Neustadt
Pfalzbiker bauen illegalen Mountainbike-Weg zurück
Sechs Mountainbiker des Vereins Pfalzbiker sind diesmal zu Fuß, also ohne ihre Sportgeräte im Pfälzerwald bei Gimmeldingen unterwegs. Statt ihrer Räder haben sie Arbeitshandschuhe, Harken und Hacken dabei. Ihr Ziel: ein illegal angelegter Trail am Stabenberg. „Im März haben wir den oberen Teil zurückgebaut, der in der Kernzone des Biosphärenreservats Pfälzerwald liegt“, erzählt Michael Fliehmann, Pressewart sowie Tourenguide des Vereins. Der Teil des Trails im unteren Bereich liege in einem Vogelschutzgebiet.
Der vordere Teil des Haardtrandes sei Vogelschutzgebiet, ergänzt Mario Biwer, Mitarbeiter und Produktleiter für Waldinformation, Umweltbildung und Walderlebnis des Forstamts Haardt in Landau. Der Ziegenmelker, ein Bodenbrüter, sowie diverse Spechtarten seien hier zu Hause, in felsigen Regionen auch Falken. Biwer begleitet die Sportler bei ihrem Vorhaben, illegal angelegte Mountainbikepfade zurückzubauen.
Rückschlag im März
Beim Arbeitseinsatz im März seien es 25 bis 30 Biker gewesen, weiß er noch. Damals hätten sie von oben begonnen, den Trail zu renaturieren. „Wir haben am Freitag gearbeitet, und am Sonntag haben uns schon erste Fotos erreicht, dass dort wieder eine Strecke angelegt worden ist“, erzählt Biwer von einem Rückschlag im Frühjahr. Der Forstamtsmitarbeiter ist dennoch froh über das Engagement der Pfalzbiker, „denn sie sind die einzigen organisierten Ansprechpartner für uns“. Und in den Corona-Lockdowns habe das Forstamt viele Rückmeldungen bekommen, dass Mountainbike-Strecken illegal im Wald angelegt worden seien. „Hier waren während Corona ganze Reisegruppen unterwegs“, erzählt Michael Fliehmann. Am Stabenberg habe er Biker gesehen, die „mit Musik auf dem Rucksack“ gefahren seien. Einer verbreite zum Beispiel auf Strava, einem sozialen Netzwerk zum Tracking von Radtouren, Läufen oder Wanderungen, wie toll dieser Pfad bei Gimmeldingen sei. Und schon kämen immer mehr Sportler vorbei. „Die Trails am Stabenberg sind die bekanntesten im Pfälzerwald“, weiß Fliehmann. „Hier sind sogar schon Mountainbike-Magazine gewesen und haben Räder getestet.“
Die Mountainbiker beginnen diesmal unten und arbeiten sich nach oben vor: Sie hacken den Boden locker und harken zur Seite gefahrenen Humus in die schmale Rinne. „Und dann legen wir sie mit Totholz zu“, sagt Alexander. Vom Totholz gibt es genug entlang des Trails, der nun ziemlich schnell immer kürzer wird. Nach gut drei Stunden ist die Arbeit erledigt.
Legale Strecken
In Rheinland-Pfalz sei das Radfahren im Wald nur auf Forstwegen und -straßen erlaubt, betont Biwer. Indem Strecken legal angelegt würden, hoffe der Forst, die Situation zu entspannen. Die Idee sei, einige vorhandene Wege vorrangig für Mountainbiker freizugeben. Am Föhrlenberg bei Leinsweiler solle eine legale Strecke eingerichtet werden. Die Pfalzbiker, sagt Fliehmann, helfen, sie für Mountainbiker zu optimieren. „Viele Gemeinden besitzen Wald – jede einzelne Gemeinde muss dann für ihren Bereich einen Gestattungsvertrag erstellen“, erklärt Biwer ein zeitintensives Problem beim Einrichten dieser Strecken. „Es wäre eine gute Symbiose, wenn der Pfälzerwald-Verein eine Mountainbike-Abteilung hätte“, sagt er mit Blick auf die Pflege der Wege. Fliehmann entgegnet, dass dies schon vor 15 Jahren möglich gewesen wäre, doch der PWV habe dies damals nicht gewollt. „Mittlerweile sieht das anders aus“, sagt er. „Die Kooperation von Pfalzbikern und Pfälzerwald-Verein wird sich ausbreiten.“
Der Bedarf an Angeboten für Mountainbiker ist groß: Jenny, ebenfalls als „Raddiesel“ bekannt, sagt, dass es auch Angebote für die abfahrtorientierte Szene brauche und nicht nur für Tourenfahrer. Alexander betont, dass es in Deutschland mehr Radfahrer als Fußballer gebe. Aber offensichtlich gibt es auch viele, die Radsportler im Wald nicht akzeptieren wollen. Er wisse von Bikern, „die schon verprügelt worden sind“. Fliehmann erzählt außerdem von Drahtseilen und Nagelbrettern im Wald.
Ein Helmstück
Die Pfalzbiker arbeiten am Stabenberg, „bis wir fertig sind“. Während Marcus Felski Humus auf den Pfad recht, entdeckt er an einem Steilstück etwas, das nicht in den Wald gehört: „Ein Stück Helm – da hat’s wohl jemanden hingelegt.“ Er steckt das Stück Kunststoff in die Hosentasche. Während Meter für Meter der ehemalige Trail verschwindet, gesteht Alexander: „Da blutet einem schon das Mountainbike-Herz.“ Doch er lacht und legt noch mehr Totholz in die Strecke. „Wir unterstützen die Natur“, erklärt Michael Fliehmann. Die hole sich nun relativ schnell ihr Gelände wieder zurück. In Buchen- und Eichenwäldern allerdings deutlich schneller als unter Nadelbäumen.
„Ich könnte mir vorstellen, dass diese Strecke irgendwann wieder freigelegt wird – weil viele damit nicht einverstanden sind“, sagt Marcus Felski, während er sich das schweißtreibende Tagwerk der Pfalzbiker anschaut. „Aber für uns steht das legale Angebot im Vordergrund“, betont Jenny. Sie und Marcus Felski bauen und pflegen hauptberuflich Trails. Michael Fliehmann wünscht sich, dass diese illegal angelegte Strecke „irgendwann nicht mehr zu erkennen ist“. „Das Rückbauen der Trails geht schneller als das Anlegen“, sagt Jenny. Sie lässt sich ihren Optimismus nicht nehmen.
