750 Jahre Kaiserslautern
Stadtjubiläum: OB Kimmel über Feier, Motto und ihre Veranstaltungshöhepunkte
Für eine große Feier wie das Stadtjubiläum braucht es eine Überschrift: Wie fasst man denn 750 Jahre Stadtgeschichte zusammen?
Das hatten wir tatsächlich als Agenturleistung ausgeschrieben. Für uns war es spannend zu beobachten, wie die Agenturen bewerten, was Kaiserslautern ausmacht. Ich glaube, dass es der Agentur Peaks bestens gelungen ist, ein Alleinstellungsmerkmal der Stadt, nämlich die kurzen Wege, mit dem prägnanten Motto herauszustellen.
„Kurze Wege – lange Geschichte“, so lautet das Motto zur Feier von 750 Jahren Stadtrechte Kaiserslauterns. Erklären Sie mal, was wird damit ausgedrückt?
Eine Kernkompetenz dieser Stadt, die kurzen Wege, wird hier nicht nur geografisch verstanden, sondern insbesondere auch von Mensch zu Mensch. Ich glaube, dass das ein Pfund ist und die Menschen stark erleben, dass der Weg sehr schnell auf den nächsten Menschen zugeht, dass wir miteinander Dinge bewältigen können. Da erlebe ich aktuell eine große Offenheit. Das tut etwas Gutes.
In Kombination mit der Farbgebung haben wir bei dem Motto eine Linie gefunden, die sehr gut trägt. Die Menschen nehmen das gut an. Die einen finden sich farblich vielleicht eher im Schwarz wieder, die anderen im Magenta, aber jeder findet sich. Es ist unaufgeregt, aber von hohem Identifikationsgrad. Die unterlegte Stadtkarte sorgt dafür, dass es nicht beliebig ist. Es ist nicht irgendeine Grafik, sondern es ist unsere Grafik.
Das Motto kommt zwar von einer Agentur, aber Sie haben doch sicher auch selbst überlegt: Worauf wäre denn die Oberbürgermeisterin gekommen?
Also mit Bezug auf die Jubiläumsfeierlichkeiten weiß ich das gar nicht, aber ich möchte tatsächlich noch mal die Diskussion anstoßen, ob wir nicht dauerhaft wieder zu unserem WM-Slogan zurückkehren: „Wer uns findet, findet uns gut.“ Das finde ich nach wie vor sehr sympathisch: mit einem Augenzwinkern, aber doch mit großem Selbstbewusstsein, was sich diese Stadt auch erlauben darf.
750 Jahre Stadtrechte ist ein besonderes Jubiläum, trotzdem fehlt der große Festakt im Veranstaltungskalender: Warum?
Ich habe mir das ehrlich gesagt ein bisschen in Mölschbach abgeguckt, die 800 Jahre gefeiert haben. Dort wollte man die Feier über das ganze Jahr tragen. Mir war es ganz wichtig, dass jeder die Gelegenheit hat, sich vorzustellen, dass jede Aktivität, die denkbar ist, dieses Jubiläum angemessen zu würdigen, auch ihren Raum findet. Es hat aber auch ein bisschen organisatorische Gründe: die Sicherheitsaspekte bei einem Festakt, die vielen geladenen Gäste – es ist dann eben nicht für alle. Das kann natürlich ein tolles Erlebnis sein, aber ich freue mich, dass wir das anders entschieden haben. Und ich hoffe, unsere Philosophie geht auf: Es ist ohnehin eines meiner Hauptanliegen, dass 100.000 Menschen sich als Teil dieser Stadt erleben und für sich feststellen: „Ja, ich bin ein Gesicht dieser Stadt.“ Das Stadtjubiläum ist da vielleicht der beste Anlass. Und 365 Tage bieten einfach mehr Möglichkeiten als ein zentraler Festakt.
Wie ist Ihr Eindruck? Nehmen die Menschen das an?
Absolut, es sind viele Menschen von Vereinen und Institutionen auf uns zugekommen, die gesagt haben, eigentlich haben wir ja schon 2025 Jubiläum, aber wir feiern mit euch gemeinsam. Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen Kaiserslautern schon in diesem ersten halben Jahr etwas liebevoller betrachten. Das hat die Stadt auch verdient. Kaiserslautern ist nicht in allem eine einfache, aber eine besondere Stadt.
Ich möchte aber nicht im Fokus stehen haben, dass wir hier nur feiern. Wir arbeiten sehr hart an einer guten Zukunft. Da bietet so ein Jubiläum die Chance, deutlich zu machen: Wir hören uns die Probleme an. Ja, wir sind eine Stadt in einem Transformationsprozess, aber diese Stadt hat eine enorme Kraft. Kaiserslautern ist keine Stadt, die untergeht, es ist eine Stadt, die sich immer wieder neu erfindet.
Dass eine Stadt mit den finanziellen Schwierigkeiten von Kaiserslautern für 750.000 Euro ein Jahr lang Jubiläum feiert, hat auch Kritik hervorgerufen. Was sagen Sie den Kritikern?
Ich kann das total gut verstehen. Aber ich finde, eine Stadt, die solch einen Anlass nicht nutzt, um sich selbst zu feiern, die hat sich aufgegeben. Ich will mit all meiner Energie dafür kämpfen, dass diese Stadt an sich glaubt. Ich glaube, am Ende des Jahres wird der Betrag nicht voll ausgeschöpft sein, aber die Rendite wird um ein Vielfaches höher ausfallen. Eine Rendite in Sachen Selbstbewusstsein, in Sachen neuer Ideen zur Problemlösung. Ich glaube, dass jeder Euro bestens investiert ist.
Haben Sie denn einen persönlichen Höhepunkt im Festkalender?
Das klingt jetzt wie eine Phrase, aber Musik verbindet wunderbar. Daran glaube ich sehr. Dass wir die Tage der Chor- und Orchestermusik hatten, war ein toller Einstieg. Wir durften den Kultursommer eröffnen und konnten als Stadt wirklich überzeugen. Wir haben das Landesmusikfest hier – Musik ist toll. Der Veranstaltungskalender ist wirklich bunt, es gibt so viele Angebote, die auch kostenlos sind. Mit „Alles muss raus“ haben wir ein inklusives Festival, von dem eine Verantwortliche sagte, es ist das beste in ganz Europa. Mir geht es nicht darum, ob es das beste ist, aber es ist ein unglaublich glücklichmachendes Festival für die ganze Familie.
Ich freue mich aber auch besonders auf den 18. August, wenn wir den eigentlichen Tag der Verleihung der Stadtrechte feiern. Das hat für mich etwas ganz Würdevolles. Wir werden einen ökumenischen Gottesdienst anbieten. Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst hat zugesagt, Bischof Karl-Heinz Wiesemann ebenfalls. Das ist ein Tag, bei dem ich jetzt schon merke, wie mich die Ehrfurcht erfüllt.
Ich verzichte in diesem Jahr auch weitgehend auf eine Urlaubsreise, weil man am liebsten alles miterleben möchte.


