Steinbach RHEINPFALZ Plus Artikel Kita-Gruppe ist in ehemalige Jugendherberge gezogen

Den Kindern gefällt es in ihren neuen Räumen. Platz haben sie jedenfalls reichlich.
Den Kindern gefällt es in ihren neuen Räumen. Platz haben sie jedenfalls reichlich.

Seit Montag herrscht in einem Teil der ehemaligen Jugendherberge wieder Leben: Eine Gruppe des Steinbacher Kindergartens ist dort eingezogen. Vorübergehend, heißt es, aber ein Zeitlimit gibt es nicht. Die Ortsgemeinde stellt die Räume mietfrei zur Verfügung. Den Umzug hat die Verbandsgemeinde, die Trägerin der Einrichtung ist, ohne größeren Aufwand gestemmt.

Es war ein Schlag, nicht nur für die Gemeinde Steinbach, sondern für den gesamten Donnersbergkreis, als im März dieses Jahres ohne Vorwarnung bekannt wurde, dass die Jugendherberge auch nach Corona nicht mehr öffnen würde. Für den Betreiber, den Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland im Deutschen Jugendherbergswerk, war sie angesichts eines beträchtlichen Sanierungsstaus nicht mehr wirtschaftlich.

Doch die Betroffenen haben sich von dem Schrecken schnell erholt: Bereits im Juni hat die Ortsgemeinde Steinbach das Gebäude gekauft und sofort mitgeteilt, dass auch in Zukunft eine Nutzung als touristischer Übernachtungsbetrieb angestrebt werde.

Da der Steinbacher Kindergarten aus allen Nähten platzte, beschlossen unabhängig davon der Verbandsgemeinderat Winnweiler und der Ortsgemeinderat Steinbach im Herbst, dass eine dritte Kita-Gruppe, bisher gab es in Steinbach zwei, vorübergehend in der ehemaligen Jugendherberge untergebracht werden sollte. Gestern sind die 25 Kinder nun eingezogen.

„Wir hatten das Platzproblem auf dem Schirm“

„Wir hatten es seit dem Frühjahr auf dem Schirm, dass ab Herbst nicht ausreichend Kindergartenplätze zur Verfügung stehen würden“, sagte Verbandsbürgermeister Rudolf Jacob gestern beim Ortstermin mit der RHEINPFALZ. „Wir haben seitens des Trägers, also der Verbandsgemeinde, darauf hingewiesen, dass das räumlich nicht kompensiert werden könnte. Das sah man bei den Fachbehörden zunächst nicht so. Im Sommer hatten wir dann aber einen Termin mit dem Landesjugendamt. Danach wurde dort unsere Einschätzung geteilt. Da waren es dann auch schon 15 Kinder, die im Kindergarten unten im Dorf nicht untergebracht werden konnten.“

In Betracht gezogen hat die VG neben der Jugendherberge auch eine ausgelagerte Waldgruppe. „Da war allerdings die Rückmeldung seitens der Eltern nicht gerade ermutigend“, so Jacob. Zunächst sei dann von der Ortsgemeinde das Angebot gekommen, das Bürgerhaus zur Verfügung zu stellen. „Im Frühsommer zeichnete sich dann aber schon der Eigentümerwechsel für die Jugendherberge ab. Jetzt gehört das Gebäude der Ortsgemeinde, und die hat uns gleich grünes Licht gegeben, eine Gruppe hier unterzubringen.“ Es folgten Ortstermine mit den Fachbehörden, die unter anderem zuständig sind für Brandschutz, Unfallkasse und Arbeitssicherheit. „Es stellte sich schnell heraus: Es geht! Sowohl räumlich, als auch vom Aufwand her.“

Ordentlich Platz für maximal 25 Kinder

Die Gruppe, die Kapazitäten für bis zu 25 Kinder hat und deren Potenzial auch bereits ausgeschöpft ist, verfügt über einen Gruppenraum, einen Turnraum, eine Küche und Platz zum Essen. Außerdem über eigene Toiletten. Und ganz wichtig, der Kita-Bereich wurde baulich vom Rest der Jugendherberge abgetrennt.

Es sind nicht die Kleinsten, die in der Jugendherberge eine neues Domizil gefunden haben, sondern die Vier- bis Sechsjährigen, was die Sache um einiges leichter macht. Denn es müssen zum Beispiel keine Wickel- oder Mittagsschlafmöglichkeiten vorgehalten werden.

Der Umbau war laut Jacob nicht einmal sonderlich aufwendig: „Größter Brocken war die Trennwand zum Rest des Gebäudes. Dazu kamen Schutzplatten vor den Heizkörpern, kindgerechte Toiletten, eine Küche und neue Möbel. Dann kleinere Arbeiten wie das Anbringen von Rauchmeldern und Verkabelungen. Insgesamt haben wir dafür rund 20.000 Euro aufgewendet. Die Gruppe kann das Außengelände nutzen, und wir haben inzwischen auch erreicht, dass die Kinder aus Breunigweiler mit dem Bus gebracht und abgeholt werden. Alles in allem sind wir mit dieser Übergangslösung sehr zufrieden.“

In der Tat sind die Verhältnisse geräumiger als in so mancher „regulären“ Kita. Dieser Meinung sind auch Kita-Leiterin Natascha Breitenbruch und Ortsbürgermeisterin Susanne Röß.

Provisorium mit Luft nach oben

Wie bereits erwähnt, ist die Einrichtung eigentlich als Provisorium gedacht und zunächst nur bis zum kommenden Sommer genehmigt. Die Genehmigung werde aber wohl bis ins folgende Kindergartenjahr ausgeweitet, sagt Jacob. Möglicherweise sogar noch länger. Zeitdruck herrscht jedenfalls nicht, wie auch Ortschefin Röß betont: „Natürlich wollen wir in dem Gebäude wieder einen Beherbergungsbetrieb haben, aber da zeichnet sich im Moment noch nichts ab.“ Und selbst wenn – dank der räumlichen Trennung wäre in dem Gebäude auch beides möglich. Das bestätigt auch Jacob: „Das eine muss das andere nicht ausschließen.“

Personell ist das Ganze auch gut zu stemmen, wie Natascha Breitenbruch bestätigt. „Drei Erzieher, die sich 2,25 Stellen teilen, sind fest hier, außerdem gibt es noch Aushilfen.“ Das sei gut zu machen, ergänzt Jacob, da man sich aus dem Erzieherinnen-Pool der Verbandsgemeinde bedienen könne. Das sei ein Vorteil der VG-Trägerschaft.

Wie erwähnt, ist die Gruppe in der ehemaligen Jugendherberge bereits voll, dafür gibt es in der Kita im Ort wieder freie Plätze. „Wir sind der Ortsgemeinde sehr dankbar, dass sie das so unbürokratisch mitgetragen hat“, sagt Jacob. Die VG muss dafür keine Miete zahlen und trägt lediglich die Kosten für die Unterhaltung und die Nebenkosten. Jacobs Dank gilt auch dem Kita-Personal „für sein Engagement über das normale Maß hinaus“, den Mitarbeitern des Bauhofs der VG und den Steinbacher Gemeindearbeitern. „Wir hätten gerne eine kleine Feier organisiert, aber coronabedingt ist das ja im Augenblick leider nicht möglich.“

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