Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Tapinoma magnum: Überwintert die invasive Ameisenart an der Stadtmauer?

Ameisen der invasiven Art Tapinoma magnum haben sich auch in Wachenheim angesiedelt.
Ameisen der invasiven Art Tapinoma magnum haben sich auch in Wachenheim angesiedelt.

Im Sommer wurde die invasive Ameisenart Tapinoma magnum in Wachenheim entdeckt. Seitdem wird die Art bekämpft. Mit welchem Erfolg?

An diesem sonnigen Herbsttag krabbeln nur wenige Ameisen entlang der Sandsteinmauer zwischen Pfortenstück und Stadtmauer. Dort befindet sich eine Kolonie der invasiven Art Tapinoma magnum. Die Insekten sind gefürchtet, weil sie riesige Kolonien bilden und aufgrund ihrer großen Anzahl erhebliche Schäden an Mauern oder Gebäuden anrichten und Straßen unterhöhlen können. Auch Verteilerkästen für Strom oder Internet sind vor den Tieren nicht sicher.

Nach Hinweisen von Bürgern hat sich die Verbandsgemeindeverwaltung im Sommer entschieden, einen Schädlingsbekämpfer zu beauftragen, der mit Giftködern und heißem Wasser gegen die Insekten vorgeht. Ziel ist es vor allem, Schäden an Gehwegen, Mauern und öffentlichen Gebäuden zu verhindern. Bei der Bekämpfung der Ameisen auf und unter Grünflächen ist man in Wachenheim zurückhaltend – wohl wissend, dass der Kampf gegen die Superkolonien schwierig ist. Diese können aus vielen untereinander verbunden Nestern mit Millionen von Tieren bestehen.

Schädlingsbekämpfer weiter im Einsatz

„Der Schädlingsbekämpfer ist nach wie vor im Einsatz. Er kontrolliert regelmäßig den betroffenen Bereich und legt die Köder aus“, erklärt Bauamtsleiter Stefan Schneider. Mit welchem Erfolg? „Es sind nicht mehr Ameisen geworden, und sie haben sich auch nicht in andere Bereiche ausgebreitet“, sagt Schneider. Doch die Tiere seien nach wie vor aktiv.

Die Insekten können ein großes Gebiet besiedeln, und ein Volk besitzt mehrere Königinnen. Wie die ursprünglich in Südwest- und Südeuropa beheimatete Art nach Deutschland kam, dafür gibt es mehrere Erklärungen – etwa über Pflanzen aus wärmeren Gefilden, die in Gartenmärkten verkauft wurden und jetzt in Pfälzer Gärten wachsen.

Wie kommt die Tapinoma über den Winter?

Doch wie kommt die Art mit dem mitteleuropäischen Winter zurecht? Schließlich ist die Tapinoma magnum das mildere Klima Portugals, Spaniens, Südfrankreichs oder Italiens gewohnt. „Ohne jetzt wissenschaftlich fundiert recherchiert zu haben, würde ich sagen, dass sie unsere Winter übersteht, weil die Nester und Gänge ein paar Meter unter der Erdoberfläche liegen“, sagt Schneider. Auch Kai Hensel, Naturschutzbeauftragter der Verbandsgemeinde Wachenheim, geht davon aus, dass die Insekten den Winter gut überstehen werden: „Unsere Winter sind ja nicht mehr so kalt. Wenn sich die Ameisen vier oder fünf Meter unter die Oberfläche zurückziehen, dürfte ihnen die kühlere Temperatur egal sein.“ Auch Fachleute gehen davon aus, dass die Tapinoma magnum die Winterzeit überleben wird. „Wenn es wieder wärmer wird, wird die Art mit aller Kraft zurückkommen“, befürchtet Hensel, der schon an den zuletzt milderen Herbsttagen wieder verstärkt Ameisen zwischen Pfortenstück und Stadtmauer gesichtet hat.

Da die Art nicht auf der entsprechenden EU-Liste steht, gilt sie nicht als invasiv, sondern als Ungeziefer. Die Bekämpfung auf Privatgrundstücken ist somit Sache der Eigentümer, nicht der Behörden. Das ist auch in Wachenheim so. Nachfragen der Bürger, ob die Verwaltung nicht das vom Schädlingsbekämpfer eingesetzte Granulat ausgeben könne, habe man ablehnen müssen, berichtet Schneider: „Wir sind keine Spezialisten und kennen uns mit der Anwendung nicht aus.“

Kai Hensel rät ohnehin, die Ameisen mit heißem Wasser oder Kreidepulver zu bekämpfen. Der Einsatz von Gift könne andere Arten schädigen und möglicherweise sogar die Ausbreitung der Tapinoma fördern, da Konkurrenten beseitigt würden.

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