Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Landesregierung: Ein Pfälzer im Zentrum der Macht

Großer Moment: Marcus Klein am 18. Mai bei seiner Vereidigung im rheinland-pfälzischen Landtag.
Großer Moment: Marcus Klein am 18. Mai bei seiner Vereidigung im rheinland-pfälzischen Landtag.

Große Reden sind nicht Marcus Kleins Sache. Der Westpfälzer koordiniert lieber. Als Chef der Staatskanzlei spielt der CDU-Mann eine zentrale Rolle in der Landesregierung.

Für den schrittweisen Prozess, Aufgaben und Gegebenheiten im neuen Job kennenzulernen, haben Personaler einen tollen Begriff aus dem Englischen übernommen: das sogenannte Onboarding. In Marcus Kleins Fall gleicht dieses Onboarding als Chef der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei und Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Sport, Ehrenamt und Medien auf den ersten Blick eher dem klassischen Sprung ins kalte Wasser: am Montag Vereidigung im Landtag, am Dienstagmorgen Schalte mit den Chefs der CDU-geführten Staatskanzleien, am Mittwoch dann in Berlin das Treffen mit den Kollegen aus allen Bundesländern und am Donnerstag der erste Termin im Kanzleramt.

Im Hintergrund aber hatte der 49 Jahre alte Christdemokrat aus der Westpfalz natürlich schon vor dem Start der neuen schwarz-roten Landesregierung am 18. Mai immer wieder Kontakt mit seinem Vorgänger, dem SPD-Mann und jetzigen Finanzstaatssekretär Fedor Rose, gehalten. Den Austausch über und die Vorbereitung auf den Wechsel in der Staatskanzlei nach 35 Jahren in sozialdemokratischer Hand beschreibt Marcus Klein beim Gespräch mit der RHEINPFALZ in seinem Büro mit Rheinblick als „freundliche Übergabe“.

„Kein Wünsch-dir-was“

Bei aller Professionalität und Sachlichkeit: Auch für Klein, der bis zuletzt als Parlamentarischer Geschäftsführer die Arbeit der CDU-Landtagsfraktion koordiniert hat, bleibt der 18. Mai mit der Konstituierung des im März neu gewählten Landesparlaments, der Wahl von Gordon Schnieder zum Ministerpräsidenten und der Ernennung der Regierungsmitglieder ein besonderes Datum. „Man wird nicht jeden Tag Minister“, sagt der Jurist mit Blick auf seine eigene Vereidigung vor dem Plenum. Dass seine Familie diesen Moment von der Empore miterleben konnte, das sei ihm sehr wichtig gewesen.

Aber wie wird man denn eigentlich Minister? Dass Marcus Klein im Falle eines Siegs der CDU eine größere Rolle in den Personalplanungen spielen würde, das war schon vor der Landtagswahl am 22. März kein allzu großes Geheimnis. Der Mann aus Steinwenden (Kreis Kaiserslautern) zählt mit Generalsekretär Johannes Steiniger (Bad Dürkheim) zum Kreis der engsten Vertrauten von Gordon Schnieder. Klein widerspricht allerdings dem Eindruck, dass konkrete Posten vorab für bestimmte Personen reserviert würden: „Das läuft nicht nach dem Wünsch-dir-was-Prinzip.“

Büroleiter bei Müller

Er habe selbst lange gewartet und zu einem ihm passend erscheinenden Zeitpunkt dem designierten Ministerpräsidenten gesagt, was er anbieten könne, sagt Klein. Der Mann, der für seine politische Laufbahn den klassischen Weg über die Junge Union und die Kommunalpolitik in den Landtag genommen hat, verfügt über ein Alleinstellungsmerkmal im engeren Führungszirkel der rheinland-pfälzischen CDU: Regierungserfahrung. Gesammelt hat er sie im Saarland – unter anderem als Büroleiter des bis 2011 amtierenden Ministerpräsidenten Peter Müller.

Dass nicht wenige früh auf Marcus Klein als künftigen Chef der Staatskanzlei tippten, hat sicher auch mit den Fähigkeiten zu tun, die der Westpfälzer als Parlamentarischer Geschäftsführer von 2024 an weiterentwickeln konnte: das Steuern und Koordinieren aus dem Hintergrund. Das muss er jetzt freilich nicht nur für eine damals noch 31-köpfige Fraktion, sondern für den gesamten Regierungsapparat mit nun zehn Ministerien. Die Art und Weise, wie sich Christ- und Sozialdemokraten geräuschlos und diskret auf einen Koalitionsvertrag geeinigt haben, bewertet Klein so: „Da sitzen keine Amateure am Tisch.“ Die Verhandlungen hätten „in Ruhe und Professionalität“ stattgefunden. Das spreche für „gewachsenes Vertrauen“ unter den Partnern.

Mit „Liebe zum Detail“

Das persönlich gute Verhältnis Kleins zu vielen Beteiligten, vor allem aber zum neuen Ministerpräsidenten dürfte dem Projekt Schwarz-Rot also durchaus nutzen. Was aber ist die Basis der politischen Freundschaft Klein/Schnieder? „Es gibt eine Ähnlichkeit in der Art, auf Menschen zuzugehen.“ An Schnieder bewundert der Chef der Staatskanzlei vor allem zweierlei: „Er hat ein erschreckend gutes Zahlengedächtnis und eine ausgeprägte Liebe zum Detail.“

Am kommenden Dienstag wird Gordon Schnieder die erste Regierungserklärung vor dem Landtag abgeben, dann beginnt nach der Sommerpause die inhaltliche Arbeit. Schon im Wahlkampf und in der heißen Phase der Koalitionsgespräche waren Marcus Kleins Tage eng getaktet . Dass es nach dem Onboarding ruhiger wird: eher unwahrscheinlich. Trotzdem hat der 49-Jährige die Hoffnung, die Aufgaben in Mainz und die Verpflichtungen als Vater und Ehemann miteinander vereinbaren zu können: „Meine Familie will mich sehen und sie wird mich auch sehen.“

Zur Person

Marcus Klein kennt die Politik von der Pike auf: 1993 ist der in Kaiserslautern geborene Westpfälzer in die Junge Union eingetreten, hat die CDU im Stadtrat Ramstein-Miesenbach, im Kreistag und bis zuletzt im Verbandsgemeinderat Ramstein-Miesenbach vertreten. Dem rheinland-pfälzischen Landtag gehört der Volljurist seit 2011 an – mit einer Legislaturperiode Unterbrechung. 2021 und 2026 holte Klein jeweils das Direktmandat im Wahlkreis 46 „Kaiserslautern-Land“. Er lebt mit seiner Frau und den zwei Kindern in Steinwenden (Kreis Kaiserslautern).

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