Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Wirtschaftsförderer: Brauchen Platz für Zukunftsbranchen

Will den Tourismus in Frankenthal voranbringen: Steven Müller.
Will den Tourismus in Frankenthal voranbringen: Steven Müller.

Frankenthal braucht zusätzliche Flächen für Gewerbe und Wohnen, um in der Region wettbewerbsfähig zu bleiben. Davon ist Steven Müller überzeugt. Seit März ist der 27-Jährige als Leiter einer neu geschaffenen Stabsstelle für Wirtschaftsförderung, Standortentwicklung und Tourismus zuständig.

Für einen, zu dessen zentralen Aufgaben es gehört, Menschen zusammenzubringen, sind das keine idealen Zeiten. Doch Müller hat die Pandemie-Monate seit seinem Dienstantritt im März genutzt, um über Onlinebesprechungen Kontakte in der Region zu knüpfen und innerhalb der Verwaltung Partner zu suchen. Einige Unternehmensbesuche seien inzwischen schon möglich gewesen, sagt Müller, der sein Büro – irgendwie passend – über der Wirtschaft Brauhaus zur Post im Neumayerring hat. Als Netzwerker will er in den kommenden Monaten kleinere Veranstaltungsformate wie beispielsweise das Wirtschaftsforum im Congress-Forum, Seminare für Einzelhändler und Best-Practice-Präsentationen für Gastronomen auf den Weg bringen.

Die erste Marathonsitzung im Stadtrat hat der 27-Jährige vergangene Woche absolviert. Auf der Tagesordnung dabei: der viel diskutierte Regionalplan, in dem festgeschrieben werden soll, wo Frankenthal in den nächsten Jahren noch wachsen könnte. In diese Debatte will Müller die Anliegen der regionalen Wirtschaft einbringen. Etwa zehn bis 15 Anfragen zu Ansiedlungs- und Erweiterungsmöglichkeiten hätten ihn in den zurückliegenden Wochen erreicht. „Da geht es um Flächen von 2000 Quadratmetern bis hin zu zehn Hektar“, sagt er.

E-Carsharing und Dienstleistungen

Der Wirtschaftsförderer sieht in der Ausweisung von neuen Gewerbeflächen auch die Chance, dabei gezielt auf Zukunftsbranchen zu setzen. Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind Schlagworte, die Müller hier nennt. Die Idee, gemeinsam mit den Stadtwerken in Frankenthal ein E-Carsharingsystem zu etablieren, sei ein Beispiel. Alternative Mobilitätskonzepte sind für ihn die Zukunftsaufgabe. „Verkehr ist in Sachen Klimabelastung der größte Faktor“, erinnert Müller. Wissen und Dienstleistung könnten weitere Branchen sein, die man gezielt mit neuen Gewerbeflächen in die Stadt holen könnte. Dabei weiß Müller auch: Ansiedlung funktioniert nur, wenn es daneben Wohnflächen für die Mitarbeiter gibt. „Die zentrale Frage ist: Was ist gut für den Standort?“, sagt der gebürtige Frankenthaler. Entscheidungsträger und Bürger dürften nicht nur das eigene Interesse im Blick haben.

Dass Frankenthal keine Touristenmetropole ist, da redet der junge Mann, der zuletzt in der Region Bremen und Bremerhaven gearbeitet hat, gar nicht lange drumrum. „Man verbringt hier sicher keinen Drei-Wochen-Urlaub.“ Aber für Tagestouristen, die von Frankenthal aus die Region erkunden wollen, habe die Stadt schon einiges zu bieten. Veranstaltungen wie das Strohhutfest und das Kneipenfestival Honky-Tonk, aber auch das Strandbad seien Besuchermagnete. Von der mit Landeszuschüssen geplanten Aufwertung der Innenstadt verspricht sich der Wirtschaftsförderer wichtige Impulse, um Kaufkraft nach Frankenthal zu holen.

Wofür steht die Stadt?

Auf die Frage, wofür die Stadt stehe, mit welchem Image sie für sich werben wolle, bleibt Müller vage. Von „offenem Standort“ und „Branchenmix“, den es zu erhalten gelte, spricht er. Doch diese Frage soll angepackt werden, nicht zuletzt durch die Aufwertung der Stabsstelle mit zwei Halbtagskräften. Dass Standortmarketing, Tourismus und Wirtschaftsförderung mehr Gewicht haben sollen, zeigt die Zuordnung der neuen Stelle direkt im Dezernat des Oberbürgermeisters.

Frankenthal hat damit auch auf eine Untersuchung des Marketinginstituts Imakomm Akademie reagiert, die der Stadt 2019 bescheinigte, im Bereich Standortvermarktung und Wirtschaftsförderung „unzureichend aufgestellt“ zu sein. Für Wirtschaftsförderung und Standortmarketing im weitesten Sinn war bisher allein Daniel Strotmann zuständig, der mit einer halben Stelle als Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) und mit einer weiteren halben Stelle für den City- und Stadtmarketingverein arbeitete. Diese Strukturen sollen bestehen bleiben und thematisch in die Stabsstelle eingebunden werden. Citymanager und City- und Stadtmarketingverein seien wichtig für die Innenstadt, betont Müller. Aber wie die konkrete Zusammenarbeit aussehe, „hängt auch davon ab, wie der Verein sich einbringen will“, sagt Pressesprecherin Xenia Schandin.

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