mitte Juli.

Zur Person

Ioannis Samoladas (22) ist in Ludwigshafen geboren worden und im Hemshof aufgewachsen. Nach der Mittleren Reife an der Anne-Frank-Realschule Plus und dem Abitur an der Integrierten Gesamtschule in Edigheim studiert er im vierten Semester Politikwissenschaften und Öffentliches Recht an der Universität Trier. Er ist Mitglied im Kulturausschuss und stellvertretender Fraktionssprecher der CDU im Beirat für Migration und Integration. Ehrenamtlich engagiert er sich in der griechisch-orthodoxen Gemeinde. Seine neue Funktion als JU-Vorsitzender ist für Samoladas „mehr als nur ein Hobby“.

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