Frankenthal
Betreuung und Hilfe im Haushalt: Kimberly Bulur gründet Dienst „Alltags Fee“
Kimberly Bulurs Mittel gegen die Überlastung von pflegenden Angehörigen ist ihr Haushalts- und Betreuungsdienst „Alltags Fee“ mit Sitz im Frankenthaler Vorort Studernheim, der am 1. April an den Start gegangen ist. Dass es einen großen Bedarf für ihre Dienstleistungen gibt, hat sie bereits gemerkt: Besucht werden derzeit rund 50 Kunden. Bulur hat mit zwei Mitarbeiterinnen begonnen, jetzt sind es bereits vier. Ab Mai sollen zwei weitere hinzukommen.
Die 33-Jährige war wie ihre Freundinnen, die unterstützend mit im Boot sind, vorher im kaufmännischen Bereich bei Pflegediensten angestellt. Dadurch lernten die Frauen die Nöte von alleinstehenden, hilfebedürftigen Menschen kennen – und die von Angehörigen, die mit der Alltagsbewältigung überfordert sind.
Neben der Pflege viele weitere Hilfen nötig
Viele haben einen Pflegedienst engagiert. Einige dieser Dienste bieten auch Haushaltshilfen an. Aber es gibt zu wenig freie Plätze für diese ergänzenden Arbeiten. Das möchte Kimberly Bulur durch ihr Angebot ändern. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder, eines davon mit eingeschränkter Gesundheit. Außerdem hat sie vor drei Jahren die Alltagsbetreuung ihrer Großeltern übernommen. Dies machte ihr deutlich, dass neben der Pflege selbst viele weitere Hilfen nötig sind.
„Mit meinem Team leiste ich keine Pflegearbeit, aber oft dringend notwendige Arbeiten, die ab Pflegestufe 1 finanziell abgedeckt sind,“ sagt Bulur. Als Beispiele nennt sie Haushaltsarbeiten wie Kochen, Einkaufen und Wäschewaschen sowie die Begleitung zu Ärzten, Therapeuten oder Behörden. Manchmal seien die Kunden sehr einsam, hätten kaum oder gar keine Kontakte mehr. Sie seien dann dankbar für ein längeres Gespräch und eine Begleitung zum Spaziergang, wie Bulur sagt. Auch wenn nur kurze Zeit Entlastung nötig ist, etwa nach einem längeren Krankenhausaufenthalt, wenn die Versorgung von Kindern schwerfällt, können die Mitarbeitenden diese Arbeit übernehmen. Bei einem kostenlosen Erstgespräch zu Hause bei den Interessenten wird geklärt, was gewünscht und möglich ist. Die Angebote des Dienstes „Alltags Fee“ sind zugelassen für Frankenthal, Ludwigshafen und den Rhein-Pfalz-Kreis.
Ein Jahr von der Idee zum fertigen Dienst
Bulur wird von ihrer Freundin Sarah Enuoma unterstützt, die ebenfalls Mutter eines gesundheitlich eingeschränkten Kindes und derzeit als Praktikantin beim Dienst „Alltags Fee“ ist. Ab Juni werde Enouma fest angestellt, so Bulur. Die ebenfalls langjährige Freundin Stephanie Stoll übernimmt einen Teil der Büroarbeiten und Organisation ehrenamtlich. Sie benötigt aufgrund eines Unfalls vor zehn Jahren einen Rollstuhl, versorgt zudem ihre eingeschränkte Tochter. „Zum Glück habe ich meine Familie und meinen Partner, komme daher gut zurecht. Aber es gibt Tage, da könnte ich nicht mitarbeiten, deshalb versuche ich es erst einmal ehrenamtlich“, sagt Stoll.
Zudem gibt es eine Kooperation mit zwei examinierten Pflegekräften. Diese kommen einmal im Monat zur Schulung und vermitteln fachliche Kenntnissen, etwa wie man mit Dementen umgeht.
Bis die Idee für den Dienst „Alltags Fee“ umgesetzt werden konnte, verging rund ein Jahr. Zunächst mussten ein Konzept und ein Business-Plan erarbeitet und die Genehmigung der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) eingeholt werden. Die Finanzierung wurde langfristig geplant, und so konnte der Haushalts- und Betreuungsdienst aus eigenen Mitteln erfolgen, was Bulur wichtig war. „Mit Stephanie und Sarah gemeinsam habe ich vieles besprochen und gemeinsame Erfahrungen ins Konzept einfließen lassen“, berichtet die Inhaberin. Das sei sehr hilfreich gewesen.
„Angehörige gehen über ihre Grenzen hinaus“
Ab Anfang März begann die Werbung, wobei vor allem Arztpraxen, Physiotherapeuten und Podologen sowie Apotheken kontaktiert wurden. „Selbstverständlich haben wir auch Gespräche mit Pflegediensten und den Pflegestützpunkten geführt, denn wir verstehen uns als Ergänzung zu diesen Angeboten“, verdeutlicht Bulur.
„Bei meiner bisherigen Arbeit habe ich schon mehrfach mitbekommen, dass helfende Angehörige über ihre Grenzen hinausgegangen sind und somit auch das Alltägliche nicht mehr bewältigen konnten,“ erzählt Enuoma. Und auch Stoll hat bereits Menschen erlebt, die nach einer schweren Erkrankungen nicht mehr die nötige Kraft für die eigene Körperpflege und den Haushalt hatten. Da könne durch Beratung und Vermittlung viel erreicht werden, findet das Team vom Dienst „Alltags Fee“.