Bobenheim-Roxheim
Tapinoma magnum: Was in der Schweiz besser läuft
Der Schein trügt hier und da, wenn es um die Fortschritte bei der Bekämpfung der Großen Drüsenameise in der Gemeinde Bobenheim-Roxheim geht. Das sagte Bürgermeister Michael Müller (SPD) jüngst im Ortsgemeinderat. Das Thema stand nicht auf der Tagesordnung, wurde aber am Ende der Sitzung kurz aufgegriffen. „Ein Stück weit erfolgreich“ ist die Gemeinde Müller zufolge zwar mit der im Juli gestarteten Heißwassermethode. Nach ersten Erfolgen gab es aber auch Rückschläge.
Frank Unvericht, der in der Gemeindeverwaltung den Fachbereich Bürgerdienste leitet, ist der Richtige, um bei dem Thema ins Detail zu gehen. „Wir haben in den Sommermonaten die Nester unserer vier Superkolonien in Bobenheim-Roxheim mit der Heißwassermethode durch die Firma Kleinlogel regelmäßig einmal in der Woche bekämpfen lassen und dadurch zumindest die Population eingedämmt“, teilt er auf RHEINPFALZ-Anfrage mit. An den regnerischen Tagen im August habe es zunächst den Anschein gehabt, als sei die Eindämmung erfolgreich. „Man hat kaum noch Tapinoma magnum gesichtet“, sagt Unvericht. Jedoch: Als das Wetter wieder besser wurde, „wurden auch die Ameisen wieder agiler“. Im kommenden Frühjahr müsse die Gemeinde daher in die nächste Runde der Bekämpfung gehen.
Austausch mit anderen Kommunen
Ende August hat sich Unvericht persönlich in der Thematik weitergebildet – bei einem Seminar in der baden-württembergischen Stadt Kehl, die ebenfalls große Probleme mit den Insekten hat. Laut Unvericht nahmen daran auch Kommunen aus der Schweiz teil. Eine Erkenntnis für den Fachbereichsleiter war: „In der Schweiz ist Tapinoma magnum als invasive Art anerkannt, in Deutschland nicht.“ Entsprechend seien die Schweizer anders aufgestellt. Bürger könnten sich in einem Verdachtsfall direkt an ihren Kanton wenden, welcher eigens beschäftigte Experten für invasive Arten entsende. Sei ein Befall von Tapinoma magnum bestätigt, erhalte die betroffene Kommune Anweisungen durch den Kanton, was zu tun ist.
Außerdem gebe es Kontrollen bei Gartencentern, die mediterrane Pflanzen verkaufen. Denn: „Die Eier der Ameisen verstecken sich oft in solchen Pflanzen“, berichtet Unvericht. Dass eine übergeordnete Instanz die Bekämpfung koordiniert, das würde sich Unvericht auch in Deutschland wünschen. Bürgermeister Michael Müller stieß in der Gemeinderatssitzung ins selbe Horn, als er sagte: „Übergeordnete Behörden sollten sich mal der Sache annehmen.“
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Genehmigung für Rodung steht aus
Momentan ist die Gemeinde auf sich allein gestellt und muss deshalb auch die Rechnungen für die Bekämpfung bezahlen. Da überrascht es nicht, dass die Verwaltung plant, künftig ohne die Hilfe externer Firmen auszukommen. „Wir probieren Gerätschaften aus“, sagte Müller den Gemeinderatsmitgliedern dazu. Frank Unvericht präzisiert im RHEINPFALZ-Gespräch: „Eventuell kriegen wir ein Gerät, das nicht nur Ameisen, sondern auch Unkraut bekämpft.“ Ein derartiges Gerät, das ebenfalls über die Heißwassermethode funktioniert, werde beispielsweise von der Stadt Kehl eingesetzt und würde rund 50.000 Euro kosten.
Dass die Bekämpfung von Tapinoma magnum notwendig ist, obwohl die Art in Deutschland nicht als invasiv anerkannt ist, macht Unvericht an ein paar Beispielen fest: ein unterhöhlter Gehweg beim Vogelpark, Probleme im Südring und ein Befall in der Altrheinanlage. Eine erfolgreiche Dezimierung der Tapinoma magnum, das habe sich Frank Unvericht beim Besuch des Seminars bestätigen lassen, funktionierte nur durch die Beseitigung der Nester. Um an alle diese Nester zu kommen, müssen zunächst jedoch Rodungen stattfinden. Die Gemeinde benötigt hierfür noch Genehmigungen. Im Winter soll dann gerodet werden, um im kommenden März die Vernichtung der Nester zu starten. Die Reise nach Kehl hat Unvericht darin bestätigt, „dass wir auf dem richtigen Weg sind“.
Nematoden für den Privatbereich?
Weil in Medienberichten immer wieder Kieselgur zur Bekämpfung ins Spiel gebracht wird, erreichen dazu auch Anfragen von Bürgern aus Bobenheim-Roxheim die Verwaltung. „Das Ausbringen von Kieselgur verhindert nur den Lauf der Ameisen und dezimiert diese am Ort des Ausbringens, bewirkt aber nicht die Zerstörung der Nester“, teilt Frank Unvericht dazu mit. Für Letztgenanntes brauche es Ameisengel oder eben den Einsatz von Heißwasserlanzen.
Für den privaten Bereich gebe es die Möglichkeit, Fadenwürmer, sogenannte Nematoden, einzusetzen. „Jedoch muss dann dafür gesorgt werden, dass der Boden ständig feucht gehalten wird, sonst trocknen die Fadenwürmer aus“, erklärt Unvericht. Für den Einsatz im öffentlichen Raum sei diese Methode daher ungeeignet, im Privatbereich aber vorstellbar.


