Donnersbergkreis
BSW-Kandidat Tim Winter setzt auf klare Regeln, Digitalisierung und Wählerwillen
Geboren und aufgewachsen ist Tim Winter in Sachsen-Anhalt, hat die Wende und ihre Herausforderungen miterlebt. „Ich habe gesehen, was es heißt, wenn Politik nicht die Menschen mitbedenkt, wenn Industrie kaputtgeht und Menschen ihre Jobs verlieren“, sagt er. Damit Wähler nicht wieder aus dem Fokus geraten, will er es besser machen und ihnen mit dem „Bündnis Sahra Wagenknecht“ eine politische Heimat zurückgeben.
Erst vor 13 Jahren verschlug es den gelernten Fachinformatiker in die Region. Mittlerweile lebt der 37-Jährige mit seiner Ehefrau im Eisenberger Stadtteil Steinborn. „Man wohnt recht schön, auch wenn es etwas beschaulich ist. Mit einem Führerschein kommt man trotzdem vom Donnersbergkreis recht schnell in Ballungsräume“, sagt er. Einen Ausgleich zu den vielen Stunden vor dem Rechner findet er beim Gärtnern und in seiner Nebentätigkeit als Hausmeister.
Neue politische Heimat gefunden
Zuvor habe sich der introvertierte 37-Jährige, wie er sich selbst beschreibt, noch nie in einer Partei engagiert, ist politisch ein unbeschriebenes Blatt. „Ich war der klassische ,Die Linke’-Wähler als Sahra Wagenknecht noch das Gesicht der Partei war“, erzählt er. Irgendwann habe er sich in der Partei nicht mehr gut aufgehoben gefühlt. Als sich BSW formierte, habe er sich die Partei genauer angesehen, ist seitdem dort geblieben. Eigentlich sei er nicht der Typ, der ins Rampenlicht strebt. „Aber ich finde es wichtig, dass jemand von hier die Interessen im Landtag vertritt“, so der Vater einer 16-jährigen Tochter.
Dass er einen Großteil seines Lebens außerhalb des Donnersbergkreises verbracht hat, empfindet Tim Winter für seine Kandidatur nicht als Hindernis: „Mir geht es mehr um Menschen und weniger um Dinge.“ Politisch legt er seine Schwerpunkte deswegen auf Themen wie Digitalisierung: „Gerade beim Glasfaserausbau braucht es mehr Ordnung“, sagt der IT-Fachmann mit kaufmännischem Hintergrund und wirtschaftlicher Kompetenz, um auch für Firmen attraktiv zu sein. In manchen Regionen lägen drei Netze übereinander in der Erde, in anderen seien Leerrohre verlegt, die niemand mehr wiederfinde. Er plädiert für mehr Kontrolle bei der Auftragsvergabe.
Digitalisierung und ÖPNV stärken
Gleichzeitig will er den Ausbau digitaler Services bei Verwaltungen vorantreiben und Angebote standortübergreifend vereinheitlichen, um Bürokratie abzubauen. Trotzdem sollen analoge Angebote erhalten bleiben, „nicht jeder kommt mit Technik gleich gut zurecht, und manchmal ist persönlicher Kontakt mit Behördenmitarbeitern einfach sinnvoller“.
Wichtig ist ihm die Stärkung der Infrastruktur und des ÖPNV: Besonders liegt ihm die Reaktivierung der Bahnstrecke Enkenbach – Ramsen am Herzen. „Würde sie wie früher wieder bis nach Kaiserslautern reichen, brächte das den Menschen mehr Flexibilität.“ Auch in einer geänderten Taktung der Busse sieht er Potenzial, den Donnersbergkreis als erweiterten Speckgürtel von Kaiserslautern attraktiv zu gestalten.
„Kommunen sollen immer mehr leisten“
Winter spricht er sich gegen Werbeauftritte der Bundeswehr an Schulen aus. „Klar ist, wir brauchen Leute, die zur Bundeswehr gehen. Aber sie sollen sich informiert dafür entscheiden und nicht weil die Art der Werbung wie ein Videospiel aufgebaut ist.“ Kritisch sieht er außerdem die bisherige Finanzpolitik im Land: „Kommunen sollen immer mehr leisten, aber kriegen nicht mehr Geld.“ Zusätzlich bestehe ein erheblicher Investitionsstau. Oft sei die Finanzplanung der bisherigen Regierung für große Städte gemacht. „Ein gutes Beispiel dafür sind die Wiederkehrenden Ausbaubeiträge.“ Sie überforderten Menschen in kleineren Gemeinden schnell.
Winter weiß, auch seine Partei habe sich in der Vergangenheit nicht immer ideal präsentiert. „Rückblickend hätten wir Sachen anders kommunizieren sollen“, sagt er. Dennoch ist er sich sicher: „Wenn wir die Gelegenheit bekommen mitzuregieren, werden wir uns beweisen.“
Info
In den vergangenen Wochen haben wir alle acht Direktkandidaten aus dem Donnersbergkreis zur Landtagswahl vorgestellt. Erschienen sind: Jessica Albert (Die Linke), am 18. Februar, Christian Caspary (FDP) am 21. Februar, Lars Kairies (FWG) am 24. Februar, Damian Lohr (AfD) am 26. Februar, Jaqueline Rauschkolb (SPD) am 5. März, Andrea Schmitt (CDU) am 7. März, Lisett Stuppy (Die Grünen) am 10. März. Das Porträt zu Tim Winter (BSW) schließt die Serie damit ab.