Neuleiningen
„Menschenunwürdige“ Klos und hohe Kosten: So geht es mit der „Alten Schule“ weiter
Das 1957 errichtete Dorfgemeinschaftshaus (DGH) in Neuleiningen ist schon seit langer Zeit in keinem guten Zustand. Alle bisherigen Ansätze, das zweigeschossige ehemalige Schulgebäude auf dem 2500 Quadratmeter großen Hanggrundstück zu sanieren, scheiterten – aus unterschiedlichen Gründen. 2012 war von 100.000 Euro für die Instandsetzung die Rede, dann von 150.000 Euro, 2015 waren es dann schon 300.000 Euro. Eine 2016 gewährte Zuwendung von 118.000 Euro aus dem Investitionsstock wurde zurückgegeben. Zwischenzeitlich wurde diskutiert, sich von der „Alten Schule“ zu trennen.
Denn nicht nur der Investitionsstau ist ein großes Problem, sondern auch der laufende Unterhalt. Das Haus beschert der Gemeinde jährlich ein fünfstelliges Defizit. Der Stadtplaner Hans-Jürgen Wolf aus Kaiserslautern kam in einer Machbarkeitsstudie 2024 zu dem Ergebnis, dass der öffentlich genutzte Bau auf den heutigen Standard – einschließlich Brandschutz und Barrierefreiheit – gebracht und energetisch saniert werden müsse. Gesamtkosten: rund 1,5 Millionen Euro. Seine Empfehlung: Die Immobilie veräußern oder abreißen.
Die „Seele des Dorfes“
Doch im Rat herrscht die Meinung vor, dass die Gemeinde weiterhin eine Versammlungsstätte benötige. Wolfgang Barthel (WG Freyland-Mahling), selbst Architekt, spricht sogar von der „Seele des Dorfes“. Ein Bürgerhaus sei unverzichtbar für Kultur, Gesundheit, Sport, Geselligkeit und Kommunalpolitik. In der „guten Stube“ Neuleiningens fänden jährlich 40 Proben und Stammtische der Blaskapelle, Schlagzeug- und Klavierunterricht sowie an etwa 30 Tagen Gymnastik statt. Dazu kämen Sitzungen politischer Gremien und des Heimat- und Kulturvereins sowie einzelne Veranstaltungen wie Kinderfasching und der Neujahrsempfang.
Vermietet werde das Gebäude selten – an dieser Schraube müsse man drehen, so Barthel. Nach seiner Berechnung betrage das jährliche Minus durchschnittlich 22.000 Euro. Insofern komme man nicht umhin, das Haus attraktiver zu machen. Die immer wieder angeführten Ausweichmöglichkeiten für größere Zusammenkünfte seien indiskutabel, findet er. Das Rathaus sei zu klein, das Sportlerheim zu abgelegen und gehöre dem TSV – und die Kita im historischen Ortskern sei völlig abwegig.
Besser nicht energetisch sanieren
Im Vergleich zu anderen Dorfgemeinschaftshäusern stehe die „Alte Schule“ gar nicht so schlecht da, resümiert der 70-Jährige, der Nutzungen und Kosten solcher Gebäude auch in Altleiningen, Kleinkarlbach, Laumersheim und Tiefenthal unter die Lupe genommen hat. Insofern lohne es sich, zu investieren. Barthel hat sich dazu bereiterklärt, kostenfrei ein Modernisierungskonzept zu entwickeln. Auf eine energetische Sanierung sollte zunächst verzichtet werden, empfiehlt der Architekt. Die Kosten für die Dämmung der Fassade und den Austausch der Fenster amortisierten sich bei der geringen Nutzungsdichte erst in 70 bis 80 Jahren. Dennoch ließe sich der Wärmeschutz verbessern: Und zwar durch das Aufbringen einer Isolierschicht an die Decke über dem großen Veranstaltungssaal.
Auch für die Erneuerung der Heizung sieht Barthel nach Rücksprache mit Fachleuten keine dringende Notwendigkeit. Die Gastherme sei zwar von 1992 und noch nicht mit Brennwerttechnik ausgestattet, aber das 110-Kilowatt-Gerät funktioniere und sei wartungsfreundlich. „Trotzdem ist das alte Schlachtross irgendwann am Ende und man muss sich auf den Umstieg auf ein neues Heizsystem vorbereiten“, sagt er. Sinnvoll wäre ein Pelletofen in Verbindung mit der Photovoltaikanlage, die seit 2010 auf dem Dach ist.
Beim Brandschutz wird nicht gespart
Die in die Machbarkeitsstudie eingerechnete Barrierefreiheit will Barthel in eine deutlich preisgünstigere „Barrierearmut“ verwandeln. So plant er Betonrampen an den Eingangstüren im Erd- und Untergeschoss. Statt eines Aufzugs, der im Inneren beide Ebenen verbindet, zeigt sein Entwurf einen rollstuhlgerechten Weg mit sechs Prozent Gefälle rund um das Gebäude. Im Souterrain solle dann ein Behinderten-WC angelegt werden. Die vorhandenen Toiletten, die noch aus den 1950er Jahren stammen, seien unbedingt zu erneuern. „Die sind menschenunwürdig“, urteilt Barthel.
Ebenfalls nicht zu diskutieren sei über die Erfüllung der Brandschutz-Auflagen. Das sagt auch Bürgermeister Johannes Nippgen (WG Freyland-Mahling): „Im Falle eines Brands würden wir uns immer Vorwürfe machen, nicht rechtzeitig gehandelt zu haben.“ Insbesondere müssten spezielle Feuerschutztüren eingebaut und ein zusätzlicher Rettungsweg geschaffen werden. Für Letzteren stellt sich Barthel einen Mauerdurchbruch im gegenwärtigen Kulissenlager vor. Der Raum befindet sich westlich der Bühne im großen Saal und soll zu einem Bürgerbüro umgestaltet werden.
Versäumnis der Vergangenheit nachholen
Dinge, die bislang einfach so herumliegen oder -stehen wie Requisiten, Gymnastikgeräte, Tische und Stühle, möchte Barthel hinter Faltwänden verstecken. „Das sieht nicht nur aufgeräumter aus. Es hat auch den Vorteil, dass der Saal durch die Abtrennungen dann weniger als 100 Quadratmeter umfasst, was das Erfüllen der Brandschutzauflagen erleichtern würde“, erläutert der Architekt, der die Gesamtkosten auf rund 142.320 Euro schätzt. Zur Finanzierung rät er, das absolut defizitäre Rathaus zu verkaufen und Förderungen, zum Beispiel aus dem Dorferneuerungsprogramm, zu beantragen. Zudem solle möglichst viel in Eigenleistung gemacht werden, unter anderem Abbruch- und Malerarbeiten sowie die Anlage des Außengeländes.
Er werde umgehend den Bauantrag auf Umnutzung des Schulgebäudes als Dorfgemeinschaftshaus stellen und damit ein Versäumnis der Vergangenheit nachholen. Aus Haftungsgründen sei das absolut notwendig. Laut Nippgen wird das vollständige Konzept dabei eingereicht, was aber nicht heiße, dass es schon beschlossene Sache sei. Eine Ratsfraktion spricht sich gegen eine Investition in die „Alte Schule“ aus, weil die Ortsgemeinde „wichtigere Projekte“ vor der Brust habe.