Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Warum sich kaum vorhersagen lässt, wer neuer Bürgermeister von Contwig wird

Die bodenständige und zukunftsorientierte CDU gegen die zukunftsfähige, bodenständige und echte SPD – Plakate aus dem Contwiger
Die bodenständige und zukunftsorientierte CDU gegen die zukunftsfähige, bodenständige und echte SPD – Plakate aus dem Contwiger Kommunalwahlkampf vor zwei Jahren.

Wie die Bürgermeisterwahl in Contwig ausgeht, ist kaum vorherzusagen. Das größte Dorf im Zweibrücker Land steht vor einem Generationenwechsel.

Neulich hat mein Papa mich gefragt, wer die Bürgermeisterwahl in Contwig gewinnt. Ganz ehrlich? Ich hab’ keine Ahnung. Die ganzen vorherigen Wahlen war das ziemlich klar, da traten die Herausforderer von SPD und UWG gegen einen fest im Sattel sitzenden CDU-Amtsinhaber oder dessen Stellvertreter an. Nun aber steht Contwig ein Generationenwechsel bevor. Beide Kandidaten sind unter 40, und die Wahl wird so spannend wie noch keine in den vergangenen 30 Jahren seitdem die Bürger ihren Bürgermeister direkt wählen dürfen.

Als Nadine Brinette im Herbst erst CDU-Chefin und dann Bürgermeister-Kandidatin wurde, war das eine Überraschung. Brinette ist jung und politisch weitgehend unerfahren. Aber schnell stellte sich heraus: Sie hat Ideen und genaue Vorstellungen, und sie scheut sich nicht, auf Fragen offene und direkte Antworten zu geben. Da war sie manches Mal mutiger als langjährige Amtsinhaber. Ihre CDU hat sie bisher stets einstimmig gewählt, und Contwig ist ein CDU-Dorf.

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Läuft es also auf Nadine Brinette heraus? Nicht unbedingt. Denn David Betz von der SPD hat bei den Bürgermeisterwahlen 2019 trotz seiner Niederlage gegen Amtsinhaber Karlheinz Bärmann sehr gut abgeschnitten. 37 Prozent – das hatte zuvor kein Gegenkandidat erreicht. Betz schnitt sogar besser ab als frühere Kandidaten von SPD und UWG zusammen. Seitdem hat er an Profil gewonnen. Er ist der zweite Mann in der Verbandsgemeinde, hinter CDU-Bürgermeister Björn Bernhard und zuständig für die Grundschulen – die gerade in Contwig ein bestimmendes Thema sind.

Der Streit um Bärmanns Rücktritt ist keine zwei Monate her. Und doch scheint er schon so weit weg, dass er bei der Wahl vielleicht gar keine große Rolle mehr spielt. Viel entscheidender wird sein, ob Nadine Brinette als politischer Neuling automatisch die Unterstützung der CDU-Wähler hat oder ob David Betz ihr auch hier Stimmen abnehmen kann. Zudem kommt es darauf an, wie sehr die beiden Kandidaten die Wähler überzeugen können, die gar nicht auf eine Partei festgelegt sind und die in den vergangenen Jahren neu nach Contwig gezogen sind. Und das in einer Zeit, in der der gewohnte Wahlkampf gar nicht möglich sein wird.

Dass sich beide Kandidaten ins Zeug legen, das hat man schon in den vergangenen Wochen gesehen, als bereits Themen wie der Bürgerbus und die Bahnschranke vorgestellt und diskutiert wurden.

Contwig ist nicht irgendein Dorf. Mit seinen 5000 Einwohnern; seinen Einkaufsmärkten; seiner Infrastruktur mit Ärzten, Vereinen, Sportanlagen, Restaurants und dem Freibad; einer Schule, die bis zum Abitur führt und zu einem Drittel von Zweibrücker Kindern besucht wird; und durch seine Nähe zur Stadt Zweibrücken ist der größte Ort im Zweibrücker Land fast schon sowas wie ein unabhängiger Stadtteil. Dass zwei junge, ambitionierte Kandidaten dieses Dorf in die Zukunft führen möchten, ist großartig! Zutrauen würde ich es beiden. Aber meinem Papa vorhersagen, wer gewinnt, das trau’ ich mich nicht.

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