Landau / SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Die Suche nach Alternativen zum Gas: Wie kriegt man die Bude warm?

Brennholz ist heiß begehrt, aber rar und teuer.
Brennholz ist heiß begehrt, aber rar und teuer.

Putins Krieg wirbelt den gesamten Wärmemarkt durcheinander. Im Hochsommer werden alternative Heizmethoden und Zusatzheizungen nachgefragt wie nie. Schnelle Lösungen gibt es nicht, es fehlt an allen Ecken und Enden. Das Lagebild lässt einen frösteln.

Die explodierenden Preise auf dem Energiemarkt bescheren Unternehmen, die alternative Heizungen und Heizstoffe anbieten, derzeit einen wahren Nachfrageboom. Elektroheizer, Holz oder Pellets sind im Baumarkt vergriffen. Die Auftragsbücher der Handwerker sind voll, die Wartezeiten lang. Denn zu Energiekrise und Fachkräftemangel kommen erschwerend noch Lieferprobleme hinzu. „Auf eine Wärmepumpe wartet man aktuell - je nach Typ - vier bis zwölf Monate“, berichtet Heizungsbauer Axel Pfalzer aus Impflingen.

Der Grund: Viele Hersteller weltweit mussten wegen der Pandemie ihre Produktion zeitweise drosseln oder sogar ganz einstellen. Davon betroffen sind zahlreiche Wirtschaftssektoren – von Elektronikzulieferern bis zu Stahlerzeugern. Viele Fabriken konnten deshalb ihre Lieferpläne oftmals nicht einhalten. Außerdem sorgen pandemiebedingte Schließungen wichtiger Handelshäfen sowie Fachkräftemangel in der Transportbranche für eine Unterbrechung der Lieferkette. Die Folge: Häfen wie aktuell etwa in Shanghai sind überlastet, sodass sich die Abfertigung der Containerschiffe verzögert. Weiterhin fehlen in Deutschland die Transportkapazitäten im LKW-Bereich.

Wärmepumpen nicht schnell lieferbar

„Mich erreichen täglich Anrufe oder E-Mails von Kunden, die sich sorgen, dass es irgendwann kein Gas mehr gibt, oder dass sie ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können. Die Leute suchen Rat, welche Alternativen sie auf die Schnelle zu Gas oder Öl bekommen“, erzählt Pfalzer, der einen Betrieb für Heizung, Sanitär und Solar betreibt. Die Nachfrage nach Wärmepumpen sei deutlich gestiegen. Einige wollen jetzt schnell umrüsten. Aber schnell, so Pfalzer, gehe zurzeit gar nichts. „Ich kann aktuell noch nicht einmal Angebote erstellen, da die Preise seriös nur zwei bis drei Wochen vorausgesagt werden können.“

So plane einer seiner Kunden für nächstes Jahr den Einbau einer Wärmepumpe. Aber der Heizungsbauer kann ihm weder Kosten nennen, noch Lieferdaten garantieren. „Zu normalen Zeiten betrug die maximale Lieferzeit eine Woche“, erklärt Pfalzer. Jetzt erfolgten Lieferungen meist spontan. „Der LKW fährt vor und hat entweder die gewünschte Einheit dabei oder nicht“, sagt er.

Die Lieferkette klappt nicht mehr

Anfang des Jahres hat er bei einem großen deutschen Hersteller, der in Schweden produziert, eine Wärmepumpe abgerufen. Die Inneneinheit kam im April, die Außeneinheit aber erst vor ein paar Tagen. „Meine Kunden wohnen inzwischen schon in ihrem Haus. Die Warmwasserversorgung konnten wir mittels Heizstab sicherstellen. Und zum Glück ist es Sommer. Im Winter wäre das wirklich zum Problem geworden“, berichtet Pfalzer. Sein Hersteller liefere inzwischen nach Dringlichkeit aus. „Im genannten Fall stand ich letztendlich ganz oben auf Liste. Und dann stand vor einer Woche plötzlich der LKW vor meinem Lager“, sagt der Heizungsbauer.

Bei der Baumarktkette Hornbach mit Sitz in Bornheim merkt man die Auswirkungen der Energiekrise an allen Ecken und Enden. Wie zu Beginn der Corona-Pandemie Klopapier und Nudeln gehortet wurden, gibt es jetzt Brennstoff-Hamsterkäufe. Bereits seit November sei die Nachfrage nach Brennstoffen aller Art – Holz, Gas, Pellets, Braunkohle – gestiegen, aber auch nach Kaminöfen und anderen Heizmöglichkeiten, berichtet Hornbach-Sprecher Florian Preuß. Die Kunden wollten, wie in Gesprächen immer wieder herauszuhören sei, autark und für den Notfall gewappnet sein, berichtet Preuß.

Frische Ware sofort ausverkauft

Jetzt ist Hochsommer, eigentlich Nebensaison für Heizgeräte und -materialien. „Trotzdem verzeichnen wir eine deutlich höhere Nachfrage“, so Preuß. Mit der Ausrufung der zweiten Stufe des Notfallplans Gas vor gut einem Monat habe es einen regelrechten Ansturm gegeben. „Den stärksten Anstieg haben wir bei Pellets erlebt. Hier liegt die Nachfrage seit Januar 100 Prozent über dem Vorjahr.“ Bei Kaminholz, Braunkohle und Holzbriketts verzeichnet Hornbach ein Nachfrageplus von 35 bis 55 Prozent. Die Märkte bestellten nach und erhielten auch Brennstoffe. Allerdings gebe es vielerorts Reservierungen, sodass die neu eingetroffene Ware schnell wieder weg sei.

Der Bornheimer Hornbach-Markt, bei dem Kunden seit 2019 waldfrisches Brennholz aus der Region kaufen können, berichtet: „Wir leben in gewisser Weise von der Hand in den Mund.“ In der vergangenen Woche gingen 21 Paletten Brennholz ein, aber die Bestellungen kamen im Minutentakt, sodass schnell wieder alles weg war. Auch die Preise haben angezogen. Die Holzscheite kosten 70 Prozent mehr als im Juli 2021 – und das, obwohl Hornbach die gestiegenen Kosten für Einkauf, Transport und Lagerung nicht im gleichen Umfang an die Kunden weitergebe. Denn die Preisführerschaft bleibe das wichtigste Ziel, stellt Preuß klar.

Brennholz wird rationiert

Die Menschen bevorrateten sich aber auch mit Gas in Flaschen, es habe einen Run auf Gaskocher und Kartuschen gegeben. Zeitweise seien Notstromaggregate stark gefragt gewesen. Auch bei elektrischen Heizungen, Konvektoren und Heizlüftern verzeichnet Hornbach eine nahezu verdoppelte Nachfrage im Vergleich zum Vorjahr. „Wir haben in den letzten zehn Tagen – mitten im Hochsommer – weit über 100 Heizgeräte verkauft“, ist man im Bornheimer Markt noch immer von der Entwicklung überrollt.

Auch das Forstamt Haardt in Landau kommt beim Brennholz nicht mehr nach und ist damit kein Einzelfall. Der übergeordnete Landesbetrieb Landesforsten hat daher eine Brennholzstrategie für den Staatswald erstellt. Diese ist zwar nicht bindend für kommunale Waldbesitzer, aber sie orientieren sich zumeist daran. Die Nachfrage nach Brennholz sei bereits extrem hoch und komme vereinzelt sogar aus dem Raum Frankfurt, berichtet Michael Leschnig, der neue Forstamtsleiter. „Wir sind im Prinzip ausverkauft und können erst ab September wieder Bestellungen annehmen.“

Liefermengen sind gedeckelt

Dabei gibt es einen Haken: Das dann angebotene Brennholz ist noch zu feucht, um es schon in der Heizsaison 2022/23 zu verfeuern. Frisches Holz muss zwei Sommer lang lagern. Trotzdem will das Forstamt reagieren und befristet eine etwas erhöhte Menge Brennholz bereitstellen, ohne allerdings den Wald auszuplündern.

Weil die Nachfrage höchstwahrscheinlich das Angebot übersteigt, sollen Endverbraucher stärker berücksichtigt werden. Die Höchstmenge pro Endverbraucher ist auf 20 Festmeter (Kubikmeter) beschränkt, damit möglichst viele Kunden versorgt werden können. Gewerbliche Bestandskunden sollen mindestens in Höhe der Vorjahre beliefert werden. Auch der Preis ist gestaffelt: Bis zehn Festmeter gilt ein geringerer Preis als darüber. Für Buche liegt er derzeit je nach Menge bei rund 70 beziehungsweise 75 Euro je Festmeter. Nadelholz liegt aufgrund seines etwas geringeren Brennwerts etwa 20 Euro unterhalb dieser Preise. Doch der Markt sei sehr dynamisch, Preisänderungen seien wahrscheinlich, so Leschnig.

Pellets werden fast in Gold aufgewogen

Wem das sehr günstig vorkommt, muss allerdings bedenken, dass es sich um Strammholz handelt, das man selbst am Waldweg abholen, sägen und spalten muss. Ein Festmeter ergibt 1,4 Ster Brennholz.

Wer Pellets nicht für den Zusatzkamin sackweise kauft, sondern damit eine Zentralheizung betreibt, zittert derzeit: Sofort liefern können die wenigen Händler in der Region nicht, bestenfalls nehmen sie Kunden auf eine Warteliste, verbunden mit der Aussage, dass der Preis erst kurzfristig genannt werden kann. Derzeit liegt er laut dem Vergleichsportal Holzpellets24.de bei knapp 700 Euro die Tonne, was 245 Euro mehr sind als vor einem Monat und mehr als doppelt so viel wie vor einem Jahr. Kleiner Trost: Der Preis pro Kilowattstunde liegt trotzdem noch etwa ein Drittel unter dem von Öl und Gas. Eine Tonne Pellets entspricht dem Heizwert von etwa 500 Litern Öl.

Wärmepumpen haben lange Lieferzeiten.
Wärmepumpen haben lange Lieferzeiten.
Auch bei Pellets sind die Preise explodiert.
Auch bei Pellets sind die Preise explodiert.
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