Landtagswahl
SPD-Kandidatin Rauschkolb: „Alle Menschen müssen gut versorgt sein“
Einfach und gewöhnlich kann Jaqueline Rauschkolb nicht. Bei ihr gehört immer ein bisschen „Drama“ dazu. Beispiel(e) gefällig? Den Wahlkampf für ihre erste Kandidatur, 2016, bestritt Rauschkolb freudig, aber hochschwanger – und nahm anschließend den Sohn häufig mit ins Plenum nach Mainz. Der zweite Wahlkampf, 2021, fand unter erschwerten Bedingungen und fast ohne öffentliche Auftritte statt – mitten in der Corona- und Lockdown-Zeit. Nun kämpft die SPD-Politikerin zum dritten Mal um den Einzug ins Parlament – nach schwierigen Monaten im vergangenen Jahr: Auf die Diagnose eines Tumors im Rückenmark folgten eine komplizierte Operation, lange Reha, stark eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten, viel Krankengymnastik und insgesamt eine anstrengende Zeit. Beschwerdefrei ist sie noch nicht, aber seit Anfang 2026 wieder voll im Wahlkampf-Modus. Rauschkolbs innerer SPD-Motor läuft immer auf 100 Prozent; ihre eigene Ungeduld und die Erwartungshaltung der anderen treiben sie an. Nicht weniger als der Sieg des Wahlkreises ist das Ziel.
Dafür hat sich Jaqueline Rauschkolb in den SPD-beliebten Haustürwahlkampf gestürzt. Von den Small-Talk-Erlebnissen erzählt sie, dass viele Menschen im Donnersbergkreis verunsichert seien, vor allem aufgrund der Weltlage – USA, Nahost, Ukraine –, manchmal aber auch mit Blick auf die wirtschaftliche Situation in der Region: Fachkräftemangel, Ladensterben, Gesundheitssystem oder steigende Lebenshaltungskosten. Sie versuche dann Zuversicht auszustrahlen, positive Beispiele für die Entwicklung in der Region, „die so lebenswert ist“, aufzuzeigen. An 50 bis 60 Terminen klingelt die SPD-Frau in diesen Monaten an Haustüren – und das ist nur ein Glied in der langen Wahlkampfterminkette. „Es sind wie immer intensive Wochen, man sehnt sich nach Sonne, Meer und Strand.“ Aber Urlaub muss warten.
Mittagessen für alle in der Schule
Jaqueline Rauschkolb, 38, gelernte Hotelfachfrau, Mutter zweier Söhne, verheiratet mit einem Spanier, rückt die Entlastung von Familien in den Mittelpunkt ihrer politischen Agenda. Sie wirbt mit dem SPD-Wahlversprechen, dass Schulbücher in Rheinland-Pfalz künftig für alle kostenfrei sein sollen. Ansonsten wolle sie Strukturen schaffen, die allen Kindern ein Mittagessen in der Schule ermöglichen: „Eltern sollen sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder versorgt sind.“
Rauschkolb will jedoch eine Landtagsabgeordnete für „alle Generationen“ sein. Deshalb liegen ihr der Ausbau der Pflegestützpunkte, eine gute ärztliche Versorgung durch das Klinikum in Kirchheimbolanden mit seiner Erweiterung, das MVZ in Eisenberg und die mobile Arztpraxis in Rockenhausen am Herzen. „Wir dürfen keinen Teil des Kreises vergessen“, mahnt Rauschkolb. „Alle Menschen müssen gut versorgt sein.“ Man dürfe nicht nur von oben auf die Nordpfalz schauen, sondern müsse mittendrin stehen, um Probleme zu erkennen – und zu lösen. Das betrifft auch die Infrastruktur. Rauschkolb weiß, wie schwierig es sein kann, hier von A nach B zu kommen. Deshalb möchte sie das Erfolgsmodell Bürgerbusse ausweiten, denn allein mit dem ÖPNV werde Mobilität im ländlichen Raum in Zukunft nicht gewährleistet sein.
Dorfkneipen gegen die Einsamkeit
Und dann wäre da noch das neue Lieblingsthema der Sozialdemokraten: die Dorfkneipen. Die Sozialdemokraten wollen die auf dem Land häufig leerstehenden Gasthäuser wiederbeleben, somit Ortskerne stärken, Gemeinschaft fördern, Ehrenamt unterstützen. Infrage kommen nicht nur alte Kneipen, sondern auch Hallen oder Dorfgemeinschaftshäuser, die als Treffpunkte dienen. Dort, wo sich Vereine engagieren – und damit der Einsamkeit entgegenwirken. „Den Menschen fehlt sowas“, erzählt Rauschkolb aus der Erfahrung ihrer Gespräche von Schiersfeld bis Ramsen.
Die 38-Jährige ist tief verwurzelt in der Pfalz , lebt in Steinborn, sitzt im Kreistag, ist Mitglied des Stadt- und Verbandsgemeinderates Eisenberg und stellvertretende Fraktionsführerin für die SPD im Landtag. Das politische Interesse wurde ihr in die Wiege gelegt – ihr Großvater war Stadt- und VG-Bürgermeister in Eisenberg sowie Kreisbeigeordneter. Seine Kandidaturen erzählen allerdings von weniger „Drama“.
Info
Wir stellen alle acht Direktkandidaten des Wahlkreises Donnersbergkreis im Porträt vor. Bereits erschienen sind: Jessica Albert (Die Linke) am 18. Februar, Christian Caspary (FDP) am 21. Februar, Lars Kairies (FWG) am 24. Februar, Damian Lohr (AfD) am 26. Februar.