Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Narretei statt Politik: Die neue Stadtprinzessin ist eine junge Bekannte

FCV-Fasnachterin seit sie denken kann: Marlene Baldauf.
FCV-Fasnachterin seit sie denken kann: Marlene Baldauf.

Marlene Baldauf ist weit mehr als die Tochter ihres stadtbekannten Vaters Christian. Zu ihrem kommunalpolitischen Engagement gesellt sich nun sogar ein royaler Titel .

Eine Frohnatur ist Marlene Baldauf allemal. Wer mit der 24-Jährigen ins Gespräch kommt, den nimmt sie schnell gefangen mit ihrer zugewandten Art und einem herzlichen Lächeln. Den kommunikativen Typ hat sie von ihrem Vater Christian, dem Hansdampf in allen Gassen, der in Mainz unverdrossen Oppositionspolitik macht und zu Hause in Frankenthal im Vereinsleben aufgeht und auftankt. Damit soll es der Vergleiche genug sein zwischen Vater und Tochter. Auch wenn sie ein inniges Verhältnis verbindet, ist Marlene Baldauf dabei, ihren eigenen Weg zu finden. Als jüngstes Mitglied im Stadtrat meldet sie sich bereits zu Wort, als stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende ist die Nachwuchspolitikerin bereits in eine bedeutsame Position in der Partei aufgerückt. Auch wenn diese sich nach ihrer herben Wahlschlappen bei der OB- und Kommunalwahl mit öffentlichkeitswirksamen Kommentaren auffällig zurückhält.

Geballte Gardenschar: die Junioren- und Große Garde des FCV.
Geballte Gardenschar: die Junioren- und Große Garde des FCV.

Wenn Marlene Baldauf sich nicht in die Kommunalpolitik fuchst, gehört ihre Freizeit einer zweiten Leidenschaft: der Fasnacht. Beim Frankenthaler Carneval Verein (FCV) – in Deutschland ist kein älterer bekannt – ist sie von Kindesbeinen an aktiv, tanzte schon mit vier Jahren Tänzerin in der Garde mit. Seit über acht Jahren ist sie bereits deren Trainerin. Zusammen mit Beatrix Marx studiert sie mit 14 Mädchen und einem Jungen gerade den neuen Gardemarsch ein. Nachwuchssorgen plagen den FCV nicht, für das Kindertraining muss zum Teil ein Aufnahmestopp verhängt werden.

Im zweiten Anlauf

Nun steht im wahrsten Wortsinn die Krönung einer jeden fasnachtlichen Karriere bevor: Baldauf ist in wenigen Tagen die neue Frankenthaler Stadtprinzessin. Bei der offiziellen Eröffnung der Saison 2025/26 wird sie am 14. November im Dathenushaus inthronisiert, eine gute Woche später hat sie auf dem Ritterball ihren ersten großen Auftritt. Weil der FCV in dieser närrischen Kampagne der Stadtschlüsselverein ist, die geballte Frankenthaler Narrenschar also repräsentiert, stellt er auch das gekrönte Oberhaupt für all diese.

Bereits im Sommer hat die künftige Stadtprinzessin ihr erstes Kleid gekauft.
Bereits im Sommer hat die künftige Stadtprinzessin ihr erstes Kleid gekauft.

Vor einem Jahr hatte Vorsitzender Nico Hahl Baldauf ihr diese Ehre angetragen, lange überlegen musste sie nicht. „Mein Herz hat spontan ja gesagt.“ Zumal sie vor fünf Jahren den Narrenthron schon einmal vor Augen hatte, infolge der Covid-Pandemie ist er in der folgenden Kampagne aber verwaist geblieben. „Das ist der Traum einer jeder Fasnachterin“, schwärmt die neue Prinzessin. „Es war einmal“ – das märchenhafte Kampagnenmotto des FCV steht fest, das Geheimnis um die Ordensgestaltung wird am 14. November gelüftet. Dann wird Marlene I. auch ihr gereimtes Motto verkünden, an dem sie noch feilt.

Kleiderschrank freigeräumt

Duales Studium des Steuer- und Prüfungswesens, Kommunalpolitik, Trainerin und Prinzessin – kommt da selbst ein Energiebündel wie Marlene Baldauf nicht an seine Grenzen? „Die Verpflichtungen als Stadtprinzessin sind ja zeitlich begrenzt bis Aschermittwoch“, schränkt sie ein. Die Wochenenden sind in dieser Zeit aber ziemlich verplant. Bis zu vier Termine stehen an manchen Abenden bereits im Kalender. Baldaufs privates Glück: Ihr Freund ist Aktiver bei der Gockelswoog, hat also nicht nur Verständnis für ihre Passion, sondern assistiert auch, etwa mit Fahrdiensten.

Bekannter Vater: Landtagsabgeordneter Christian Baldauf teilt auch die Leidenschaft für die Narretei mit seiner Tochter.
Bekannter Vater: Landtagsabgeordneter Christian Baldauf teilt auch die Leidenschaft für die Narretei mit seiner Tochter.

Ein Kleiderschrank im Elternhaus ist schon mal freigeräumt, für die drei Abendkleider hat ihr Bruder vorübergehend Platz geschaffen. Das erste war drei Wochen nach Baldaufs Zusage ausgesucht, royale Pflichten zu übernehmen. Die passenden Schuhe hat sie noch nicht alle beisammen, „aber ein paar Tage Zeit bleiben mir ja noch“. Das Lampenfieber ist noch nicht gestiegen, „dafür gibt es noch zu viel abzustimmen“. Damit Marlene I. am 14. November makellos strahlen kann. Denn das kann Marlene Baldauf, nicht nur unter närrischen Vorzeichen.

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