Steinbach TuS-Trainer Timothy Hanauer kauft Jugendherberge
Noch fehlt die notarielle Beurkundung, doch inzwischen steht fest: Die Ortsgemeinde Steinbach wird das Gebäude, in dem bis vor anderthalb Jahren die Jugendherberge untergebracht war, an Timothy Hanauer aus Alzey verkaufen. „Er kennt und schätzt die Gegend, sieht die Potenziale. Sein Konzept hat uns überzeugt“, betont Ortsbürgermeisterin Susanne Röß im Gespräch mit der RHEINPFALZ.
Hanauer wolle den Jugendherbergsgedanken beibehalten und eine attraktive Unterkunft für Gruppen, Schulklassen, Vereine, Initiativen, Naturfreunde und Touristen bieten, so Röß. Das decke sich komplett mit dem Bestreben der Ortsgemeinde. „Darum haben wir im vergangenen Jahr nach der Schließung das Gebäude gekauft. Um einen Betreiber zu finden, der das in unserem Sinne weiter führt.“
Fußballer von B-Klasse bis in die Landesliga geführt
Zumindest den Fußball-Freunden im Kreis ist der Name Timothy Hanauer längst ein Begriff: Mit kurzer Unterbrechung trainiert der 36-Jährige seit sieben Jahren die erste Mannschaft des TuS 07 Steinbach, führte sie von der B-Klasse in die Aufstiegsrunde der Landesliga. Im Sommer soll dann aber Schluss sein, wie er kürzlich mitgeteilt hat – seine Mission beim TuS sieht er dann als erfüllt an. Nicht zuletzt, weil sich der verheiratete Familienvater verstärkt um die Fußballschule kümmern will, die er Anfang des vergangenen Jahres mit seiner Ehefrau Alicia gegründet hat. Diese könnte künftig – so ist es angedacht – ebenfalls einen Teil der Jugendherberge einnehmen. Detaillierter zu seinen Plänen äußern will sich Hanauer gegenüber der Öffentlichkeit aber erst, wenn der Kauf endgültig unter Dach und Fach ist.
Damit geht für die Ortsgemeinde eine turbulente anderthalbjährige Suche nach einer neuen Nutzungsmöglichkeit des Gebäudekomplexes zu Ende. Wie mehrfach berichtet, hatte der Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland im Deutschen Jugendherbergswerk im März 2020 bekannt gegeben, dass die Einrichtung Corona-bedingt geschlossen, aber auch nach Ende der Pandemie nicht mehr öffnen wird. Der geschäftsführende Vorstand Jacob Geditz hatte damals betont, dass „wir nicht in der Lage sind, Investitionen in großem Umfang aufzubringen, die für die Zukunftssicherung des Hauses notwendig wären“. Hintergrund: Das Gebäude am Fuße des Donnersberg war letztmals in den 1990er Jahren saniert worden, die Ausstattung nicht mehr zeitgemäß.
Seit November 2020 Kita-Gruppe
Im Oktober 2020 hatte die Ortsgemeinde das Gebäude vom Jugendherbergswerk erworben – sich anschließende Überlegungen, darin einen Inklusionsbetrieb zu eröffnen, ließen sich jedoch nicht in die Tat umsetzen. Stattdessen ist im November 2020 eine Gruppe der Steinbacher Kita in die Jugendherberge eingezogen, weil der örtliche Kindergarten aus allen Nähten platzte.
Schon alleine deshalb sei die Übernahme des Hauses „zu jeder Zeit die richtige Entscheidung“ gewesen, hatte Röß mehrfach betont. Allerdings habe sich im Laufe der Monate auch gezeigt, dass die Unterhaltung des Gebäudes dauerhaft von der Gemeinde alleine kaum zu stemmen sei. Deshalb haben sich die Steinbach nach möglichen Kaufinteressenten umgesehen – deren zwei hatten im vergangenen Herbst ein Konzept vorgelegt. Neben Hanauer hatte auch der Landesfeuerwehrverband den Finger gestreckt: Dieser hätte gerne mit den Feuerwehren im Donnersbergkreis in der ehemaligen Jugendherberge ein Schulungszentrum eingerichtet.
Region soll eingebunden werden
Den Zuschlag hat aber Hanauer erhalten – zu einem Preis, so Röß, der für beide Seiten mehr als zufriedenstellend sei. „Man hätte das Gebäude sicher auch für mehr Geld verkaufen, Wohnungen oder ein Hotel daraus machen können. Wir wollen aber die Region mit einbinden – ob Keltendorf, Golfplatz, Donnersberg, Wander- und Mountainbikewege, Weiße Grube oder Museen“, sagt Röß. Von der Jugendherberge aus sei dies alles leicht erreichbar. „Diese Potenziale hat auch Timothy Hanauer gesehen“, freut sich die Ortschefin über die sowohl für den neuen Besitzer als auch für die Ortsgemeinde positive Lösung. Sympathisch sei dem Gemeinderat auch gewesen, dass die Kita-Gruppe im Haus bleiben darf und die Wanderhütte mit ins Konzept aufgenommen werden soll.
Daten und Fakten: Jugendherberge Steinbach