Freinsheim
Tapinoma magnum in Freinsheim: „Sorge, dass uns der Strom ausfällt“
„Wir haben Sorge, dass uns irgendwann der Strom ausfällt“, betonen gleich mehrere Anwohner der Freinsheimer Bahnhofstraße. Dass sich neben den Verteilerkästen regelrechte Sandberge türmen, beunruhigt sie. Denn es scheint so, als ob Tapinoma magnum (Große Drüsenameise), die invasive Ameisenart aus Südeuropa, diesen Teil südwestlich der Bahnunterführung längst erobert hat. Auf den Bürgersteigen, in den Einfahrten und an Gartenmauern gestalten die Insekten regelrechte Wüstenlandschaften. Um ihre Superkolonien weiter zu vergrößern, schaffen die sehr fleißigen Arbeiterinnen reichlich Sand unter dem Pflaster hervor und unterhöhlen es so.
In Häuser vorgedrungen
Außerdem sind die Ameisen schon in einige Häuser vorgedrungen – auf der Suche nach Essbarem. Die hinzugezogenen Schädlingsbekämpfer bestätigen, dass der erste Eindruck auf die südeuropäischen Einwanderer schließen lässt. Das rasante Ausbreiten des Befalls und die typischen Merkmale wie Sandauswurf an den Nestern, breite mehrspurige Ameisenstraßen (anders als heimische Arten) und unterschiedliche Größen der Arbeiterinnen lassen auch bei den Anwohnern keine Zweifel, wer hier am Werk ist.
„Die Stadt darf nur aktiv werden, wenn es sich wirklich um die invasive Art handelt“, betont Sabine Dell, Mitarbeiterin der Verbandsgemeindeverwaltung, die auch für die Stadt Freinsheim zuständig ist. Sie versteht die Sorgen der Anwohner, bittet aber auch um Verständnis, dass sie sich an Vorschriften halten muss.
Der Galgenhumor der Anwohner
Die von der Stadt beauftragte Firma Hehl aus Ludwigshafen hat entlang der stark befallenen Bürgersteige an drei Stellen je zehn bis 20 Exemplare für die Bestimmung eingesammelt. Den Anwohnern ist es wichtig, dass es dieses Mal schneller geht als im vergangenen Jahr. Da hat das Prozedere zwei Monate gedauert, und dann entpuppten sich die Tiere als einheimische Art. „Wir können die Massen kaum mehr aufhalten“, sagt eine Anwohnerin.
Parallel haben die Freinsheimer Bürger selbst eine Probe an das Institut für Schädlingskunde in Darmstadt geschickt, um Gewissheit zu haben. Das Ergebnis: Es ist Tapinoma magnum. Bereits in der Woche zuvor hatte die Nachbarschaftsinitiative, deren Whatsapp-Gruppe sich mit viel Galgenhumor „Die Ameisenstraße“ nennt, eine andere Schädlingsbekämpfungsfirma kontaktiert.
José Manuel Lama Lois von der Firma Kontra aus Walldorf hat sich vor Ort schon ein Bild gemacht. Zunächst stand er mit Rat zur Seite, demnächst werden es wohl auch Taten sein. Er betont, dass das Problem nur gemeinsam mit der Stadt in den Griff zu bekommen ist. Auf den Grundstücken dürfe er aber nur eingreifen, wenn das Haus in Gefahr sei beziehungsweise die Ameisen bereits im Haus sind.
Schnelles Handeln ist gefragt
Die bisherigen Maßnahmen der Bewohner haben offensichtlich nur Teilerfolge erzielt. Die Grundstückseigentümer müssten aber einzeln ihre Aufträge erteilen, weil jede Situation anders sei. Er spricht von Kontrollpunkten und Köderschutzgürteln, von Fraßködern mit für die Ameisen hochattraktivem Fraßgel. „Wir machen uns die Biologie der Tiere zunutze“, erklärt er. „Die Arbeiterinnen transportieren das Futtermittel in den Bau und verfüttern dann das Gift an den Nachwuchs und die Königin.“ Begleitende Maßnahmen im Garten können frei verkäufliche und umweltschonende Mittel sein, wie zum Beispiel Kieselgur.
Grundsätzlich solle man bei ersten Befallsanzeichen schnell handeln. Man könne auch mit baulichen Maßnahmen den kleinen Krabblerinnen den Einzug ins Haus durch Spalten und Ritzen verwehren. „Wenn es tatsächlich diese invasive Art ist, macht es Sinn, dass wir zusammen etwas machen“, bestätigt Dell. Sollte sich der Befall als eine einheimische Art herausstellen, würde es die Stadt auch nicht tolerieren, dass Gehwege, Anschlüsse oder Kabel beschädigt werden, erklärt sie. „Dann muss ich einen Ausnahmeantrag bei der SGD stellen.“ Ameisen seien als Wildtiere durchaus geschützt.
Ein erster Anruf Dells bei den Pfalzwerken wegen der betroffenen Stromkästen hat den Stromversorger bereits alarmiert. Schon gut zwei Stunden nach dem Ortstermin kam die Info, dass die Pfalzwerke die Stromkästen bald prüfen wollen.


