Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel „Tag der guten Taten“: Die ganze Friedrich-Ebert-Realschule ist auf den Beinen

Zu den Projekten, die Evelin, Livan, Alexandra, Kiyara und Maria (von links) in Eigenregie realisiert haben, zählt die „Wallstre
Zu den Projekten, die Evelin, Livan, Alexandra, Kiyara und Maria (von links) in Eigenregie realisiert haben, zählt die »Wallstreet Art« im Foyer der Friedrich-Ebert-Realschule.

Senioren vorlesen, mit Grundschülern spielen, fürs Tierheim sammeln – die komplette Frankenthaler Friedrich-Ebert-Realschule plus ist einen Tag lang im Dienst der guten Sache.

Sie sprudeln nur so vor Ideen, die fünf Zehntklässlerinnen an der Friedrich-Ebert-Realschule plus (FES). Kaum haben sie die österliche Suche der etwas anderen Art kurz vor den Ferien gedanklich abgehakt, da koordinieren Evelin (17), Livan (17), Alexandra (15), Kiyara (16) und Maria (16) auch schon das nächste soziale Projekt. Für die Premiere des „Tags der guten Taten“ an diesem Freitag haben sie alle 18 Klassen der weiterführenden Schule am Jakobsplatz motiviert, sich auf unterschiedlichste Art für die Stadtgesellschaft einzubringen.

Einige werden die benachbarte Grundschule besuchen und die Kleinen dort bespaßen. Andere schnappen sich Müllsäcke und Handschuhe und machen das Umfeld sauber. Die nächsten besuchen ein Pflegeheim und lesen Senioren vor. Viel wird gebastelt, für das Tierheim etwa. Dem FES-Schulhof soll eine Torwand spendiert werden, die aus Europaletten zusammengezimmert werden soll. Und weil die Planerinnen clevererweise einen Schritt weiter denken, soll die Konstruktion zusammenklappbar sein, um sie bei schlechter Witterung trocken verstauen zu können.

Gelebte Herzensbildung

Als ob diese geballte Kreativität am FES-Ehrenamtstag nicht schon beeindruckend genug wäre, wird das Engagement der fünf Schülervertreterinnen weit über diesen Tag hinaus das gesamte Schuljahr über erlebbar. Bei der Vorbereitung der vielfältigen Projekte assistieren sie den Klassenlehrern, bringen Ideen ein, stimmen sich mit potenziellen externen Gastgebern ab. Denn so ehrenwert etwa ein Kuchenstand für den guten Zweck in der Fußgängerzone auch sein mag, so darf er nicht eben mal aufgestellt werden. Er muss schon ordentlich von der Stadt genehmigt werden.

Evelin, Livan, Alexandra, Kiyara und Maria scheuen sich nicht, dafür im Rathaus vorzusprechen und die erforderliche Genehmigung einzuholen. Im Gegenteil: Sie haben sichtbar Spaß an ihrem Beitrag zu dem, was im Leitbild der FES als „Lebenstüchtigkeit“ und „Herzensbildung“ beschrieben wird. In ihrem Fall drückt der sich darin aus, dass sich die baldigen Absolventinnen seit ihrem ersten Schuljahr in der fünften Klasse in der Schülervertretung engagieren; Evelin ist nach ihrem Klassenwechsel vor zwei Jahren zu der Clique gestoßen.

Woche für Woche Tüfteln an Projekten

Die Schülervertretung (SV) ist aus einem Luxusproblem an der FES entstanden. „Damit wollten wir all denjenigen ein Forum bieten, die sich zwar zur Klassen- oder Schülersprecherwahl haben aufstellen lassen, aber letztlich nicht vorn lagen“, berichtet die stellvertretende Schulleiterin Margit Müller. Seit der Pensionierung von Stephan Hirt führt die 43-Jährige die Geschäfte an der FES, das Nachbesetzungsverfahren unter der Regie der Schulaufsicht ADD läuft noch.

Neu ist seit diesem Schuljahr, dass sich die SV Woche für Woche in einer AG trifft – und ein Projekt nach dem anderen produziert. Ein Ausschnitt der vergangenen Monate: Nikolausfeier, Fasnachtsfete, Gummientensuche an Ostern, „Tag der guten Taten“, Projektwoche, Mottowoche, Fußballturnier. Jeweils inklusive Vorplanung, Organisation, Delegation, Kalkulation. Und Keksen, die nebenbei zuhause gebacken werden.

„Da geht einem das Herz auf“

Bei der Ostereiersuche auf FES-Art zum Beispiel ist zuerst einmal die kreative Idee ausgebrütet worden, kleine Plastikenten anstatt von Schoko-Eiern auf dem Schulgelände zu verstecken. Aber wo sollen die herkommen? Und wer bezahlt sie? Also muss mit Margit Müller beratschlagt werden. Und siehe da: Das Schulbudget gibt diese Investition her, zumal der Fundus nächstes Jahr erneut versteckt werden könnte. Bestellt wurden die 200 Tierchen bei einem Online-Versand. Ganz nebenbei erlernen die Schülerinnen Fähigkeiten zur Alltagsbewältigung und selbstständigen Problemlösung, freut sich die Vize-Rektorin. „Wenn man sieht, mit welcher Einstellung sie die Aufgaben anpacken, dann geht einem als Pädagogin schon das Herz auf“, freut sich die Mentorin.

Die stellvertretende Schulleiterin Margit Müller freut sich über das außerordentlich produktive Engagement der Schülervertretung
Die stellvertretende Schulleiterin Margit Müller freut sich über das außerordentlich produktive Engagement der Schülervertretung.

Evelin, Livan, Alexandra, Kiyara und Maria freuen sich nicht nur über diese Anerkennung, sondern auch über die Resonanz aus den drei fünften Klassen, die sie vor Ostern beglückten. Drei Tage vorher fragten die ersten ungeduldig nach, wann sie sich endlich in die Suche stürzen dürften. Keine 30 Minuten nach dem Startschuss waren 199 Enten beisammen, „an der letzten sind sie, schier verzweifelt, dabei lag die quasi vor ihren Augen“, berichtet Kiyara.

„Das machen wir öfter“

Was motiviert sie und ihre Freundinnen, jenseits des regulären Lernpensums eine Idee nach der anderen auszubrüten und dafür auch noch Freizeit in der AG zu opfern? „Ein solches Angebot hätte ich mir damals in der fünften Klasse auch gewünscht“, blickt die angehende Pflegefachkraft zurück. Am liebsten würde sie verlängern an der „Ebert“ – ein schöneres Kompliment kann man einer Schule nicht machen.

„Es ist schon jedes Mal eine Menge Aufwand, aber es macht noch mehr Spaß zu beobachten, wie es ankommt“, beschreibt Evelin ihre Motivation. „Und wenn kurz vorm Start mal wieder ein Problem auftaucht, setzen wir uns zusammen und überlegen, wie wir es lösen können“, ergänzt Maria. „Ja, es wird auch mal stressig, aber wenn’s dann läuft, denke ich: Boah, das habe ich jetzt geschafft mit meiner Truppe, das machen wir öfter“, erklärt Livan. Teamfähigkeit, Kreativität und strategisches Denken, gebündelt in einem Quintett Frauenpower. Vize-Schulleiterin Müller hört leise lächelnd zu. „In dieser Intensität wie in diesem Schuljahr habe ich das SV-Engagement noch nicht erlebt.“

„Ohne solche Formate wäre das Schulleben viel zu langweilig“, findet Kiyara. „Besser kann man sich doch gar nicht vorbereiten aufs Berufsleben“, ergänzt Livan. Sie will nach den Sommerferien eine Ausbildung zur Biologie-Laborantin beginnen, Evelin zur Chemikantin. Maria und Alexandra haben sich vorgenommen, fürs Fachabitur weiterzulernen. Aber bis es so weit ist, gilt es, noch ein paar SV-Projekte an der „Ebert“ zu realisieren. Die Mitschüler warten schon drauf.

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