Pro & Contra RHEINPFALZ Plus Artikel Wollen wir Windräder im Pfälzerwald?

Landschaftsprägend: Windräder bei Offenbach.
Landschaftsprägend: Windräder bei Offenbach.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat für einen Wahlsieg angekündigt, Windräder im Pfälzerwald zu ermöglichen, wo es wirtschaftlich und landschaftlich passt. Richtig oder falsch? Wir haben zwei Meinungen.

Pro: Was sein muss, muss sein

Von Sebastian Böckmann

Die Frage ist nicht, ob Windräder im Pfälzerwald erlaubt werden sollen, sondern nur wo und wie viele. Niemand wird sie auf der Kleinen Kalmit, im Hof des Hambacher Schlosses, neben Braut und Bräutigam bei Dahn oder ähnlich berühmten Felsformationen aufstellen. Aber Klimaschutz und Energiewende sind gesamtgesellschaftliche Aufgaben, die man nicht allein den Rheinhessen, Hunsrückern, Westerwäldern und Eifelanern hindrücken darf, weil’s bei uns in de Palz doch so schää is. Stellen Sie sich vor: Auch andere hängen an ihrer Heimat.

Niemand will den Status des Biosphärenreservats opfern, niemand plant eine Verspargelung des Pfälzerwaldes. Deshalb ist die inszenierte Schnappatmung bei den selbsternannten Hütern der Wanderhüttenromantik und Weinschorlekultur völlig deplatziert. Es fehlt eigentlich nur noch, dass auch Atomkraftwerke (natürlich nicht bei uns, wohl aber bei den anderen) als vermeintliche Klimaretter „neu gedacht“ werden sollen, wie man das in diesen Tagen leider wieder hört.

Also: Ein paar Windrad-Standorte werden sich auch im Pfälzerwald finden lassen. Dafür kommen nur Stellen neben großen Straßen infrage, die zudem nicht allzu weit vom nächsten Starkstromkabel liegen. Da sind die Kernzonen des Waldes automatisch außen vor.

Aber in den Randbereichen – ja, warum nicht auch auf dem Taubensuhl, der vor Jahren schon auf seine Eignung überprüft worden war – geht mit Sicherheit noch was, auch ohne dass davon gleich das ganze Abendland untergehen würde.

Contra: Öko-Albtraum im Pfälzerwald

Von Andreas Schlick

Man kann die Natur nicht retten, indem man sie zerstört. Dennoch will Landesmutter Malu Dreyer Windräder im Pfälzerwald ermöglichen. Natürlich nicht neben Lindelbrunn oder Trifels. Wer aber nur etwas Ahnung von diesem Wald hat, kann doch nicht so naiv sein zu glauben, es gebe viele Ecken, wo die langen Stangen keinem auffallen würden, zumal breite Schneisen für die Zufahrten in den Wald geschlagen werden müssten.

Der Pfälzerwald ist ein Solitär. Ein Erholungsgebiet für viele Menschen, das von ihnen ganz unterschiedlich genutzt wird: zum Wandern, Radfahren, Klettern. Mit seinen Hütten ist der Pfälzerwald eine einzigartige Kulturlandschaft. Er verdient Schutz – der auch von der Unesco mit der Auszeichnung Biosphärenreservat attestiert wurde. Gerade Rheinland-Pfalz lebt als Tourismusland von seinen Naturschönheiten. Windräder im Pfälzerwald wären da nur Störenfriede.

Es ist ja nicht so, als würden sich die Pfälzer der Windkraft verweigern. Ob auf der Sickinger Höhe bei Landstuhl oder dem Gollenberg bei Herxheim – an vielen Stellen stehen die stummen Riesen. Natürlich wird die Energiewende nicht funktionieren, wenn keiner sie vor eigenen Haustür angehen möchte. Es geht aber um das richtige Maß, die Abwägung von Interessen.

Gerade vor diesem Hintergrund ist das Windrad-Thema einfach zu wichtig, um es in der fiebrigen Atmosphäre eines Wahlkampfes zu diskutieren. SPD und Grüne haben die Sache aufs Tapet gebracht, um sich ihrer eigenen Wählerklientel zu vergewissern und die Reihen zu schließen. Es ist eine ideologische Showeinlage mit durchschaubarer Absicht.

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