Vorderpfalz
Expo Real: Warum einige Städte auf der Immobilienmesse werben – andere nicht
Mit Gesamtkosten nicht unter 25.000 Euro inklusive Personalaufwand und Material rechnet Robin Nolasco, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung und Bauwesen in Speyer, für eine Teilnahme an Europas größter Fachmesse für Immobilien und Investitionen. Die Stadt habe deshalb bislang davon Abstand genommen. Erfahrungsgemäß sei die Messepräsenz für Kommunen in der Größe von Speyer (50.000 Einwohner) meist wenig zielführend, „weil Investoren häufig kein Standortinteresse an mittelgroßen Kommunen unter 100.000 Einwohner zeigen, insbesondere wenn es nicht um zentrale innerstädtische Lagen geht“, teilt die Pressestelle auf Anfrage mit. Der Aufwand sei grundsätzlich interessant, wenn größere Siedlungsgebiete oder gar ganze Stadtteile in die Entwicklung gehen und Investoren aus dem gesamten deutschsprachigen beziehungsweise europäischen Raum akquiriert werden sollen.
Ein solches Großprojekt hat auch Frankenthal, ebenfalls mit knapp 50.000 Einwohnern, nicht zu bieten. Weil es bislang mehr Nachfrage als verfügbare Flächen gab, habe die Stadt auf eine Teilnahme an der internationalen Immobilienmesse verzichtet, heißt es auf Anfrage. Mit dem geplanten Entwicklungskonzept für Gewerbeflächen könnte sich das ändern. Als Besucher sei ein Vertreter der Wirtschaftsförderung der Stadt in der Vergangenheit schon in München gewesen.
City West und neues Rathaus
Dabei konnte er dann wohl auch einen Einblick bekommen, wie sich die Nachbarstädte Ludwigshafen und Mannheim als Teil der Metropolregion Rhein-Neckar vermarkten. Mit einer Fläche von 320 Quadratmetern und etwa 20 Vertretern aus Wirtschaft und Verwaltungen zählt der Messestand der Metropolregion nach deren Aussage zu den größten der Expo Real. „Als dynamischer und zugleich solider Investitionsstandort“ präsentiere sich die 176.000-Einwohner-Stadt Ludwigshafen, die nach eigener Darstellung seit 19 Jahren auf der Messe bei Investoren für ihre Bauprojekte wirbt. Geplant sei diesmal ein eintägiger Besuch von Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) mit Wolfgang van Vliet, Vorstand der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft GAG, und Sonja Müller-Zaman, Geschäftsführerin der Lu-City-Entwicklungs-GmbH sowie zwei GAG-Mitarbeitern. Die Delegation wolle in München frühzeitig über künftige Stadtentwicklungsprojekte informieren und Kontakte knüpfen.
Als Stichworte nennt die Stadt die mit dem Abriss der Hochstraße Nord einhergehenden Pläne für eine City West, bei denen entlang der neuen Helmut-Kohl-Allee Wohnungen und Arbeitsplätze entstehen sollen, und die Neukonzeption eines modernen Rathauses – beides stehe noch am Anfang – sowie die Vorbereitung neuer Gewerbeflächen im Mittelstandspark, wo bereits ab 2023 gebaut werden könnte. „Die Expo Real ist ein wichtiger Ort, um Investoren für unsere Stadt zu interessieren“, wird die OB in einer Pressemitteilung zitiert. Die Ausgaben für die Messeteilnahme beziffert die Pressestelle auf Anfrage wie folgt: Die so genannte Logopartnerschaft am Stand der Metropolregion koste rund 8300 Euro, dazu kommen fünf Messetickets für Aussteller à 385 Euro.
Klimaneutrales Bauen
Nachhaltigkeit sowie neue Anforderungen an Gewerbe- und Bürogebäude sollen zwei zentrale Themen des Messeauftritts der Stadt Mannheim mit ihren über 320.000 Einwohnern sein. Als Beispiele eines ganzen Pakets an Vorhaben werden der „Medical Technology Campus“ in der Nähe der Universitätsmedizin mit Flächen für Start-ups und Unternehmen aus der Gesundheitswirtschaft und die Umgestaltung des ehemaligen Industrieareals „Turbinenwerk“ im Stadtteil Käfertal mit nachhaltigen Gewerbeimmobilien genannt. Als eine von 100 EU-Modellstädten für Klimaneutralität bis 2030 habe Mannheim sich verpflichtet, auf dem Weg zur klimaneutralen, nachhaltigen Stadt voranzugehen – was auch Thema der Bundesgartenschau ab April 2023 sei. Im Zuge der Buga sollen 2000 neue Wohnungen auf der ehemaligen Konversionsfläche Spinelli entstehen.
Mit der Vermarktung der letzten beiden Baufelder durch potenzielle Investoren nähere sich die Entwicklung des Glückstein-Quartiers – einem Areal mit Büros, Wohnungen, Hotel und Kultur auf der Südseite des Hauptbahnhofs – ihrem Abschluss. In der Innenstadt sollen in den kommenden Monaten und Jahren beispielsweise mit der Post am Paradeplatz und dem Galeria-Kaufhaus markante Gebäude neu genutzt werden.
Nicht vertreten ist diesmal der Rhein-Pfalz-Kreis, der sich in der Vergangenheit schon beteiligt hatte. Es werde Jahr für Jahr über eine Logopartnerschaft entschieden, so eine Sprecherin der Verwaltung – 2022 mit Daumen nach unten: „In diesem Jahr steht für die Wirtschaftsförderung die Unterstützung der Betriebe vor Ort und der Breitbandausbau im Vordergrund.“