Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Was CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann gegen den FCK hat

Auf gebührendem Abstand zum 1. FCK: Näher wagte sich CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann nicht an die Geschenke seines Parteif
Auf gebührendem Abstand zum 1. FCK: Näher wagte sich CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann nicht an die Geschenke seines Parteifreundes Christian Baldauf heran.

Carsten Linnemann verweigert beim CDU-Wahlkampfauftakt in Frankenthal den FCK-Schal. Ob das bei Ministerpräsident Markus Söder demnächst auch so sein wird?

Nein, er hat es nicht über sich gebracht. Und Landtagskandidat Christian Baldauf hat seinen Parteifreund, den CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann, nach dem ersten zögerlichen Versuch auch nicht weiter bedrängt. Am Ende hatte der Gast aus der Berliner Parteizentrale Mühe genug, die Fassung zu wahren angesichts des FCK-Fanschals und -Wichtels vor sich auf dem Pult im Foyer der Firma Allison am Adam-Opel-Ring in Frankenthal. Dorthin hatten der CDU-Kreisverband und die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) der Partei zum Wahlkampfauftakt für die Landtagswahl am 22. März eingeladen.

Linnemann ist der erste der prominenten Unterstützer Baldaufs bei dessen sechster Kandidatur für das Mainzer Parlament. Zum Höhepunkt erwartet er am 12. März den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) in Frankenthal. Am Donnerstag ließ der Gastgeber auch die Katze aus dem Sack, wo und wie er den Gourmet aus München empfangen und kulinarisch verwöhnen will. Zunächst war darüber gemutmaßt worden, ob eine Currywurst an der populären Imbissbude zwischen Erkenbertmuseum und Dreifaltigkeitskirche für eines der legendären Söder-Reels auf Instagram reichen würde.

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Blick ins Auditorium im Foyer des Kleinkindausstatters Allison am Adam-Opel-Ring,
Blick ins Auditorium im Foyer des Kleinkindausstatters Allison am Adam-Opel-Ring,

Aber das ist dann doch nicht standesgemäß für ein Söder’sches Kaliber. Und so wird es stilecht gleich ein ganzes Bierzelt. Für den Gast aus Bayern wird die Frühjahrs-Pfalzwiesen auf dem Areal von Gate 99 in der Mahlastraße vorgezogen, kündigte Baldauf an. Söder wird also vor vertrauter Kulisse auftreten können, deftige Speisen inklusive.

Mutmacher aus der Parteizentrale

So dick ist bei Linnemann nicht aufgetragen worden. Beim „Wirtschafts-Snack“ gab’s zu morgendlicher Stunde auch kein Weißwurstfrühstück, sondern belegte Brötchen und Brezeln. Zwischendurch stellten aufmerksame Assistenten Tassen mit Kaffee ab, den „Fräulein Barista“ Luise Thiessen aus Bobenheim-Roxheim in ihrer Ape vor dem Firmeneingang frisch gebrüht hatte. Drinnen griffen der Generalsekretär und der Kandidat abwechselnd die politischen Stichworte auf, die Kreisvorsitzender Martin Svoboda ihnen auf den Elfmeterpunkt legte. Linnemann machte immer wieder Mut. „Wir haben kein einziges Erkenntnisproblem in Deutschland“, leitete er einen seiner Mutmachersätze ein. „Wir brauchen nur noch den Mut, daraus Taten folgen zu lassen.“

Taschentücher und Heftpflaster: Streuartikel für Baldaufs Wahlkampf.
Taschentücher und Heftpflaster: Streuartikel für Baldaufs Wahlkampf.

Wie das gehen kann, exerzierte er am Beispiel seines Chefs vor. „Friedrich Merz braucht den billigen Applaus nicht, weil er komplett unabhängig ist. Das ist die Voraussetzung dafür, um mutig zu sein.“ Eine Eigenschaft, die er ein paar Minuten später Merz’ Vorgängerin im Amt indirekt absprach. Ohne Angela Merkel explizit beim Namen zu nennen, rechnete er mit deren Ausstiegsbeschluss aus der Kernkraft nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima 2011 unmissverständlich ab: „Wir müssen Politiker daran messen, ob sie sich nach dem Wind der Mehrheitsmeinung drehen oder ob sie Entscheidungen aus Überzeugung treffen.“

Demnächst im Kabinett?

Über eine Stunde nahm sich Linnemann Zeit, um Baldauf zu assistieren. Der macht sich nicht nur Hoffnung auf den Wiedereinzug in den Landtag, sondern auch auf ein erstes Ministeramt in der künftigen Landesregierung. In einer denkbaren Koalition aus SPD und CDU wird er als Justiz- oder Wirtschaftsminister gehandelt. Auf Frankenthal bezogen, forderte Baldauf unter anderem ein Auflösen des Sanierungsstaus bei Kunstrasenplätzen und Turnhallen, „das wäre eine greifbare Honorierung des Ehrenamts“.

Kreisvorsitzender Svoboda sieht die Frankenthaler CDU nach ihrer Schlappe bei der Kommunalwahl vor bald zwei Jahren „auf dem Weg der Erneuerung“. Mit Felix Kapper oder Baldaufs Tochter Marlene seien junge Talente prominent platziert worden. „Erneuern und zuhören, diese Mischung wird uns wieder erfolgreich machen“, prognostizierte er.

Frankenthaler Einflüsterer: Christian Baldauf und Carsten Linnemann im vertrauten Gespräch.
Frankenthaler Einflüsterer: Christian Baldauf und Carsten Linnemann im vertrauten Gespräch.

Und was wird nun aus den FCK-Gastgeschenken? Zunächst würden sie im Kofferraum des Dienstwagens verstaut, äußerte sich der Empfänger diplomatisch. An das Charisma eines Dalai Lama, der seinen Gästen jeglichem chinesischen Verdruss zum Trotz milde lächelnd tibetische Schals umlegte, reichte Baldauf nun mal nicht heran. Den „100 % Pfälzer“-Jahreskalender von RHEINPFALZ-Cartoonist Steffen Boiselle nahm Linnemann noch in die Hände, aber Schal und Wichtel rührte er noch nicht mal mit spitzen Fingern an. Ob der gebürtige Paderborner, der den Fußball genauso leidenschaftlich liebt wie das Skatspielen, Ende Februar zum Auswärtsspiel seines Heimatvereins auf den Betzenberg kommen wird, ließ er offen. Aber wenn, dann definitiv nicht mit dem falschen Schal um den Hals.

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