Fragen und Antworten
Wie einfach bekomme ich in Frankenthal einen Platz in einer weiterführenden Schule?
Die Entscheidung, welche weiterführende Schule ein Kind nach der Grundschule besuchen soll, gehört zu den zentralen Weichenstellungen im Familienleben. Informationsveranstaltungen, Formulare und das Ringen um den Wunschplatz werden begleitet von einer Mischung aus Hoffnung, Sorge und Unsicherheit. Die Empfehlungen der Grundschule geben zwar Orientierung, bindend sind sie jedoch nicht. Der großen Nachfrage nach der begehrten Adresse steht vor allem im Realschulbereich ein limitiertes Angebot gegenüber, die Erfahrung, dass das Kind nicht die optimale Lernumgebung erhält, hat im Fall eines Schülers aus Eppstein jüngst Aufmerksamkeit erregt.
In Frankenthal läuft die Anmeldephase für die weiterführenden Schulen auf Hochtouren. Bis zum 5. März müssen Eltern ihre Wahl getroffen haben. Zur Auswahl stehen die Integrierte Gesamtschule (IGS), zwei Gymnasien, zwei Realschulen sowie die Freie Waldorfschule. Welche Rechte haben Eltern bei der Schulwahl? Was passiert, wenn die Wunschschule keinen Platz hat? Und wie riskant ist es, den pädagogischen Rat der Grundschule zu ignorieren?
Haben Eltern einen rechtlichen Anspruch auf die empfohlene Schule?
Die Schullaufbahnempfehlung aus der Grundschule ist nicht bindend. Eltern haben freie Wahl bei der Schulart, jedoch keinen Anspruch auf eine bestimmte Schule.
Wie wird ausgewählt?
Die IGS Robert Schuman ist regelmäßig überlaufen. Auch die Schiller-Realschule stößt an Kapazitätsgrenzen – dort entscheiden zunächst das Los und der Besuch von Geschwisterkindern. Die Realschule plus im nahegelegenen Bobenheim-Roxheim hat begrenzte, aber ausreichend Plätze, trotz derzeitigen Unterrichts in Containern wegen des laufenden Neubaus.
Wie viele Schüler sind am Ende der Orientierungsstufe vom Gymnasium in die Ebert-Realschule gewechselt?
Dazu führt die Schulaufsicht ADD keine Statistik. Aus vier sechsten Klassen mit 85 Schülern wurden am Ende der gymnasialen Orientierungsstufe vier siebte Klassen mit 88 Schülern gebildet.
Was passiert, wenn im bevorzugten Schultyp kein Platz verfügbar ist?
Jeder Schüler erhält einen Platz in der gewünschten Schulart, betont die ADD. Bei Überfüllung würden Alternativen angeboten – zunächst in Frankenthal, dann in der Umgebung. Bliebe im dritten Schritt anstatt eines Gymnasiums zunächst eine Realschule Plus, könne zu einem späteren Zeitpunkt ins Gymnasium gewechselt werden.
Und wenn sich Eltern über den Rat hinwegsetzen und ihr Kind trotz Realschulempfehlung im Gymnasium anmelden?
Die Orientierungsstufe dient dort dazu, die gymnasiale Eignung zu prüfen. Nachhilfe, Schulpsychologen oder letztlich ein Schulwechsel könnten bei Leistungsdefiziten in Betracht gezogen werden.
Wie viele Kinder sind mit einer Realschulempfehlung auf dem Karolinen- oder Albert-Einstein-Gymnasium?
Auch dazu fehlen offizielle Zahlen. Eine Mutter, die ihren Sohn am Gymnasium angemeldet hatte, da in der Schiller kein Platz frei und die Ebert nicht in die Wahl gezogen war, ist sich sicher, dass ihr Junge nicht der einzige mit dieser Schulbiografie in seiner Klasse ist.
Schiller- oder Ebert-Realschule – wie haben sich Eltern voriges Jahr entschieden?
In der Ebert-Realschule wurden laut Schulaufsicht ADD drei Klassen mit 67 Schülern gebildet, acht Plätze wären dort noch frei. In der Schiller-Realschule sind fünf fünfte Klassen mit 122 Schülern gestartet, drei Plätze werden dort vorgehalten. Gedeckelt ist seit Jahren nur die Jahrgangsgröße in der „Schiller“.
Ute Hatzfeld-Baumann, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat, hat kein Verständnis für solche Entscheidungen. Die Friedrich-Ebert-Realschule werde zu Unrecht als „Resterampe“ abgestempelt, obwohl dort engagierte Lehrkräfte integrativ arbeiteten. Wie wird die Frankenthaler Schullandschaft insgesamt wahrgenommen?
Es gibt in ihren Augen ein Gefälle in der Wertigkeit – oft unabhängig von den Bedürfnissen des Kindes, so ihre langjährige Beobachtung. „Ein Schulwechsel wird dann vielfach als Niederlage gewertet und belastet die betroffenen Schüler.“ Die Ebert-Realschule wird unterschätzt, wirbt die Migrationspatin für die Einrichtung am Jakobsplatz.
Was kann die IGS auffangen?
Die Hälfte der Plätze werde an leistungsstarke Schüler vergeben – entgegen dem Gebot einer Mischung aller Leistungsniveaus, moniert Hatzfeld-Baumann.
Wie erklärt sie sich den kritischen Blick auf die Ebert-Realschule?
Für sie ist er nicht gerechtfertigt. Hohe Abschlussquoten, engagierte Lehrkräfte und Übergänge bis hin zum Abitur zählt sie als deren Stärken auf. Basis- und Erweiterungskurse ab der siebten Klasse zeigten die Flexibilität der Schule. „Dennoch gilt sie wegen des hohen Migrationsanteils als weniger attraktiv.“
Was sagt die Schulleitung ihrerseits dazu?
Sie hat erneut nicht auf eine RHEINPFALZ-Anfrage nicht reagiert.
Seit der Pensionierung von Schulleiter Stephan Hirt im Sommer 2025 wird die FES kommissarisch geleitet. Wann ist ein neuer Direktor zu erwarten?
Eine Besetzung wird angestrebt, Bewerbungen liegen vor, kündigte die ADD an. Das Besetzungsverfahren soll in Kürze starten, wann es abgeschlossen sein wird, ist offen.
Ist die Schulaufsicht eingebunden in die Planungen eines neuen Schulcampus im Süden der Stadt, der erklärtermaßen auch das Image der Ebert-Realschule aufwerten soll?
Die ADD ist dazu im Austausch mit der Stadt. Die Pläne befänden sich aber noch in einem frühen Stadium. Sobald sie sich konkretisieren, werde auch die Vergabe von Fördermitteln für den Neubau geprüft.
Im Netz
Der Gesetzestext zum Aufnahmeverfahren in der Integrierten Gesamtschule in der Schulordnung.


