Blickpunkt RHEINPFALZ Plus Artikel „Jungpflanzen werden abgefressen“

Äsungsflächen sind das „Esszimmer des Rotwilds“, sagt Reinhard Adam von der Rotwildhegegemeinschaft, hier mit Hund Quinn.
Äsungsflächen sind das »Esszimmer des Rotwilds«, sagt Reinhard Adam von der Rotwildhegegemeinschaft, hier mit Hund Quinn.

Um den Wald fit zu machen für den Klimawandel, müssen frisch gepflanzte Bäume geschützt werden. Das Umweltministerium hat deshalb ein neues Bejagungskonzept entwickelt. Dieses entspricht weitgehend der Strategie der Rotwildhegegemeinschaft Pfälzerwald Süd. Dennoch gibt es Kritik am Ministerium.

Bereits vor fünf Jahren hat die Rotwildhegegemeinschaft Pfälzerwald Süd ein Lebensraumgutachten erstellt. Dabei ging es um die Lage von Wald und Wild, und wie darauf in der Jagd reagiert werden soll. Jetzt hat das rheinland-pfälzische Umweltministerium das Strategiepapier Waldumbau, Wild und Jagd im Zeichen des Klimawandels veröffentlicht. Das darin erarbeitete Jagdkonzept entspricht größtenteils den 2015 von der Rotwildhegegemeinschaft herausgegebenen Vorschlägen. „Es geht um die Frage, was sich bei der Jagd verändern muss, damit die Wiederaufforstung des Waldes unterstützt wird“, erklärt der erste Vorsitzende der Rotwildhegegemeinschaft Pfälzerwald Süd und Jagdpächter, Reinhard Adam.

Hintergrund ist der Klimawandel, der für steigende Temperaturen und zunehmende Dürre sorgt. Dies setzt unter anderem der Fichte enorm zu. „Die geschwächten Bäume werden bevorzugt vom Borkenkäfer befallen und sterben ab“, erklärt Jörg Sigmund, Kreisjagdmeister des Kreises Südliche Weinstraße und der Stadt Landau und Förster des Forstamtes Haardt. Sigmund unterstützt Adam bei der Öffentlichkeitsarbeit für das neue Konzept.

Baumnachwuchs stirbt ab

Er erklärt: Um dem Waldsterben entgegenzuwirken, werden vermehrt Baumsorten gepflanzt, die besser mit Trockenheit und Dürre umgehen. „Das Problem ist, dass die Jungpflanzen vom Wild abgeäst, also abgefressen werden, so dass der Baumnachwuchs abstirbt und die Wiederaufforstung nicht gelingt.“ So viele Zäune könne man gar nicht aufstellen, um die jungen Riesen wirklich zu schützen. „Hier setzen die neuen Jagdrichtlinien an“, erklärt Adam.

Die von Adam beworbene Strategie bezieht sich besonders auf das im Innern des Pfälzerwaldes vorkommende Rotwild. Unter anderem wird empfohlen, Ruhe- und Jagdzonen im Revier festzulegen. „Die Tiere sollen so wenig wie möglich gestört werden, damit sie sich nicht tief in den Wald zurückziehen“, sagt der Vorsitzende. Je mehr sie sich zurückzögen, desto schwieriger sei es, sie aufzuspüren. „Das Rotwild ist sehr intelligent und merkt sich Gefahren, so dass es gewisse Plätze meidet.“

Revierübergreifende Bewegungsjagd

Adam wirbt für die revierübergreifende Bewegungsjagd. Dabei halten achtzig bis neunzig Personen das Wild stetig aber ruhig in Bewegung, so dass es an den Hochständen vorbeizieht. „Das Jagdareal darf nicht kleiner als 1000 Hektar sein“, erklärt der Vorsitzende. Deswegen sei es wichtig, dass sich kleine Reviere bei der Jagd zusammentun. Ein anderer wichtiger Aspekt sei das Anlegen von Wildäsungsflächen, also von Plätzen, an denen das Wild frisst. „So können wir bestimmen, wo und was die Tiere fressen.“

Und in welchen Punkten hat Adam Probleme mit dem Bejagungskonzept des Landes? Die vorgeschlagenen Maßnahmen seien richtig, so Adam. Aber: Das Land setzt auf „Eigenverantwortung vor Ort“. Waldbesitzer vor Ort sollen sich auf einen jährlichen Mindestabschuss einigen und ihn von den Behörden genehmigen lassen. Adam meint: „Eine Kooperation ohne Zwang und Kontrolle hat bisher nicht funktioniert, und es ist fraglich, ob sie in Zukunft funktionieren wird.“ Zudem kämen die Jagdpächter in puncto Kosten und Verantwortung an ihre Grenzen. „Ich würde mir mehr Unterstützung seitens des Landes wünschen.“

Personeller Aufwand immens

Der personelle Aufwand sei immens. „Für eine effektive Bewegungsjagd braucht man bis zu neunzig Personen auf einer 1000 Hektar großen Fläche, darunter Jäger mit Erfahrung. Das kann man als Privatmann, der die Jagd als Hobby ausübt, nicht mal so nebenbei finanziell und organisatorisch stemmen“, erklärt Adam. Der Anteil von privaten Waldeigentümern und deren Jagdpächtern sei nicht zu unterschätzen. Wenn nicht alle an einem Strang zögen, werde eine Wiederaufforstung im Hinblick auf den Klimawandel nicht gelingen. Es werde immer mehr Wild geben. „Der Wald der Zukunft ist nur mit einer modernen Jagd möglich“, stellt Adam klar.

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