Ludwigshafen
Roboter auf dem Reiterhof: Ludwigshafener Betrieb bringt Forschung voran
Unter einer Plane versteckt in einer sandigen Reithalle schlummert „Ara“, der „autonome Reiterhof-Assistent“. Das knapp drei Meter lange und nicht einmal hüfthohe Kettenfahrzeug wurde vom Fraunhofer Institut in Stuttgart entwickelt und gebaut – doch sein Arbeitsplatz ist auf dem Leuchtfeuerhof in Ruchheim, Ludwigshafens westlichsten Stadtteil.
Dort erledigt er bisher eine Arbeit: das Abziehen des überdachten Reitplatzes. Der ist mit Sandboden ausgestattet und muss einmal am Tag, zumindest bevor am morgen wieder geritten wird, gleichmäßig flachgemacht werden. Im Prinzip so, wie man einen Sandplatz rechen würde – nur eben viel größer. Und das macht der Ara ganz von selbst. Einmal eingeschaltet bewegt er sich in Kreisen durch die ganze Halle und zieht dabei eine Trommel hinter sich her, die den Sand akkurat einebnet.
„Wall-E“ spart wichtige Zeit
Mitinhaberin Jaqueline Orth ist mit der Arbeit des kleinen Roboters, den sie auf dem Hof nach dem Filmcharakter „Wall-E“ getauft haben, vollauf zufrieden. „Er macht das so gleichmäßig, wie das kein Mensch mit dem Traktor machen könnte. Man muss ihn nicht auftanken, er bringt keine Abgase in die Halle und er ist auch nicht so schwer, dass er den Boden verdichtet. Und man kann ihn einfach seine Arbeit machen lassen und muss keinen Mitarbeiter dafür früh morgens herschicken und bezahlen“, sagt Orth. Knapp eine halbe Stunde je Einebnung spare man dank der Technik.
Der Roboter ist dabei kein Eigenbau des Hofes. Doch der Betrieb nimmt trotzdem eine wichtige Rolle in der Entwicklung ein. Denn seinen Anfang nahm alles mit Frank Orth, Jaqueline Orths Ehemann und zweiter Inhaber des Leuchtfeuerhofs. Der sei schon 2024 auf der Suche nach einer Lösung für das Einebnen gewesen – denn die Traktoren, mit denen das üblicherweise gemacht wird, seien für die Aufgabe eigentlich zu viel des Guten, sagt Kevin Bregler. Er leitet die Forschungsgruppe „Navigation mobile Roboter“ am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Stuttgart. Bei ihm landete Orth schlussendlich und die Kooperation begann.
Hersteller schon mit an Bord
Denn beim IPA hätte man schon auf eine solide Basis, was zum Beispiel Antrieb und Navigation angeht, zurückgreifen können, sagt Bregler. Deswegen hat es auch nicht lange gedauert, bis auf dem Leuchtfeuerhof automatisiert in der Reithalle gefahren wurde: Schon nach wenigen Monaten war der „Ara“ vor Ort. In anderen Bereichen der Agrarwirtschaft gebe es schon mehr Roboter, sagt Bregler, doch die Pferdewirtschaft sei eine kleine Nische, in der der Fortschritt meist langsamer vorangehe. „Das ist im Prinzip nicht so anders wie ein Mähroboter“, erklärt Bregler. Denn der Roboter fahre eine feste Strecke in einem bekannten Gebiet ab. „Nur das Drumherum ist das Schwierige.“
Drumherum heißt: Sicherheitszertifizierungen, genügend Sensoren – und das Zubehör: „Für Traktoren gibt es schon solche Geräte zum Einrechen. Aber der Anschluss wäre viel zu groß für unseren Roboter.“ Doch auch dafür konnte man schlussendlich eine Lösung finden und entwarf schlichtweg eine eigene Aufnahme. Einige namhafte Partner für Zubehör habe man auch schon finden können, sagt Bregler, zum Beispiel die Firma Rampelmann & Spliethoff, die viel im Bereich Reitplatzpflege tätig ist, oder die Maschinenbaufirma Tuchel.
Roboter soll in Produktion gehen
Mit vielem könne man schon zufrieden sein, die Sensoren zum Beispiel funktionierten bislang einwandfrei. Bregler macht es vor und stellt sich dem Roboter in den Weg. Der hält an – dank Laser-Messgerät. Für den Notfall gäbe es auch noch einen Keil am Vorderteil, der das Gerät bei Berührung abschaltet. Einiges anderes hingegen soll noch kommen. Zum Beispiel die Fähigkeit, dass der Roboter selbstständig mehrere Reitplätze betreut und von selbst das Zubehör wechselt. Eines davon probieren Bregler und Orth an diesem Tag erstmals aus, nämlich eine Bürste, mit der der große Offenstall vom Mist gereinigt werden kann. „Wenn das klappt, dann wäre das eine große Erleichterung. Sowas kann schonmal zwei Stunden dauern“, sagt Jaqueline Orth.
Weil der Roboter es aber jetzt noch nicht selbst kann, muss Bregler selbst ran – mit einem Controller, wie man ihn von Videospielkonsolen kennt. „Der bekommt später auch noch eine richtige Fernbedienung“, sagt Bregler. So wird der Roboter, jetzt mit Bürsten-Ende, wie ein Spielzeugauto zum großen Gatter gefahren. Die Pferde sind allesamt neugierig und beschnuppern den flachen Blechkollegen. Dann legt Bregler los. Nach den ersten Metern schon stellt Jaqueline Orth fest: „Das sieht schonmal super aus!“ Dann will Bregler wenden – doch ein Pferd hat etwas dagegen und tritt mit dem Vorderhuf gegen das Fahrzeug. Danach muss sich erstmal das System neu starten.
Auch wenn noch nicht alles jetzt serienreif ist: Genug für eine Firmengründung sei das, sagt Bregler. Im Juli oder August wolle man die Firma einrichten, die künftig Geräte wie dieses verkaufen soll. Zunächst an Reiterhöfe, aber: „Weil das Gerät so klein und wendig ist, könnte man es zum Beispiel auch nachts in der Stadtreinigung einsetzen. Es gibt da großes Interesse“, sagt Bregler. Auch Orth bestätigt das: „Immer, wenn wir wo sind, kommen Leute und fragen, ob wir nicht die mit dem Roboter sind, und wie das denn so ist.“ Der Verkaufspreis steht noch nicht fest, man rechne mit grob 45.000 Euro für die Zugmaschine ohne Zubehör. Auf dem Leuchtfeuerhof soll „Wall-E“ auch nach Markteinführung weiter bleiben dürfen.