Stadtleben
Tausendsassa Michael Geib wird 70
Michael Geib kann auf 70 Erdenjahre zurück- und hoffentlich noch viele weitere vorausblicken. Denn er tanzt ja weiterhin mit Verve, Hingabe und vitaler Begeisterungsfähigkeit auf einem guten Dutzend verschiedenster Hochzeiten. Zum eigenen Spaß und zur Freude vieler Freunde in und um Lautern. Da wie dort ist der Tausendsassa, wie man so sagt, bekannt wie ein bunter Hund.
Da ist einerseits der methodisch versierte Wissenschaftler und Geograf Michael Geib, der in Saarbrücken und im kanadischen Vancouver studierte, in Hagen und Völklingen arbeitete, schließlich in Ramstein landete. Seit 2007 leitete er das dortige „Dokumentations- und Ausstellungszentrum zur Geschichte der US-Amerikaner in Rheinland-Pfalz“. Er baute es zum ergiebigen Archiv und beredten Magazin aus. Und er hat – häufig unterstützt von seiner engagierten Mitarbeiterin Claudia Gross – Ausstellungen zu mancherlei, auch überraschenden, nicht nur positiven Aspekten der deutsch-amerikanischen Kontakte auf pfälzischem Boden kuratiert. Die wechselnden Präsentationen kommentierte er stets mit bestaunenswerter Eloquenz.
Nicht minder facettenreich glitzern seine übrigen Begabungen. Der Volkskundler und Regionalhistoriker ist darüber hinaus Folk-Musiker und Mundart-Rocker, Dichter und Rezitator, Kabarettist und (nicht nur durch die Erfindung des „Maggi-Aquarells“) eine wesentliche Stütze der Lauterer Künstler-Werkgemeinschaft.
Dort präsentiert er sich als launiger, sanft exzentrischer Dandy mit einem auffälligen Faible für schräge Outfits. Ebenso gern gibt er den nonchalant-belesenen Plauderer mit weitem Bildungshorizont. Wer da nicht mithalten kann, verwandelt sich vom Gesprächspartner unversehens zum reinen, zwangsläufig andächtig lauschenden Zuhörer.
Im Übrigen ist jede Unterhaltung mit Michael Geib ein intellektuelles Vergnügen, weil er Kunstverstand, Allgemein- und Geschichtswissen mit einem tiefen Humanismus und dem seltenen Talent zu echter Selbstironie verbindet. In ihm lebt der Typus des weltläufig-genießerischen Connaisseurs fort, wie er eigentlich nur noch in der Literatur vorkommt.
Michael Geib ist der Sohn eines Staatsanwalts aus der Pfalz und einer saarländischen Mutter, geboren in Dudweiler im damals noch nicht der Bundesrepublik angegliederten Saarland. Seine Geburtsurkunde trägt das Siegel des bis zur Jahreswende 1956/57 autonomen Staats. Das Dokument besitzt er noch.
Ohnehin hat er einen ausgeprägten Sinn für skurrile Unikate. Seine umfangreiche, weiter wachsende Hampelmann-Sammlung war bereits in Kaiserslautern und Nußbach (Kreis Kusel) zu sehen. Ab 20. Juni zeigt er sie im Ramsteiner Museum im Westrich. Ende Juni macht er eine militärgeschichtliche Stadtführung durchs 750-jährige Kaiserslautern. Im kommenden Herbst bereichert er bei der Volkshochschule einen Grumbeere-Kochkurs von Gisela Wakeel mit Pfälzer Liedern und Gedichten. Für einen wie Michael Geib gibt es immer was zu tun.