Contwig
Rücktritt: Karlheinz Bärmann hört an Silvester als Ortschef auf
Am Montagmorgen war Karlheinz Bärmann auf der Verbandsgemeindeverwaltung und hat seinen Rücktritt zum 31. Dezember eingereicht. Am Silvestermorgen hat er noch einen Termin am Stambacher Kindergarten, bei dem es um die Trockenlegung des Gebäudes geht, in dem es zu einem Schimmelbefall gekommen war. „Den Termin nehme ich noch wahr. Ich übe mein Amt bis zum letzten Tag aus“, sagte er. Anschließend wird er den Schlüssel zum Rathaus und die Amtsgeschäfte an die erste Beigeordnete Margit Ernst übergeben.
Bärmann hatte am 1. Oktober seinen Rücktritt zum 31. März angekündigt und ihn damit begründet, dass die Arbeit als Ehrenamtlicher kaum mehr zu leisten sei. Als Ortsbürgermeister ist Bärmann Dienstherr für 40 Mitarbeiter, die in den Kindergärten und im Bauhof beschäftigt sind. Die Wahl seines Nachfolgers soll parallel zur Landtagswahl am 14. März erfolgen.
Kritiker aus eigenen Reihen
Dass Bärmann jetzt zum 31. Dezember zurücktritt, ist die Folge der Kritik, die seit dem Frühjahr im Zuge der Grundschul-Standortdiskussion auf ihn einprasselt und im Internet an Schärfe gewonnen hat. Im Netzwerk Facebook ist er vor allem für zwei Kommentare-Schreiber der Buhmann. Als vor zehn Tagen im „Pfälzischen Merkur“ ein Bericht über die Container an der Grundschule Stambach erschienen war, gab es erneut Kritik auf Facebook. Dabei wurde der Ortsbürgermeister mit ehrverletzenden Kommentaren verächtlich gemacht. „Ich komme mir vor wie eine Straßenlaterne, an die jeder Hund pinkeln kann“, beschrieb Bärmann sein Gefühlsleben, als ihm gewahr geworden war, was da über ihn geschrieben wurde.
Was Bärmann ärgert: Die Kritik kommt aus den eigenen Reihen. „Das sind Parteimitglieder und keiner gebietet Einhalt“, sagte er. Am Samstag vor einer Woche, bei der CDU-Versammlung zur Nominierung von Ortsbürgermeisterkandidatin Nadine Brinette, habe er das Gespräch gesucht. „Ich habe die Leute darauf angesprochen. Niemand wollte etwas sagen“, bemerkte Bärmann. Auch seine per E-Mail vorgetragene Bitte um eine Stellungnahme sei bis Sonntag ohne Antwort geblieben. „Bis jetzt hat sich keiner gerührt. Das lag vielleicht auch an den Weihnachtsfeiertagen“, bemerkte er.
Bärmann nach Entscheidung „erleichtert“
Als am Montag die Kunde von seinem vorzeitigen Rücktritt die Runde machte, erhielt er erste Reaktionen. „CDU-Fraktionsmitglieder haben sich gemeldet, auch einige aus der SPD“, berichtete er. Einige hätten Verständnis gezeigt, berichtete er. Als er Margit Ernst seine Entscheidung mitteilte, sei sie „geschockt gewesen“ und habe versucht, ihn umzustimmen. Da war die Entscheidung aber schon eine Woche gereift. Ein Zurück habe es nicht mehr gegeben. Für Bärmann war der Punkt erreicht, an dem es nicht mehr weiterging. „Dass man jetzt so über mich herzieht, muss ich mir nicht antun“, sagte er. „Ich habe nachts nicht mehr geschlafen, habe mich gefragt, wofür tu’ ich mir das an“, sagte er. Jetzt sei er erleichtert.
Seit 46 Jahren, seit er zum ersten Mal in den Gemeinderat einzog, engagiert sich Bärmann für seine Heimatgemeinde. „Oft musste die Familie zurückstecken“, sagte er. Das soll jetzt vorbei sein. „Ich habe zwei Enkel, die sollen jetzt im Vordergrund stehen“, betonte er.
Bernhard bedauert Schritt
Der CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende Björn Bernhard bedauerte die Entscheidung Bärmanns. „Dass er jetzt so einen Abgang kriegt, ist nicht das, was er verdient hätte.“ Mit Facebook-Kommentaren hat Bernhard in seinem Wahlkampf zum Verbandsbürgermeister auch Erfahrungen gemacht. „Jeder, der Facebook kennt, weiß, wie Facebook sein kann. Ich kann aber keinem verbieten, dort etwas zu schreiben oder dort seine Meinung zu äußern“, betonte er. Und zu den Kommentaren zu Bärmann sagte er klipp und klar: „Ich heiße das nicht gut.“ Bernhard brach eine Lanze für den Contwiger Ortschef. „Er hat eine Menge Baustellen im Ort, für die er eigentlich gar nichts kann“, sagte er. Noch am Morgen habe er versucht, Bärmann von diesem Schritt abzuhalten. „Für ihn ist es schon schade“, bemerkte er.
Bernhard verwehrt sich dagegen, aus dem Rücktritt des Ortsbürgermeisters eine Krise oder eine Spaltung der Contwiger CDU herzuleiten. „Der CDU-Ortsverband hat sehr viele neue Mitglieder dazubekommen, die sich engagieren. Die Vorbereitungen auf den Wahlkampf haben begonnen, zuletzt ist ein Ruck durch den Ortsverein gegangen“, sagte er.
Die SPD Contwig-Stambach hatte zuvor mit Bestürzung und Überraschung auf den Rücktritt Bärmanns reagiert und betont, in den zurückliegenden Jahrzehnten gut und vertrauensvoll mit ihm zusammengearbeitet zu haben. „Wir verurteilen es zutiefst, wie würde- und anstandslos nun mit ihm umgesprungen wird“, teilte sie mit.