Steinbach RHEINPFALZ Plus Artikel Jugendherberge in Steinbach wird nicht wieder öffnen

Die Jugendherberge in Steinbach ist die einzige ihrer Art im Donnersbergkreis.
Die Jugendherberge in Steinbach ist die einzige ihrer Art im Donnersbergkreis.

Coronabedingt ist die Jugendherberge in Steinbach natürlich geschlossen. Sie wird aber auch nach der Coronakrise nicht wieder öffnen. Entsprechende Informationen aus dem Umkreis der Einrichtung hat Jacob Geditz, Vorstandsvorsitzender von „Die Jugendherbergen Rheinland-Pfalz und Saarland“, gestern gegenüber der RHEINPFALZ bestätigt. Ein schwerer Schlag auch für den Tourismus im Landkreis.

Die Nachricht ihrer Entlassung war für die neun Mitarbeiter, die laut RHEINPFALZ-Informationen erst seit letzter Woche in Kurzarbeit waren, am Donnerstag ein Schock. Den Mitteilungen sei aber zudem zu entnehmen, dass es hier nicht um eine vorübergehende Maßnahme wegen der Corona-Krise gehe, sondern um eine endgültige Schließung. Ein Schock für Steinbach, ein Schock ebenso für den gesamten Tourismus in der Region. Es handelt sich hier um die einzige Jugendherberge im Donnersbergkreis. Letztes Jahr soll es hier 17.000 Übernachtungen gegeben haben. Das sind über zehn Prozent der jährlichen Gästeübernachtungen im gesamten Donnersbergkreis.

Geditz: Müssen dauerhaft schließen

„Aktuell ist die Situation so, dass wir in allen Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz und im Saarland keine Belegung haben. Das führt aktuell zum kompletten Wegfall unseres Geschäftsmodells und zu Einnahmeverlusten in Höhe von mehreren Millionen und gefährdet die Existenz des Verbandes“, gab gestern Jacob Geditz gegenüber der RHEINPFALZ zu verstehen. Wann wieder normale Verhältnisse herrschen werden, sei nicht absehbar. „Wie gehen davon aus, dass es in diesem Jahr nicht mehr zu einer geregelten Belegung in vollem Umfang kommt.“ Oberste Priorität sei, „das ’Unternehmen’ Jugendherbergen zu erhalten, mit der überwiegenden Mehrzahl aller Standorte und der größtmöglichen Sicherheit für den Erhalt der Arbeitsplätze für die überwiegende Zahl unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dies steht bei allen unseren Bemühungen zur Bewältigung der Krise im Vordergrund.“

Dies sei ohne Einschnitte leider nicht möglich und bedeute, „dass wir die Jugendherberge Steinbach dauerhaft schließen müssen, weil wir nicht in der Lage sind, Investitionen in großem Umfang aufzubringen, die für die Zukunftssicherung des Hauses notwendig wären“. Das bedaure man sehr, „insbesondere auch, weil wir uns von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern trennen müssen“.

Lauchner: „Da stockt einem der Atem“

Schon die Plötzlichkeit dieser Entscheidung ist für die Betroffenen schwer zu verdauen, für die Mitarbeiter, aber auch für die Ortsgemeinde und die Touristiker im Kreis. „Klar gibt es die Corona-Krise. Aber so schnell zu sagen, wir machen nicht mehr auf – da stockt einem der Atem“, sagte am Donnerstag DTV-Geschäftsführer Simon Lauchner. Von einer „Katastrophe“ und einem „Riesenverlust für die Region“ sprach Ortsbürgermeisterin Susanne Röß, die das aber keineswegs einfach so abhaken will. Sie werde jetzt in alle Richtungen vorfühlen, welche Wege der Einflussnahme noch offen stehen könnten. Auch Lauchner will die Hoffnung nicht aufgeben.

Nein, Signale in diese Richtung habe sie nicht vernommen, sagte Röß gestern weiter. „Ich kann das gar nicht einordnen, warum das jetzt gemacht wird.“ Sie berichtet allerdings von einem Gespräch im Spätjahr 2019, in dem unter anderem mit Landrat Guth, Wirtschaftsförderer Rainer Bauer und eben Jacob Geditz über die Frage gesprochen worden sei, wie es touristisch weitergehe in der Region. Damals sei ihr schon eine spürbare Reserviertheit beim DJH-Vorsitzenden aufgefallen. Im Rückblick auf dieses Gespräch habe die Entscheidung im Rahmen der Corona-Krise für sie einen gewissen Beigeschmack. Die Jugendherberge, in den 90er Jahren zuletzt saniert, sei sicher nicht auf dem Stand der Zeit und biete nur einfachen Standard. Aber gerade das habe viele Leute angezogen mit Natur- und Umweltbewusstsein, die an Luxus nicht interessiert seien. Hart träfe die Schließung die touristischen Angebote vor Ort, insbesondere das Keltendorf unmittelbar vor der Haustür, aber nicht minder die Bergbauerlebniswelt in Imsbach.

Die gleichen Aspekte bereiten natürlich ebenso DTV-Chef Lauchner Kopfzerbrechen. „Ich bin noch etwas sprachlos“, gab er zu Protokoll, „mir geht das jetzt zu schnell“. Auch er spricht mit Blick auf die Tourismusentwicklung von einer Katastrophe. In diesem Preissegment und für dieses Publikum – Kinder, Jugendliche, junge Familien, Schulklassen – gebe es im Kreis ja keinerlei Alternative. Im Ensemble hätten sich gerade Keltendorf und Jugendherberge hervorragend gegenseitig befruchtet.

Bauer: „Ein dicker Hund“

„Ein dicker Hund, nach einer Woche Schließung eine solche Entscheidung zu treffen“, ärgerte sich gestern Reiner Bauer, Leiter der Stabsstelle Wirtschaftsförderung und Standortentwicklung und nebenbei Röß’ Vorgänger als Ortsbürgermeister, über diese Entscheidung des Jugendherbergswerkes und ebenso über die fehlende Kommunikation. Immerhin gebe es die Jugendherberge nun gut 60 Jahre. Es gelte nun, eine Kommunikationsebene aufzubauen, um auch über das Weitere reden zu können, zum Beispiel die bauliche Situation. „So bei Nacht und Nebel das Licht auszumachen, ist nicht der richtige Weg.“ Die Entscheidung trifft ihn auch als Wirtschaftsförderer, da damit eine wichtige Säule des Tourismus wegbricht, mit ihr ein wichtiger Standort und eine wichtige Zielgruppe.

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