Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Forstamtsleiter: Wald hat Stress von vielen Seiten

Hitz, Trockenheit und Schädlinge setzen den Bäumen zu, hier gefährdete Weißtannenbestände im Pfälzerwald. Der neue Forstamtsleit
Hitz, Trockenheit und Schädlinge setzen den Bäumen zu, hier gefährdete Weißtannenbestände im Pfälzerwald. Der neue Forstamtsleiter nennt die Entwicklung dramatisch.

Michael Leschnig leitet jetzt das Forstamt Haardt. Holzernte ist nicht sein Kerngeschäft, sondern der Walderhalt. Wie geht das zusammen mit Mountainbikern, Brandgefahr und Windrädern? Mit Kommunikation, sagt der Förster. Er ist überzeugt: Der Wald rettet sich am besten selbst.

Der Druck auf den Pfälzerwald ist hoch: Er genießt den besonderen Schutzstatus des Biosphärenreservats, aber der Klimawandel mit Dürre und Schädlingen macht davor nicht halt, und Erholung, Tourismus und Ökologie sind nicht leicht unter einen Hut zu bringen. Für Michael Leschnig, den neuen Leiter des Forstamts Haardt, gibt es viele berechtigte Erwartungen an den Wald. Er muss sie austarieren.

Leschnig (55) ist der Nachfolger von Ulrike Abel, die in den Wasgau gewechselt ist. Er sieht sich als Mann des Wortes: „Ich kommuniziere gerne.“ Das war schon eine seiner Hauptaufgaben als langjähriger Leiter des Hauses der Nachhaltigkeit in Johanniskreuz, wo er sich als „Trüffelsucher“ verstanden hat, als einer, der den Besuchern die Besonderheiten der Region nahebringt. Deutschlands vielleicht bekanntester Förster, Peter Wohlleben, ist für viele Förster im Staatsdienst ein rotes Tuch, weil er ihnen die Ausbeutung des Waldes vorwirft. Leschnig formuliert vorsichtig: Wohlleben habe es zumindest geschafft, den Wald in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu bringen. Aber auch Leschnig will andere dazu bewegen, sich nachhaltiger zu verhalten. Dabei unterstützt ihn jetzt Mario Biwer (26), der für die Öffentlichkeitsarbeit des Forstamts zuständig ist.

Kleines Lob für Wohlleben

„Holzernte steht nicht im Vordergrund“, sagt Leschnig, der seit 18 Jahren in Landau lebt, über sein neues Wirkungsfeld. Auch hier will er Themen abseits des klassischen Försterbildes vermitteln. Das Forstamts Haardt ist für 21.000 Hektar Waldfläche zuständig, davon sind nur 890 Hektar bei Eußerthal Staatswald. In seinem Bereich liegen 41 Kommunen, darunter Neustadt als größte Wald besitzende Kommune (4800 Hektar) in Rheinland-Pfalz, und Landau mit seinen 2400 Hektar Wald, und es gibt noch etliche kleine Privatwaldbesitzer. Sie alle gilt es „mitzunehmen“, denn nach einem Strategiepapier von Landesforsten ist Walderhalt das übergeordnete Ziel – auch in Zeiten der Energieknappheit.

Gut denkbar, dass das Thema der Windräder im Pfälzerwald bald wieder auf die Agenda kommt. Leschnig kann und muss das nicht entscheiden, das müsse auf Landesebene passieren. Aber ihm ist bewusst, dass der Ukrainekrieg die Lage abermals verändert hat und das strikte Nein des Bezirksverbandes Pfalz möglicherweise nicht das letzte Wort ist, insbesondere, da die Landesregierung wenige vorbelastete Stellen wie Konversionsflächen oder Ränder großer Verkehrswege als potenzielle Windrad-Standorte in Betracht gezogen hatte. „Welche Werte kommen nach oben, welche treten in den Hintergrund?“, fragt Leschnig und rechnet mit einem neuerlichen Diskussions- und Abwägungsprozess. Sicher ist er aber in einem Punkt: Man müsse sich auch Gebiete ohne Windkraft leisten, denn auch das Landschaftsbild sei ein großer Wert.

Konflikt nicht mit Verboten lösbar

Als Forstamtsleiter wird sich Leschnig auch mit den bisweilen auseinanderdriftenden Erwartungen von Wanderern und Mountainbikern auseinandersetzen müssen. Beide hätten legitime Nutzungswünsche, betont er. Mit Verboten seien Konflikte nicht zu lösen, ist der Forstamtsleiter überzeugt. Er rät, es kommunikativ zu versuchen und Mountainbikern Angebote zu machen – allerdings nur dort, wo keine übergeordneten Schutzinteressen betroffen sind. Es müsse allerdings auch Vereinbarungen darüber geben, wer eventuelle Anlagen pflegt und wer für die Verkehrssicherungspflicht geradesteht.

Dafür kommen beispielsweise die Pfalzbiker infrage, ein Zusammenschluss von Mountainbikern. Leschnig ist sich jedoch des Problems bewusst, dass das Gros der Radfahrer nicht organisiert ist und dass der Pfälzerwald auch Nutzer aus dem weiten Umkreis anzieht, die man nicht gezielt ansprechen könne. So war denn auch der Rückbau eines illegal angelegten Trails am Stabenberg bei Neustadt durch die Pfalzbiker nur von kurzer Dauer.

Wald wird nicht aufgeräumt

Wegen der hohen Energiepreise und eigenen Lieferengpässen beim Brennholz rechnet das Forstamt auch mit Holzdiebstählen. Noch sei das kein drängendes Problem, aber bei Bedarf werden Stämme wieder mit GPS-Trackern versehen, sodass man sie nachverfolgen kann.

Der Walderhalt muss im Vordergrund stehen, ist für Leschnig oberste Maxime. Er sieht die Gefahren durch Hitze, Trockenheit und Schädlinge und nennt die Entwicklung dramatisch. Trotz Waldbrandgefahr im Wald „aufräumen“ will er aber nicht. Das wird manchmal gefordert, weil die Brände hierzulande ganz überwiegend Bodenbrände sind – unterhalb des Hambacher Schlosses war es nun aber anders. Aufräumen will er zumindest nicht auf nährstoffarmen Böden, auf denen „die Bäume nicht in den Himmel wachsen“. Auch die Nutzung des Waldes müsse sich nach der Verwundbarkeit der Böden richten.

Auch als Vorbeugung gegen Waldbrände setzt Leschnig auf den Dialog, denn es seien weder Blitze noch die angeblich wie Brenngläser wirkenden Flaschenböden, sondern unvorsichtige Waldbesucher, die mit Zigaretten und offenem Feuer hantieren. Leschnig will sich darüber mit den Feuerwehrinspekteuren in seinem Zuständigkeitsbereich abstimmen.

Keine Exoten für den Wald

Ein kompletter Waldumbau ist für Leschnig keine Option. Landesforsten setzt auf die Naturwaldverjüngung plus, darauf, dass heimische Baumarten am besten an Krisen angepasst sind und auch künftig mit Hitze und Trockenheit umgehen können. Südosteuropäische Arten wie beispielsweise Buchen aus der trockeneren Schwarzmeerregion oder sogar Atlas- und Libanonzeder kämen allenfalls als punktuelle Ergänzung und nur bei wissenschaftlicher Begleitung durch die Forschungsanstalt in Trippstadt in Betracht. „Wir setzen auf die Kraft des Waldes“, sagt Leschnig.

Derzeit läuft nach seinen Angaben eine waldbauliche Erhebung, bei der Schäl- und Verbissschäden durch Wild an Jungbäumen aufgenommen werden, die die Naturverjüngung stören. Mit diesem wissenschaftlich abgesicherten Verfahren könnten der Gefährdungsgrad ermittelt und Abschusspläne erstellt, beziehungsweise angepasst werden.

Mario Biwer (links) und Michael Leschnig werben für einen behutsamen Umgang mit der Natur.
Mario Biwer (links) und Michael Leschnig werben für einen behutsamen Umgang mit der Natur.
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