Frankenthal
So soll der Frankenthaler Wochenmarkt noch attraktiver werden
Das erste Stichwort, das auswärtige Besucher auf Nachfrage mit Frankenthal verbinden, ist natürlich das Strohhutfest, das größte Straßenfest in der Pfalz. Danach kommt eine Weile nichts, dann aber eine zweite Location, an der sich im Sommer gut chillen und an einem Wochenende gediegen feiern lässt: das Strandbad. Die Top drei der beliebtesten Ausflugsziele komplettiert der Wochenmarkt. Dienstags und freitags herrscht auf dem Rathausplatz diese einzigartige Atmosphäre aus regionalem Angebot, Plaudereien und erweitertem Stadtbummel, die sich bis in die Speyerer Straße hineinzieht.
Der Frankenthaler Wochenmarkt ist zu einer Marke und einem Marketinginstrument geworden. Die Freie Wählergruppe (FWG) will es aber nicht bei der Pflege einer Tradition belassen, sondern will sie weiterentwickeln. Der Fraktionsvorsitzenden Tanja Mester und ihrer Fraktionskollegin Sabine Merz schwebt vor, die Konzeption der beiden Markttage einzubetten in die perspektivische Innenstadtentwicklung – und idealerweise auch die Peripherie von der Magnetwirkung des Wochenmarkts profitieren zu lassen.
Marktfrühstück unter der Woche?
Dazu haben sie ein Bündel an Ideen, die sie in die jüngste Sitzung des Finanzausschusses eingebracht haben. Sie denken etwa an einen Abendmarkt, Genussangebote, die aus dem Marktsortiment gezaubert werden könnten oder ein regelmäßiges Marktfrühstück. Der schwächere Dienstagsmarkt soll gezielt gestärkt und der Schlager Wochenmarkt „exportiert“ werden, etwa als Quartiersmarkt auf den Jakobsplatz. Konsequent verfolgt die FWG in jüngster Zeit die Strategie, diesen zunehmend abgehängten Standort aufzuwerten, zum Beispiel mit einer Begrünung der nackten Rankgerüste.
Erste Anläufe für ein Facelifting des Wochenmarkts sind in diesem Sommer unternommen worden, etwa mit dem Engagement eines Barista-Standbetreibers. Der konnte noch vergleichsweise unkompliziert ins Marktgeschehen integriert werden, während Events wie ein stimmiges Marktfrühstück einen größeren organisatorischen Aufwand auslösen. Ein Probeessen im Rahmen des Pfalzfestes ist auf breite Resonanz und ein positives Echo beim Publikum gestoßen. Was in Mainz, Worms oder Neustadt an Samstagen mittlerweile Routine ist, lässt sich allerdings in Frankenthal nicht unter die Woche transferieren. Zumal ein solches gastronomisches Programm den umliegenden Anbietern keine Konkurrenz machen soll, stellen Mester und Merz klar. Die Chancen auf ein angepasstes Modell stehen aber gar nicht so schlecht. „Die Verwaltung prüft kreative und praktikable Umsetzungsvarianten, die zur Struktur und Dynamik des Frankenthaler Marktes passen“, teilt eine Sprecherin der Stadt auf Anfrage mit.
Neue Tourismusmanagerin beginnt
Die FWG will die Chance eines aufgepeppten Markttreibens jedenfalls nicht ungenutzt verstreichen lassen. Die sehen ihre beiden Vertreterinnen auch, weil sie eine Reihe neuer Mitstreiterinnen an ihrer Seite sehen: Neben der jungen Marktmeisterin Lara Becki zählt zu diesem Trio Wirtschaftsförderin Jessica Köchling aus der gleichen Generation und Karmen Strahonja, die ebenfalls dieses Jahr zur Stadtkonzernfamilie gestoßen ist, als Geschäftsführerin des Congress-Forums. In diesen Tagen wird daraus ein Quartett. Anfang November tritt eine Tourismusmanagerin das neu geschaffene Amt an.
Diese geballte Kompetenz will die FWG nutzen, um Wochenmarkt- und Innenstadtentwicklung gemeinsam zu denken, die Aufenthaltsqualität zu stärken und indirekt den örtlichen Handel zu stützen. Das Rathaus weiß die Fraktion dabei an ihrer Seite. Auch die Stabsstelle Marktwesen wolle den Wochenmarkt langfristig sichtbarer, attraktiver und zukunftsfähiger gestalten. „Dabei steht insbesondere im Fokus, neue Zielgruppen – vor allem jüngere Generationen – anzusprechen“, erklärt eine Sprecherin der Stadt weiter. Aktuell würden verschiedene Ideen und Ansätze geprüft und weiterentwickelt. Im engen Austausch mit den Marktbeschickern sollen diese bald konkretisiert werden. „Ziel ist es, bereits im Jahr 2026 erste neue Impulse umzusetzen.“
Chancen für Jakobsplatz?
Dabei setzen Marktmeisterin Becki und ihr Team nicht nur auf den Bestand. Sie sähe gerne auch Anbieter von Bio-Fleisch, glutenfreien oder veganen Backwaren oder handwerklich hergestellter Produkte wie Seifen auf dem großen Rathausplatz. Die Vorstellung: „Durch ein modernes und vielfältiges Sortiment soll das Einkaufserlebnis auf dem Wochenmarkt gestärkt und die Attraktivität insbesondere für jüngere Menschen erhöht werden“.
Davon sollen auch die vielen Besucher überzeugt werden, die von außerhalb kommen, um sich in Frankenthal mit regionaler Kost einzudecken. Lokal wie überregional soll die Werbung verstärkt werden, inklusive eines Neudesigns der Marke „Frankenthaler Wochenmarkt“. In der neuen Imagekampagne sollen auch die Händler und deren Produkte individueller herausgestellt werden, physisch im Stadtraum und digital über die städtische Homepage, App und Social-Media-Kanäle.
Vage bleibt die Stadt bei den Aussichten, den Jakobsplatz ins Marktgeschehen einzubinden. Eine mögliche Wiederbelebung des Marktes dort werde derzeit geprüft. Entsprechende Überlegungen sollen im weiteren Prozess konkretisiert werden. Was im Original ein Selbstläufer ist, der „nur“ noch aufgepeppt werden soll, ist als Kopie eben noch lange kein Erfolgsgarant.
